Baitcaster How-To: Multirollen für Raubfischangler - HechtundBarsch.de

Baitcaster für Raubfischangler: Dein Einstieg in die Welt der Multirollen

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Was sind Baitcaster?

Baitcaster sind kompakte, moderne Multirollen, die speziell für das Raubfischangeln mit Kunstködern entwickelt wurden. Im deutschsprachigen Raum wächst die Fan-Gemeinde dieser kleinen Kraftpakete stetig. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor viele Angler, die mit dem Thema Baitcaster noch nie wirklich in Berührung gekommen sind und nicht genau wissen, was sie davon halten sollen.

Bei uns in Europa sind Stationärrollen die erste Wahl für Einsteiger. In Japan oder Amerika hingegen greifen viele angehende Angler von Anfang an zur Baitcaster-Angelrolle. Deshalb ist die Akzeptanz dort deutlich höher als bei uns. Wer sich aber auf das Abenteuer Baitcaster einlässt, der wird nach einer überschaubaren Lernphase garantiert nicht mehr zurückschauen wollen.

So funktionieren Baitcastermultirollen

Der größte Vorteil liegt in den flüssigeren Bewegungsabläufen. Alle wichtigen Funktionsteile sitzen genau dort, wo sie gebraucht werden. Kein lästiges Umgreifen, um einen Klappbügel umzulegen. Die Schnur bleibt nicht am Schnurlaufröllchen hängen. Jede einzelne Kurbelumdrehung überträgt sich 100 % präzise und ohne Verzögerung auf die Schnur. Kurze und mittlere Wurfweiten lassen sich dadurch mit einer neuen Stufe an Zielgenauigkeit erreichen. Selbst die zartesten Bisssignale werden über die speziellen Baitcasterangelruten und die kleinen Multis direkt ins Handgelenk weitergegeben.

Stationärrollen stoßen theoretisch beim Spinnangeln in mehreren Punkten an ihre Grenzen. Geht es um sehr feine Angeltechniken mit Kunstködern, hat eine passend gewählte kleine Baitcaster-Multirolle deutlich die Nase vorne gegenüber einer UL-Stationärrolle. Aber auch wenn Big Baits und XXL-Raubfische gefragt sind, spielt die Multirolle ihre konstruktiven Vorteile aus. Für Vertikal-Angler gilt sowieso: Für das vertikale Drop-Shot-Angeln vom Boot gibt es kaum eine besser geeignete Rollenform.

Aufbau der Baitcaster

Im Gegensatz zur Stationärrolle dreht sich beim Baitcaster kein seitlich rotierendes Kopfteil. Beim Einholen der Angelschnur entstehen keine Fliehkräfte rund um einen Rotor. Der Spulenkern liegt horizontal zur Achse der Rute. Bei einer Stationärrolle ist der Spulenkern um 90º gedreht auf der Achse der Angelrute montiert. Diese Bauweise erzeugt konstruktionsbedingt unter Belastung starke seitliche Zugkräfte an der Verbindungsstelle zwischen Rollenachse und Rollenkörper. Im harten Drill mit einem Großfisch kann sich der Spulenstift einer Stationärrolle im schlimmsten Fall verbiegen und die Rolle unbrauchbar machen.

Bei Baitcastern und allen Multirollen ist die Spulenachse dagegen an zwei Punkten links und rechts im Rollenkörper gelagert. Selbst im heftigsten Drill bleibt die Achse absolut gerade. Das bringt einen weiteren handfesten Vorteil mit sich: Die Kraftübertragung ist spürbar höher. Die Schnur wird nicht umgelenkt, und die Antriebskraft aus dem Rollengetriebe gelangt mit jeder Kurbelumdrehung direkt und verlustfrei über die Spule auf die Schnur.

Baitcaster: Mittlerweile Standard?

