Schleppangeln auf Hechte im Winter - HechtundBarsch.de

Winterschleppen auf Hecht: So jagst Du die dicke Wintermutti

Ein Beitrag der H&B-Teamangler Meik Creutz und Jan-Ole Lohmann

Draußen ist es bitterkalt, die Saison schläft – und die meisten Angler hocken zuhause, putzen ihr Tackle und bauen Montagen für den Frühjahrsstart. Genau jetzt aber, in dieser unwirtlichen Kälte, liegt der Personal-Best-Hecht zum Greifen nah. Vorausgesetzt, die Schonzeiten am jeweiligen Gewässer lassen es zu, ist kein Zeitpunkt im Jahr besser für die Jagd auf schwere Räuber. Vollgefressen für die bevorstehende Laichzeit, erreichen die Fische jetzt ihr maximales Gewicht – jeder Biss kann der Biss Deines Lebens sein. Die Frage ist: Wie holst Du Dir diese fette Wintermutti ans Boot?

Theorie: Dicke Hechte finden

Physik trifft Angeln: Wasser erreicht bei 4° Celsius seine höchste Dichte – es ist bei gleichem Volumen am schwersten und sinkt daher stets auf den Grund. Fällt die Wassertemperatur in der Wassersäule unter diese 4° C, werden tiefe Mulden und Löcher automatisch zu den wärmsten Stellen im gesamten Gewässer. Genau dort, an den tiefsten Punkten am Grund, liegen die Räuber im Winter träge und mit auf ein Minimum gedrosseltem Stoffwechsel auf der Lauer.

Tiefen beim Schleppangeln

Gewässerschichten im Sommer und im Winter

Vorbereitung zum Schleppangeln

Wer diese Spots gezielt ansteuern will, braucht vor allem zwei Dinge: eine Tiefenkarte und ein GPS-fähiges Gerät. Gerade auf großen Gewässern sparst Du damit enorm viel Zeit – und wenn Du mit Muskelkraft ruderst, auch jede Menge Kraft. Übrigens: Ein GPS-fähiges Echolot muss es dafür gar nicht zwingend sein. In den meisten Fällen tut es auch das Smartphone, das Deinen Standort präzise nachverfolgt.

Tiefenkarte

Gewässerkarten im Vorfeld zu studieren spart Zeit und Kraft!

Bist Du dann auf dem Wasser und willst die genaue Lage der Tiefenzonen und Fische bestimmen, ist ein Echolot Gold wert. Geht es auch ohne? Klar. Aber wer eines hat, sollte es nutzen – es spart nicht nur Zeit, sondern gibt Dir auch das nötige Vertrauen in Deinen Spot.

Bleibt ausdauernd an den Stellen, die ihr euch rausgesucht habt. Zieht durch – ihr werdet am Ende meistens belohnt.

Techniken beim Winterangeln

Kälte bedeutet Trägheit – auch beim Hecht. Der Räuber läuft im Winter quasi auf Sparflamme und ist nicht bereit, für eine magere Beute viel Energie zu investieren. Die Köderführung muss deshalb zwingend langsam und bodennah sein. Zwei Methoden haben sich dafür besonders bewährt: das Schleppangeln und das Vertikalangeln bei leichter Drift.

Schleppangeln

Genau auf das Schleppangeln wollen wir in diesem Artikel eingehen – eine Methode, die faule Winterräuber zuverlässig aus der Reserve lockt. Grundsätzlich kannst Du die Ruten in einen Rutenhalter legen und reagieren, sobald sich an der Spitze oder der Rollenbremse etwas tut. Effektiver ist aber eine andere Variante.

Freihandschleppen

Das Freihandschleppen ist die klar überlegene Technik. Du brauchst dafür eine zweite Person im Boot: einer steuert, einer hält die Rute und führt den Köder aktiv. Das Ergebnis ist eine deutlich lebendigere Köderanimation als beim klassischen Rutenhalterschleppen – Du kannst spontan stoppen, anziehen, variieren und reagierst auf Bisse um ein Vielfaches schneller.

