Das Kickback-Rig ist in der Finesse-Szene längst kein Geheimnis mehr – seit Jahren hat es sich fest etabliert. Ich selbst bin allerdings ziemlich spät auf den Geschmack gekommen. Lange Zeit war mein Standard-Setup beim Barsch- und Zanderangeln das Dropshot- oder Carolina-Rig. Erst als mich ein enger Angelkumpel von den Stärken des Kickback-Rigs gegenüber anderen Methoden überzeugt hat, habe ich meinen Köderkasten neu sortiert. Seither greife ich immer öfter darauf zurück – und muss ehrlich sagen: meine Fangquote hat sich spürbar verbessert. Hier bekommst Du den kompletten Überblick über das Rig – von der Montage bis zur Köderführung.
Was ist das Kickback-Rig?
Der Aufbau ist erfreulich simpel. Du brauchst im Grunde nur drei Dinge: ein Stück Fluorocarbon, einen Offset- oder Öhrhaken und ein Blei. Als erstes knotest Du ein rund 1 m langes Fluorocarbon-Vorfach an Deine geflochtene Hauptschnur – ein Doppelter Grinner-Knoten oder ein Mahin-Knoten leisten hier gute Dienste.

Fürs Kickback-Rig benötigt man nicht viel Zubehör.
Das brauchst Du für das Kickback-Rig:- Offset- oder Öhrhaken
- Fluorocarbon
- Blei
Der Mahin-Knoten gehört zu meinen Favoriten und flutscht durch jeden Spitzenring. Ich selbst setze bevorzugt auf etwas stärkeres Fluorocarbon in 0,39er Stärke, besonders wenn ich an steinigen Gewässern mit hoher Muschelwahrscheinlichkeit unterwegs bin. Wer hauptsächlich kleinere Fische an sauberen Untergründen erwartet, kann ohne Bedenken zu dünnerem Material greifen. Am unteren Ende des Vorfachs befestige ich einen Einzelhaken mit einem Verbesserten Grinner-Knoten. Ob Du dabei einen einfachen Öhrhaken oder einen Offsethaken wählst, hängt von der Größe Deines Köders ab. Anschließend binde ich ungefähr 30 cm über dem Haken einen Seitenarm ins Vorfach.
Kurzer oder langer Abstand beim Seitenarm?
Darüber lässt sich trefflich streiten. Angler wie Herbert Ziereis favorisieren einen deutlich größeren Abstand. Was generell gilt: Je länger der Abstand, desto schlechter die Bisserkennung. Für den Seitenarm schneide ich ein großzügiges Stück Fluorocarbon ab und verknote es mit einem Seitenarmknoten fest am Vorfach. Das Blei kommt an das Ende des Seitenarms. Die Länge des Seitenarms sollte zwischen 5 und 15 cm liegen – und wenn Du ihn parallel legst, darf er auf keinen Fall bis zum Haken oder Köder reichen. Schneide also lieber etwas mehr ab, das kannst Du im Nachhinein immer noch kürzen.
So sieht das Kickback-Rig am Wasser aus.
Blei wählen
Beim Blei hast Du eine breite Auswahl. Für ein ultraleichtes Setup reicht ein simples Klemmblei auf dem Seitenarm völlig aus. Alternativ kannst Du auch ein Birnen- oder Dropshot-Blei verwenden. Ich persönlich knipse mir die Bleikugeln gerne von verbogenen oder stumpfen Jigköpfen ab – spart Material und ist außerdem praktisch.
Das Recycling von alten Jigköpfen ist eine gute Alternative für ein Kickback-Blei.
Vorteile des Kickback-Rigs
Das Kickback-Rig trumpft gegenüber anderen Montagen in gleich mehreren Punkten auf. Schauen wir uns zunächst das Blei an: Es übernimmt zwei Aufgaben gleichzeitig – es dient als Wurfgewicht und wirbelt bei der grundnahen Führung den Untergrund auf, was Aufmerksamkeit bei den Fischen erzeugt. So weit, so bekannt. Der entscheidende Unterschied liegt aber woanders: Das Bleigewicht beeinflusst das Köderverhalten beim Kickback-Rig kaum. Abgesehen von der Absinkphase spielt die Bleigröße für das Köderspiel keine Rolle. Das bedeutet, Du kannst problemlos mit 50 oder 60 g Blei fischen und dabei Spots erreichen, an denen normale Jigköpfe längst nicht mehr einzusetzen sind.
Gerade im Sommer ziehen sich Zander gerne mitten in die Hauptströmung eines Flusses zurück. Genau dort entfaltet das Kickback-Rig mit schweren Bleigewichten sein volles Potenzial. Obendrauf erreichst Du damit Wurfweiten, die anderen Methoden schlicht verwehrt bleiben. Ich habe es mir fest vorgenommen, die Montage demnächst auch beim Angeln auf Dorsch in Norwegen auszuprobieren.