Schau Dir mal die internationale Raubfisch-Anglerszene genauer an. Dir wird dabei schnell auffallen, dass ein Großteil der Turniersieger und Profiangler ausschließlich auf Baitcaster setzt. Das gilt sogar für Hochseefischer, Brandungsangler, Trolling-Skipper auf Lachs und ambitionierte Distanzkarpfenangler. In vielen Bereichen stehen Multirollen ganz oben auf der Ausrüstungsliste.

Von Stationärrolle auf Baitcaster wechseln

Wer den Wechsel von der Stationärrolle zum Baitcaster wagt, muss vor allem eines mitbringen: Geduld für die Übungsphase! Wie bei jeder neuen Angeltechnik braucht es Zeit und Ausdauer, bis alles sitzt. Wer aber erst einmal die ersten hundert sauberen Würfe mit der neuen Baitcaster-Ausrüstung hinter sich hat, der weiß genau, was gemeint ist, wenn es heißt:

„Das Angeln mit Baitcastern macht einen riesen Spaß, will aber gelernt sein."

In diesem Bericht auf dem Hecht & Barsch Blog erklären wir Dir die wichtigsten Punkte, auf die Du am Anfang achten solltest. So gehst Du gut vorbereitet ans Wasser und weißt bereits vor dem ersten Kontakt mit der Rolle, wie Du sie optimal einstellst.

Baitcaster Multirollen Einstellungen

Ein Baitcaster lässt dem Angler die Möglichkeit, verschiedene Parameter individuell anzupassen. Je nach Modell und Hersteller unterscheiden sich die genauen Optionen. Grundsätzlich lassen sich folgende Einstellungen an der Baitcaster-Angelrolle situationsgerecht verändern:

  • Rollenbremse Drill
      Die meisten Baitcaster verfügen über eine Sternenbremse zur Justierung der Kampf- beziehungsweise Rollenbremse. Diese sitzt immer auf der Seite der Schnurkurbel. Bei größeren Multis gibt es alternativ eine Schiebebremse.
  • Rollenbremse Drill Feintuning
      Besonders bei leichten Baitcastern lässt sich der Bremsbereich oft noch feiner in sehr kleinen Schritten einstellen. Kurz vor dem Kescher ist dieses Feintuning der Kampfbremse Gold wert. So ist es nahezu ausgeschlossen, die Hauptbremse versehentlich zu hart zu stellen und einen Schnurbruch zu riskieren.
  • Freilauf An / Aus
      Der Freilauf einer Baitcaster-Angelrolle wird in der Regel über einen Daumenschalter am unteren Teil der Rolle aktiviert. Bei großen Multirollen übernimmt ein Umschalter am Rollenrand diese Funktion. Deaktiviert wird der Freilauf automatisch mit der ersten Kurbelbewegung.
  • Fliehkraftbremse grob
      Per Drehknopf wird die sogenannte Fliehkraftbremse eingestellt. Genauer gesagt handelt es sich dabei nur um einen Teil eines mehrstufigen Systems zur Fliehkraftreduktion. Präziser formuliert ist es die Einstellmöglichkeit der mechanischen Fliehkraftbremse. Neben dieser manuell einstellbaren Komponente greifen zusätzlich automatische Systeme. Das Ziel: den Schnurablauf im Freilauf so zu regulieren, dass ein Überschlagen der Spule beim Wurf verhindert wird.
  • Fliehkraftbremse elektronisch
      Die Oberklasse der Baitcaster-Rollen bietet zusätzlich ein einstellbares elektronisches Regelsystem zur Fliehkraftkontrolle. In der Praxis handelt es sich um eine kleine Schraube an der Rolle, die zwischen einem Plus- und Minusbereich justiert werden kann. Der allergrößte Teil aller Baitcaster-Angler verlässt sich jedoch auf die werkseitig voreingestellten, nicht veränderbaren elektronischen Fliehkraftbremsen. Die Bezeichnungen dafür variieren je nach Hersteller.

