Angeln mit Kickback-Rig - HechtundBarsch.de

Das Kickback-Rig: Alles, was Du darüber wissen musst

Das Kickback-Rig hat sich in der Finesse-Szene längst einen festen Platz erarbeitet - kein Geheimtipp mehr, aber trotzdem für viele Angler noch unerforschtes Terrain. Ich selbst habe lange gebraucht, bis ich diesem Rig eine echte Chance gegeben habe. Jahrelang war mein Standardwerkzeug für Barsch und Zander das Dropshot- oder Carolina-Rig. Erst als mich ein guter Angelkumpel hartnäckig von den Stärken des Kickback-Rigs überzeugte, habe ich umgesattelt. Und was soll ich sagen - seitdem greife ich immer öfter darauf zurück und bin damit nachweislich erfolgreicher unterwegs als mit anderen Finesse-Methoden. Was Du über dieses Rig wissen musst, liest Du hier.

Was ist das Kickback-Rig?

Der Aufbau ist denkbar simpel: Du brauchst ein Stück Fluorocarbon, einen Offset- oder Öhrhaken und ein Blei - mehr nicht. Zuerst knüpfst Du ein rund 1 m langes Stück Fluorocarbon an Deine geflochtene Hauptschnur. Bewährt haben sich hierfür der Doppelte Grinner-Knoten oder der Mahin-Knoten.

Zubehör fürs Kickback-Rig

Fürs Kickback-Rig benötigt man nicht viel Zubehör.

Das brauchst Du für das Kickback-Rig:
  • Offset- oder Öhrhaken
  • Fluorocarbon
  • Blei

Mahin-Knoten mir Fluorcarbon Der Mahin-Knoten gehört zu meinen Favoriten und flutscht durch jeden Spitzenring.

Ich setze persönlich auf etwas stärkeres Fluorocarbon mit 0,39er Durchmesser, besonders wenn der Spot steinig ist und mit Muscheln zu rechnen ist. An sauberen Gewässern mit kleineren Fischen reicht auch dünneres Material aus. Am Vorfachende kommt ein Einzelhaken mit dem Verbesserten Grinner-Knoten dran - ob Öhrhaken oder Offsethaken bleibt Dir überlassen, solange er zur Ködergröße passt. Etwa 30 cm oberhalb des Hakens bindest Du dann den Seitenarm ins Vorfach ein.

Kurzer oder langer Abstand beim Seitenarm?

Hier gibt es unterschiedliche Schulen. Angler wie Herbert Ziereis arbeiten mit einem deutlich größeren Abstand. Grundsätzlich gilt aber: Je länger der Abstand, desto schlechter die Bisserkennung. Für den Seitenarm selbst nimmst Du ein ausreichend langes Stück Fluorocarbon und knotest es mit einem Seitenarmknoten fest ins Vorfach. Daran kommt dann das Blei. Die Länge des Seitenarms sollte zwischen 5 und 15 cm liegen - und wenn Du ihn parallel hältst, darf er auf keinen Fall bis zum Haken oder Köder reichen. Nimm also lieber ein etwas großzügigeres Stück, das Du nachher noch kürzen kannst.

Kickback-Rig am Wasser So sieht das Kickback-Rig am Wasser aus.

Blei wählen

Was das Blei angeht, hast Du viele Möglichkeiten. Für einen ultraleichten Aufbau genügt ein einfaches Klemmblei auf dem Seitenarm. Alternativ funktionieren ein Birnblei oder ein Dropshot-Blei prima. Ich persönlich kneife mir die Bleikugeln von verbogenen oder stumpfen Jigköpfen ab - das ist Recycling auf Anglermanier und funktioniert hervorragend.

Blei vom Jigkopf wiederverwenden Das Recycling von alten Jigköpfen ist eine gute Alternative für ein Kickback-Blei.

Vorteile des Kickback-Rigs

Was dieses Rig wirklich interessant macht, ist die Kombination aus mehreren Stärken auf einmal. Das Blei dient natürlich als Wurfgewicht, sorgt beim grundnahen Führen aber auch dafür, dass Sediment und Schwebstoffe aufgewirbelt werden - ein natürlicher Aufmerksamkeitstrigger für Raubfische. Soweit so bekannt. Der entscheidende Unterschied zu anderen Rigs liegt darin, dass das Bleigewicht das Köderspiel nahezu nicht beeinflusst - abgesehen von der Absinkphase. Das heißt: Du kannst problemlos mit 50 oder 60 g Blei arbeiten, wo ein herkömmlicher Jigkopf längst nicht mehr sinnvoll einzusetzen wäre. Gerade im Sommer, wenn Zander sich mitten in der Hauptströmung eines Flusses postieren, ist das ein enormer Vorteil. Dazu kommen höhere Wurfweiten und damit Spots, die mit anderen Methoden schlicht nicht erreichbar wären. Ich selbst möchte das Rig irgendwann unbedingt auch beim Dorschangeln in Norwegen ausprobieren.