Die Stärken auf einen Blick:
- einzigartiges Köderverhalten
- kein Widerstand für den Fisch beim Einsaugen des Köders
- wenig Komplett-Abrisse, schnell gebunden
- wenig Material notwendig, extrem hohe Wurfweiten möglich
- kann auch mit viel Gewicht ohne Beeinflussung des Köders gefischt werden
Dieser Zander biss weit draußen in einem Hafenbecken aufs Kickback-Rig.
Einen weiteren Pluspunkt teilt sich das Kickback-Rig mit dem C-Rig und dem Dropshot-Rig mit Seitenarm: Der Köder ist hinter dem Blei praktisch schwerelos und kann von Fischen mühelos und widerstandsfrei eingesaugt werden. Dazu kommt, dass bei einem Hänger oder Abriss in aller Regel nicht die komplette Montage verloren geht.
Am Ende des Seitenarms befindet sich in diesem Fall ein Dropshot-Blei, das ich zusätzlich mit einem einfachen Knoten gesichert habe.
Wahl des richtigen Köders
Um den Kickback-Effekt voll ausschöpfen zu können, solltest Du auf schwimmende Gummiköder setzen. Das Prinzip: Der Köder sinkt zunächst gemeinsam mit dem Blei zu Boden, bevor er langsam wieder aufsteigt und zurückschnellt. Damit ein schwimmender Köder wirklich auftreibt, sind möglichst dünndrahtige Haken Pflicht. Für Köder wie die Finesse Filet Craw verwende ich am liebsten dünne Offsethaken. Bei mit Luft gefüllten Ködern kannst Du alternativ einen Einzelhaken behutsam durch die Nase führen. Das Auftriebsverhalten prüfst Du am besten vorher – entweder zu Hause im Waschbecken oder direkt vor Ort am Wasser.
Grundsätzlich funktionieren aber auch sinkende Köder – nur bleibt der charakteristische Kickback-Effekt dabei aus. Bei der Köderauswahl selbst bist Du relativ frei: Krebse, Tubes oder klassische Gummifische – was sonst an Deinem Gewässer zieht, hat auch hier gute Karten. Ich persönlich fische die Montage am liebsten mit Krebsen oder Fransen-Tubes.
Geeignete Köder für das Kickback-Rig:
- Krebse
- Creature-Baits
- Tubes
- No-Action- und Action-Shads (für den Kickback-Effekt am besten schwimmende oder stark auftreibende Varianten wählen)
Um die Luftkammer nicht zu zerstechen, bietet sich bei solchen Ködern die vorsichtige Anköderung mit Öhrhaken an.
Führung des Kickback-Rigs
Beim Thema Köderführung gehen die Meinungen – ähnlich wie beim Seitenarm-Abstand – ein wenig auseinander. Manche Angler beharren darauf, dass die Montage durchgehend am Grund geführt werden muss, also geschliffen oder eingeleiert. Ich selbst baue zwischendurch gerne auch mal einen Sprung ein, besonders im Sommer.
Generell sollte man nach jeder Kurbelumdrehung einen Moment warten, ehe man weiterkurbelt.
Genau in dieser kurzen Pause passiert es nämlich meistens – der Biss kommt. Wie deutlich Du ihn spürst, hängt vom Abstand zum Seitenarm ab. Bei meinem eher kurzen Abstand ist bei Barsch und Zander ein klares „Tock" am Rutenblatt zu spüren.
Kurz zusammengefasst:
- Ständiger Grundkontakt (schleifen, einleiern); im Sommer darf es auch mal ein Sprung sein.
Der Biss dieses Barsches war aufgrund des kurzen Abstands deutlich zu spüren.
Bei einem längeren Seitenarm-Abstand, der sich gerade im Winter anbietet, fühlt sich der Biss manchmal so an, als würden sich die Fische einfach nur „reinhängen". Im Gegensatz zum Dropshot-Angeln greife ich beim Kickback-Rig lieber zu etwas steiferen und schwereren Ruten. Das erlaubt mir, mehr Gewicht einzusetzen, und die Bisserkennung kommt dem Jiggen deutlich näher. Eine Rute, die ich Dir für diesen Einsatz empfehlen kann, ist die #LMAB La Moustique Spinning in 2,25 m mit einem Wurfgewicht von 7-21 g. Und am Ende des Tages ist es ehrlich gesagt auch egal, wie intensiv der Biss kommt – mit diesem Rig wirst Du Fische machen, das steht fest.
Viel Erfolg und stramme Leine, euer Dennis (@stramme_leine_siever)