Fliehkraftbremse im Blick behalten

Zusätzlich zu den einstellbaren Systemen arbeitet noch eine weitere, nicht regulierbare Fliehkraftbremse im Hintergrund. Dieser Mechanismus greift vor allem in der ersten Sekunde des Wurfes, wenn die Fliehkräfte auf die Spulenachse am stärksten wirken. Vereinfacht gesagt sind beim Start des Auswerfens drei Bremssysteme aktiv. Mit nachlassenden Kräften schalten sich diese nacheinander ab und ermöglichen so maximale Wurfweiten.

Merk Dir: Die grobe Fliehkraftbremse sowie die Grundeinstellung der Kampfbremse müssen zwingend vor jeder Session kontrolliert werden. Wer Profiangler genau beobachtet, sieht das deutlich: Sobald die montierte Baitcasterrute in die Hand genommen wird, zieht der Profi zuerst Schnur ab und kontrolliert die Kampfbremse. Dann aktiviert er mit dem Daumen den Freilauf und testet mit montiertem Köder die Einstellung der Fliehkraftbremse. Erst nach diesem kurzen Funktionscheck erfolgt der erste Wurf.

Wer die Fliehkraftbremse nicht auf das Gewicht des aktuellen Köders abstimmt, riskiert eine heftige Schnurperücke, noch bevor der Bait das Wasser berührt. Und wer die Sternenbremse an der Kurbel vernachlässigt, erlebt eine böse Überraschung, wenn der lang ersehnte Raubfisch endlich anbeißt. Beide Bremssysteme wollen regelmäßig kontrolliert und sorgfältig justiert werden.

Fliehkraftbremse Baitcaster Multirollen einstellen

Wie stellst Du die Fliehkraftbremse Deiner Baitcaster-Multirolle richtig ein? Kurze Antwort: so, dass beim Auswerfen keine Schnurperücken entstehen. Das klingt natürlich einfacher als es ist. Viele Einsteiger legen die Baitcaster-Multi schon früh wieder beiseite, weil das nötige Grundwissen zu den Bremseinstellungen fehlt. Die Frustration wächst schnell, wenn man zum dritten oder vierten Mal einen Köder verliert und sich dann durch ein wirres Schnurgestrüpp auf der Spule kämpfen muss.

Es liegt nicht an Dir!

Es liegt am Einstellrad an Deinem Baitcaster. Bilden sich beim Auswerfen Perücken, überholt die Spule die ablaufende Schnur. Die Spannung der Angelrute beim Ausholen beschleunigt die Spule so stark, dass sie mehr Schnur „liefert" als tatsächlich abläuft. Je größer diese Differenz, desto wilder das Chaos auf der Spule.

Mit den richtigen Einstellungen an der groben, regulierbaren Fliehkraftbremse lassen sich Schnurperücken im Optimalfall vollständig vermeiden. Alle wichtigen Schritte zur Einstellung der Fliehkraftbremse findest Du übersichtlich hier unten.

Wiederhole den Vorgang nach jedem Köderwechsel. Und wenn Du während der Session merkst, dass mehr Wurfweite drin wäre, ohne dabei eine Perücke zu riskieren, dann justiere auch dann nach.