Freihandschleppen

So geht's: Den Köder eine Wurflänge hinter das Boot werfen – also etwa 20 bis 30 Meter – und auf den Grund absinken lassen. Einmal kurz anjiggern, dann beginnen die langsamen Ruderschläge. Wichtig ist wirklich konsequent langsam zu schleppen und den Köder permanent in Bodennähe zu halten. Bei Grundkontakt kurz pausieren, Köder auf Krautfreiheit und korrekten Lauf kontrollieren – und dann weiter. Diese schlichte, günstige Methode ist schlicht fängig. Wir haben sie selbst ausgiebig getestet und sind überzeugt.

Achtung:
Die Bisse kommen knüppelhart und ohne Vorwarnung. Auch wenn stundenlang absolut nichts passiert, bleibt konzentriert und habt den Anschlag jederzeit parat.

Tackle beim Schleppangeln

Köder

Im Winter gilt: Big Baits sind Pflicht. Der Hecht ist träge und spart Energie – wenn er sich trotzdem zu einem Angriff aufrafft, muss sich das für ihn rechnen. Hol genau die Köder raus, die Dir im Sommer immer zu groß erschienen sind, und trau Dich, sie zu fischen. Nichts reizt den Winterhecht mehr als ein 40 cm Real Eel, der sich seelenruhig durch sein Wohnzimmer schlängelt.

Rute & Rolle

Das Tackle muss nicht kompliziert sein. Eine Spinnrute ab 50 g Wurfgewicht, kombiniert mit einer 4000er Rolle und geflochtener Schnur – das ist alles, was Du für das Freihandschleppen auf schwere Hechte brauchst.

Vorfach & Jig

Beim Vorfach scheiden sich die Geister – und das ist völlig in Ordnung. Viele erfahrene Angler und ein Teil unserer Teammitglieder schwören beim Hechtangeln auf Stahlvorfächer.

Toni hat das Thema Vorfach übrigens im Sommer 2016 gemeinsam mit Enrico di Ventura in einer ganzen Sendung beleuchtet:

Wir persönlich – Meik und Ole – setzen beim Hechtschleppen meistens auf ein 60 bis 90 cm langes Hardmono- oder Fluorocarbon-Vorfach ab 1 mm Stärke. Stahl funktioniert selbstverständlich ebenfalls. Die Gummifische werden mit Jigköpfen ab 30 g bestückt. Wie schwer genau, hängt von der Gewässertiefe und der Schleppgeschwindigkeit ab – erhöhe das Gewicht schrittweise, bis Du regelmäßig Grundkontakt spürst, und geh dann eine Stufe zurück.

Gummifische ab 15 cm Länge gehören mit einem Stinger bestückt, ab 25 cm sollten es zwei Stinger sein – denn gerade im Winter kommen die Bisse oft sehr spitz.

Zusammenfassung

Fünf Tipps fürs Hechtangeln im Winter:

  • Warme Angelkleidung und ausreichend Verpflegung – das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Nur wer warm und satt ist, hält den ganzen Tag durch und verpasst keine Beißphase.
  • Im Winter ist Gestank häufig Trumpf! Vorgeflavourte Köder oder mit Paste und Stiften präparierte Gummis bringen oft den entscheidenden Unterschied.
  • Ausdauer ist alles. Beißfenster im Winter sind kurz – wer nicht dran bleibt, geht leer aus. Konzentriert bleiben und durchziehen.
  • Trau Dich zu neuen und ungewöhnlichen Ködern! An viel befischten Gewässern kennen die Räuber die Standardköder – Kreativität zahlt sich aus.
  • Gewässerkunde ist das A und O. Tiefenkarte und GPS helfen Dir, die Struktur des Gewässers gezielt für Dich zu nutzen.

Zum Abschluss haben wir noch ein Schleppangelvideo für Dich, falls Du es noch nicht gesehen hast:

Das ist unser erster Bericht für hechtundbarsch.at – wir hoffen, er war informativ und gibt Dir ein paar nützliche Impulse für Deine nächste Ausfahrt. Wir wünschen Dir dicke Hechte und jede Menge Spaß auf dem Wasser. PETRI GEIL BOYS and GIRLS!!!

Meik & Ole

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