Materialpflege während der Schonzeit - HechtundBarsch.de

Ausrüstung fit halten: Materialpflege in der Schonzeit

Draußen hat der Winter das Ruder übernommen. Die Seen liegen teils unter einer Eisdecke, und die Fische hängen träge am Grund, kaum bereit, auf irgendetwas anzubeißen. Genau jetzt ist der Moment, in dem man sich die Frage stellt: Was mache ich eigentlich mit der ganzen freien Zeit? Die Antwort liegt näher, als Du denkst - nämlich in Deiner eigenen Ausrüstung. Das Vorhaben, Rute, Rolle und restliches Tackle mal gründlich auf Vordermann zu bringen, schiebt man ja gerne vor sich her. Hier bekommst Du einen handfesten Überblick, wie ich das konkret angehe.

Pflege der Rolle

Pflegeutensilien:

  • Waschbenzin
  • Seifenwasser
  • Lappen
  • Zahnbürste

Fangen wir mit der Rolle an. Damit Scharniere und Gelenke geschmeidig bleiben, greifst Du als erstes zum Waschbenzin. Ein paar Tropfen reichen völlig aus - gezielt aufgetragen an den beweglichen Stellen: das Steigbügel-Scharnier, der Rollenkurbel-Ansatz und der Rollenhalter. Danach nimmst Du einen Lappen und tupfst das Benzin leicht wieder ab.

Für den äußeren Glanz kommt ein zweiter, mit Seifenwasser leicht angefeuchteter Lappen zum Einsatz. Wichtig dabei: Der Lappen sollte nur mäßig feucht sein, keinesfalls triefend nass. Einfach die Oberfläche der Rolle polieren, anschließend mit einem trockenen Handtuch alles sorgfältig abreiben.

Ein Punkt, den viele unterschätzen, ist die Rollenbremse. Sie reguliert den Schnurlauf und steht während der Saison permanent unter Spannung. Die Schonzeit ist die perfekte Gelegenheit, ihr eine Art Erholungspause zu gönnen: Drehe die Bremse so weit wie möglich auf. So bleibt sie auch im nächsten Jahr noch voll belastbar.

Frisch polierte Rolle mit offener Bremse

Ruten-Blank und Korkgriff

Pflegeutensilien:

  • Schleifpapier
  • Seifenwasser
  • Waschöl
  • Lappen
  • Kork-Kit

Der Korkgriff sieht nach einer intensiven Saison oft ziemlich mitgenommen aus. Mit etwas Schleifpapier lässt sich das schnell ändern: Die oberste Korkschicht leicht abschleifen - und schon wirkt der Griff wieder frisch und wie neu.

Größere Löcher oder Ausbrüche im Kork lassen sich mit einem Kork-Kit aus dem Baumarkt problemlos auffüllen. Kein Kork-Kit zur Hand? Dann einfach den Korken einer alten Weinflasche nehmen und ihn in feine Späne raspeln.

Tipp:
Korkenraspel mit Holzleim zu einer Paste vermengen, die beschädigte Stelle damit auffüllen, aushärten lassen und anschließend mit Schleifpapier glattschleifen.

Die Kork-Raspeln einfach mit Holzleim vermischen und auf die schadhaften Stellen auftragen. Nach dem Aushärten mit dem Schleifpapier überschüssiges Material entfernen. Zum Abschluss den Blank mit Autopolitur oder Seifenwasser säubern - das Ergebnis wird Dich überraschen, wie neu die Rute danach aussieht.

Kork raspeln und Griff reparieren

Ringeinlagen

Pflegeutensilien:

  • Watte
  • Nagelfeile/Sandpapier
  • Lack

Selbst robuste Ringeinlagen können mit der Zeit kleine Kerben oder Risse bekommen, die die Schnur auf Dauer beschädigen. Diese Stellen sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen - deshalb kommt der bewährte Wattetrick ins Spiel. Du formst ein Stück Watte zu einem dünnen, gleichmäßigen Strang, dessen Durchmesser so gewählt ist, dass er sich durch den Rutenring ziehen lässt und dabei die gesamte Innenfläche berührt. Dann bewegst Du die Watte langsam hin und her. Bleibt sie irgendwo hängen, hast Du die schadhafte Stelle gefunden.

Dort setzt Du dann vorsichtig mit einer Nagelfeile oder Sandpapier an und schleifst die Kerbe glatt. Zum Schutz der bearbeiteten Stelle trägst Du anschließend noch etwas Lack auf.

Watte ist ein gutes Hilfsmittel, um kleinere Unebenheiten und Risse zu lokalisieren

Watte ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Hilfsmittel, um kleinste Unebenheiten und Risse in Ringeinlagen aufzuspüren.

Jetzt, wo Ruten, Rollen und Ringe wieder top in Schuss sind, geht es ans restliche Tackle.

Schnur

Sowohl monofile als auch geflochtene Schnüre verlieren über die Zeit an Tragkraft - besonders durch anhaltende Sonneneinstrahlung. Damit die Schnur nicht spröde wird und frühzeitig versagt, lagerst Du sie am besten komplett lichtgeschützt. Ein einfacher Beutel, im Keller verstaut, ist ideal: Dort ist die Luft nicht zu trocken, und die Schnüre sind vor UV-Strahlung sicher.

Rostiges Eisen

Das kennt wohl jeder: Man greift zum Blinker oder Spinner und stellt fest, dass Haken oder Spinnerblätter von Rost befallen sind. Spätestens zum Saisonende tausche ich deshalb konsequent alle rostigen Haken gegen scharfe, neue aus. Wichtig ist außerdem, rostige und rostfreie Blinker und Spinner getrennt zu lagern, weil Rost übertragbar ist. Schon die kleinste befallene Stelle kann die gesamte Nachbarschaft im Tackle-Fach „anstecken". Also lieber zweimal hinschauen und sauber sortieren.

Anwendungshinweis

Wenn Du Dich fragst, wo Du die benötigten Pflegeutensilien am besten besorgst: Den Großteil davon - Schleifpapier, Kork-Kit, Holzleim, Watte und Lack - findest Du in jedem gut sortierten Baumarkt. Waschbenzin gibt es in der Drogerie oder im Haushaltsbereich. Lege Dir am besten eine kleine Pflege-Box an, in der alles griffbereit liegt. So hast Du in der nächsten Schonzeit sofort alles zur Hand und verlierst keine Zeit mit dem Suchen.

Zusammenfassung

So, das war mein Überblick zur Ausrüstungspflege in der fischfreien Zeit. Das Schöne daran: Für keinen dieser Schritte brauchst Du viel Aufwand oder spezielle Materialien. Das meiste liegt bei Dir wahrscheinlich schon daheim, und der Rest ist schnell und unkompliziert im Baumarkt um die Ecke besorgt. Also kein Grund, die Schonzeit einfach abzusitzen - nutz sie, damit Dein Tackle im Frühjahr in bestem Zustand auf Dich wartet.

Viel Spaß beim Pflegen, Dein Josef.

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