Fliehkraftbremse Einstellen Schritt für Schritt

  1. Nimm Deine vollständig montierte Angelrute mit Vorfach, Köder und Gewicht in die Hand. Ab diesem Moment nichts mehr an der Montage verändern, sonst beginnt der Vorgang von vorn.
  2. Stell Dich auf, aktiviere mit dem Daumen den Freilauf und lass den Köder langsam ablaufen, ohne dass er Boden oder Wasser berührt. Drehe die Fliehkraftbremse so weit zu, bis die Spule von selbst nicht mehr abläuft.
  3. Wiederhole Schritt 2, diesmal ohne den Daumen zur Hilfe zu nehmen. Ziel ist der exakte Punkt, an dem die Schnur mit aktiviertem Freilauf und ohne Daumenkontakt nicht mehr abläuft. Justiere so lange, bis Du diesen Punkt gefunden hast.
  4. Merke Dir diese Einstellung aus Schritt 3 und öffne die Fliehkraftbremse anschließend um ungefähr 1 mm. Hier kommt Dein Gefühl für die jeweilige Rolle ins Spiel. Am Anfang gilt: lieber etwas weniger öffnen als zu viel.
  5. Mit geöffnetem Freilauf sollte der Köder jetzt gleichmäßig nach unten laufen und dabei Schnur abziehen. Kommt der Köder auf, muss die Spule im selben Moment stoppen.
  6. Dreht sich die Spule nach dem Aufkommen des Köders weiter? Dann ist die Fliehkraftbremse noch zu leicht eingestellt. Korrigiere die Einstellung nach oben.
  7. Wer Schritt 5 genauso gewissenhaft ausführt wie Schritt 2, hat beim Auswerfen wenig zu befürchten. Das Einstellen der Fliehkraftbremse ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren und immer eine Frage der richtigen Justierung.

Angeln mit dem Baitcaster

Eines sei hier ehrlich gesagt: Auch bei uns im Team, bei den Köderherstellern, in Bootmanufakturen und an praktisch jedem Baitcaster-Angeltag wird es die eine oder andere Perücke geben. Kein Angler der Welt ist dauerhaft davor gefeit. Wir haben amerikanische Bass-Profis in Live-TV-Übertragungen mit Perücken auf der Rolle erlebt. Es gehört einfach dazu, lässt sich aber zu einem sehr großen Teil durch die richtige Vorbereitung vermeiden.

Liegt bei Dir vielleicht eine Baitcaster-Ausrüstung ungenutzt im Keller? Hast Du sie irgendwann frustriert beiseitegelegt und bist doch wieder zur vertrauten Stationärrolle zurückgekehrt? Hol sie raus und probier es noch einmal. Mit dem richtigen Hintergrundwissen zu den Einstellungen sollte es deutlich besser laufen als beim ersten Versuch.

Im Video findest du Infos dazu:

Baitcaster-Angelruten

Zum Abschluss noch ein kurzer Blick auf die speziellen Baitcaster-Angelruten. Egal ob Deine Kurbel rechts oder links sitzt: Ein Pistolengriff an der Rute macht das Baitcasting-Erlebnis erst komplett. Baitcasting-Ruten sind konstruktionsbedingt in engeren Abständen mit Ringen besetzt, und der Griff liegt ähnlich wie bei einer Pistole satt und kontrolliert in der Hand.

An welcher Seite sollte die Kurbel sein?

Du bist unsicher, ob Du eine Baitcasting-Multirolle mit Kurbel rechts oder links bestellen sollst? Unser Tipp: Greif zum klassischen Modell mit Kurbel rechts. Dein linker Arm wird damit zum Wurfarm. Das erfordert etwas Eingewöhnung, zahlt sich aber aus, wenn Du beim Angeln mal die Baitcaster-Rolle eines Kumpels ausleihst. Wer sich dagegen an Kurbel-Links gewöhnt hat und dann plötzlich mit einem Rechtshandmodell wirft, merkt schnell, wie groß der Unterschied bis zum ersten sicheren Wurf ist.

Baitcasting Trainieren

Bevor es hier endet, noch ein Tipp fürs nächste Treffen mit Deinen Baitcasting-Freunden: Stell einen Eimer in den Garten, oder für die Ambitionierten ein noch schmaleres Ziel, und versucht reihum, den Köder genau hineinzuwerfen. Nebenbei schärfst Du Dein Fingerspitzengefühl und sammelst wertvolle Minuten, vielleicht sogar Stunden Erfahrung im Umgang mit der Baitcasting-Technik.

Hast Du Fragen zu möglichen Tuning-Teilen oder Verbesserungen an Deiner Baitcasting-Angelrolle? Wir beraten Dich gerne auf hechtundbarsch.at.

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