Zusammengefasst - die Stärken des Kickback-Rigs:

  • Einzigartiges, natürliches Köderverhalten
  • Kein Widerstand für den Fisch beim Einsaugen des Köders
  • Wenig Komplett-Abrisse, schnell montiert
  • Wenig Material notwendig, extrem hohe Wurfweiten möglich
  • Auch mit viel Gewicht einsetzbar, ohne das Köderspiel zu beeinträchtigen

Zander auf Kickback-Rig Dieser Zander biss weit draußen in einem Hafenbecken aufs Kickback-Rig.

Ein weiterer Pluspunkt - den übrigens auch das C-Rig und das Dropshot-Rig mit Seitenarm bieten - ist die Tatsache, dass der Köder hinter dem Blei quasi schwerelos präsentiert wird. Raubfische können ihn ohne Widerstand einsaugen, was die Bissrate spürbar erhöht. Kommt es zu einem Hänger oder Abriss, ist meistens nicht gleich die gesamte Montage verloren.

Seitenarm beim Kickback-Rig Am Ende des Seitenarms befindet sich in diesem Fall ein Dropshot-Blei, das ich zusätzlich mit einem einfachen Knoten gesichert habe.

Wahl des richtigen Köders

Wenn Du den charakteristischen Kickback-Effekt voll ausnutzen willst, solltest Du auf schwimmende Gummiköder setzen. Der Ablauf ist dann so: Der Köder sinkt gemeinsam mit dem Blei zum Grund - und steigt dann langsam wieder auf. Damit das klappt, brauchst Du möglichst dünndrahtige Haken, die den natürlichen Auftrieb des Köders nicht zunichte machen. Bei Ködern wie dem Finesse Filet Craw schwöre ich auf feine Offsethaken. Köder mit Luftkammer lassen sich mit einem vorsichtig durch die Nase geführten Einzelhaken anködern, ohne die Luftkammer zu beschädigen. Das Auftriebsverhalten prüfst Du am besten vorab im Waschbecken oder direkt am Wasser.

Sinkende Köder funktionieren übrigens auch - der Kickback-Effekt fällt dann zwar weg, aber fangen tun sie trotzdem. Bei der Auswahl kannst Du vom Krebs über Tubes bis zu klassischen Gummifischen eigentlich alles nehmen, was an Deinem Gewässer funktioniert. Meine persönlichen Favoriten sind Krebse und Fransentubes.

Geeignete Köder für das Kickback-Rig:

  • Krebse
  • Creature-Baits
  • Tubes
  • No-Action- und Action-Shads (für den Kickback-Effekt idealerweise schwimmend bzw. stark auftreibend)

Köder vorsichtig behandeln Um die Luftkammer nicht zu zerstechen, bietet sich bei solchen Ködern die vorsichtige Anköderung mit Öhrhaken an.

Anwendungshinweis

Bevor Du das Kickback-Rig das erste Mal ans Wasser mitnimmst, lohnt sich ein kurzer Trockentest zu Hause. Wirf Deinen Köder einfach in die Badewanne oder ein Waschbecken und beobachte, wie er steigt. So erkennst Du sofort, ob Haken und Köder harmonieren und ob der Auftrieb stark genug ist, damit der Effekt wirklich greift. Ein falsch ausgewählter Haken kann den gesamten Kickback-Effekt zunichte machen - dieser kurze Check spart Dir am Wasser viel wertvolle Zeit und Frust.

Führung des Kickback-Rigs

Beim Thema Köderführung sind sich die Angler ähnlich uneinig wie beim richtigen Abstand zum Seitenarm. Die einen bestehen darauf, das Rig permanent am Grund zu führen - also schleifen oder einleiern. Ich persönlich baue aber gelegentlich auch ein paar Sprünge ein, vor allem in den Sommermonaten.

Generell sollte man nach jeder Kurbelumdrehung einen Moment warten, ehe man weiterkurbelt.

Genau in dieser kurzen Pause passiert es meistens - der Biss. Wie stark Du ihn wahrnimmst, hängt direkt vom Abstand zum Seitenarm ab. Bei meinem eher kurzen Abstand ist das charakteristische Tock bei Barsch und Zander klar zu spüren.

Zusammenfassung Köderführung:

  • Ständiger Grundkontakt (schleifen, einleiern); im Sommer gelegentlich auch Sprünge einbauen.

Barsch auf Kickback-Rig Der Biss dieses Barsches war aufgrund des kurzen Abstands deutlich zu spüren.

Bei einem längeren Abstand - der sich besonders im Winter bewährt - kann es passieren, dass sich Fische gefühlt einfach „reinhängen". Verglichen mit dem Dropshot-Angeln bevorzuge ich beim Kickback-Rig etwas steifere und schwerere Ruten. Das erlaubt mir einerseits den Einsatz höherer Gewichte, andererseits ist die Bisserkennung dadurch ähnlich direkt wie beim Jiggen. Eine Rute, die ich Dir an dieser Stelle empfehlen kann, ist die #LMAB La Moustique Spinning in 2,25 m mit einem Wurfgewicht von 7-21 g. Letztlich spielt es keine große Rolle, wie intensiv der Biss ausfällt - mit diesem Rig wirst Du auf jeden Fall Fische machen.

Viel Erfolg und stramme Leine, euer Dennis (@stramme_leine_siever)

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