Angeln am Gardasee - HechtundBarsch.de

Angeln am Gardasee - Ein Erfahrungsbericht von Christoph Oepp

Ein Community-Report von Christoph Oepp

Liebe Angelfreunde,

manchmal braucht es einfach einen Urlaub - und manchmal verbindet man das Angenehme mit dem Allerschönsten. Der Gardasee im Norden Italiens ist eines der beliebtesten Reiseziele Europas überhaupt: Sonne satt, traumhafte Strände, Küche zum Niederknien. Für uns Angler stellt sich natürlich sofort die Frage, was ein so riesiges und vielfältiges Gewässer wohl an Fischen zu bieten hat. In den wenigen Artikeln, die man online über das Angeln am Gardasee findet, taucht immer wieder ein Name auf: Schwarzbarsch. Nur leider fehlen dort fast überall die wirklich brauchbaren Infos, die einen dem Zielfisch tatsächlich näherbringen. Genau das will ich mit diesem Bericht ändern und Dir meine gesammelten Erfahrungen vom Gardasee weitergeben.

Vorweg so viel: Was ich dort erlebt habe, hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen.

Blick über den Gardasee

Der Blick über den Gardasee ist schon mal traumhaft.

Angellizenz für den Gardasee

Rund um den Gardasee gibt es drei verschiedene Regionen. Ich erkläre Dir hier, wie Du in der Region Venetien als Tourist legal ans Wasser darfst. Dass Venetien - mit Orten wie Lazise, Cisano und Bardolino - ein erstklassiges Schwarzbarschrevier ist, zeigte sich schon beim ersten Blick aufs Wasser: Im September 2016 fand hier die italienische Schwarzbarschmeisterschaft statt, und unzählige hochwertige Bassboats lagen in den Flachwasserzonen.

Die Lizenz für Venetien bekommst Du in der Regel in Touristinformationen (z.B.: Vicolo Cieco Arsenale, 11, 37017 Lazise), manchmal auch direkt am Campingplatz an der Rezeption. In beide Abschnitte der Lizenz trägst Du Name, Heimatadresse und Geburtsdatum ein. Gelegentlich kontrolliert die örtliche Polizei. Wenn alles ausgefüllt ist, gehst Du zur Post (z.B.: Via Francesco Feliciano Scolari, 32, 37017 Lazise) - erkennbar am gelben Schild mit blauen PI-Buchstaben. Dort zeigst Du die Lizenz vor und bezahlst die Gebühr. Damit ist die Fischerei für 30 Tage in ganz Venetien erlaubt.

Wichtig: Beachte die Öffnungszeiten der Post. Samstags schließt sie meist um 12:30 Uhr und öffnet erst wieder am Montag.

Mit dieser Lizenz darfst Du an zahlreichen Gewässern in Venetien fischen - laut einer Mitarbeiterin der Touristinformation sogar an bestimmten Abschnitten des Po. Einzelne Ausnahmen gibt es jedoch.

Detailliertere Auskünfte bekommst Du in den zwei Angelgeschäften in Affi (Via S. Pieretto, 29, 37010 Affi) und Peschiera del Garda (Via Venezia, 9, 37019 Peschiera del Garda). Mein Tipp: Bring alles Tackle von zu Hause mit. Die Auswahl vor Ort ist wirklich überschaubar.

Tackle für italienische Schwarzbarsche

Ich zeige Dir, was ich selbst mitgenommen habe und womit ich bestens ausgekommen bin. Eine 2,11 m lange Barschrute mit einem Wurfgewicht von 3,5 bis 21 g, kombiniert mit einer 2500er Rolle, 0,13 mm Ø geflochtener Schnur und einem 1,5 m langen Fluorocarbon-Vorfach von 0,25 mm Ø. Besonders wichtig ist ein schneller Blank - so wie man ihn auch für den heimischen Flussbarsch nutzt. Der Grund: Schwarzbarsche hauen beim Biss sofort rein, spucken den Köder aber genauso schnell wieder aus, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt.

Wegen des im Wasser treibenden Seegrases und des Krauts am Grund war ausschließlich das Fischen mit Rigs mit Offsethaken möglich. Theoretisch könnten auch Spinnerbaits oder Jigköpfe mit Weedguard funktionieren. Nötig hatte ich das aber nicht - die Basses hammerten auf Creature Baits und Gummifische in 7 bis 10 cm, dass man es kaum glauben kann.

Welche Köderfarben sind ideal?

Das Wasser des Gardasees ist außergewöhnlich klar. Dementsprechend haben sich gedeckte, naturnahe Farben bewährt. Als praktikable Strategie hat es sich erwiesen, zunächst mit Ködern um die 7 cm auf die Suche zu gehen. Kommen dann vermehrt kleine Schwarzbarsche ran, lohnt der Wechsel auf 10-cm-Köder, um die größeren Exemplare gezielt anzusprechen.

Dabei gilt: Auch mit kleinen Ködern gehen durchaus dicke Brocken ran. Wegen der teils heftigen Wellen und wechselnden Windverhältnisse solltest Du Patronenbleie zwischen 5 und 15 g dabei haben.

Wichtiges Equipment für den Gardasee

Die Köderführung ist durch Wind, Wellen und Kraut oft eine echte Herausforderung. Außerdem empfiehlt sich eine Hechtrute mit 2,40 m und 15 bis 60 g Wurfgewicht, einer 3000er Rolle mit 0,18 mm Ø geflochtener Schnur sowie einigen Stahlvorfächern - denn rund um Malcesine, 34 km nördlich von Lazise, lauern Hechte. Die Uferstruktur dort fällt steil ab, was die Angelei nicht einfacher macht. Gummifische zwischen 10 und 20 cm mit 15 bis 20 g Jigköpfen sollten in der richtigen Tiefe präsentiert werden. Taste Dich durch verschiedene Tiefen vor und wenn der erste Kontakt da ist, behältst Du diese Tiefe als Referenz. Eine Hakenlösezange und einige Angstdrillinge gehören ebenfalls ins Gepäck.

Wer von der Uferpromenade fischt, braucht zwingend einen Kescher - nur so lässt sich der Fisch wirklich schonend landen.

Spundwand am Gardasee

Vom Land toll zu befischen: Spundwände und steinige, bekrautete Ufer sind gleichermaßen vielversprechend

Gute Spots am Gardasee

Für Schwarzbarsch eignen sich grundsätzlich alle Stellen mit einer Tiefe zwischen 1 und 4 m, wo am Grund Kraut wächst. Dort jagen sie - und man sieht das auch: An der Oberfläche raubt es sichtbar. Treibendes Seegras an der Oberfläche ist ein weiteres gutes Zeichen. Meine persönlichen Erfolgsspots lagen an der Hafenpromenade in Lazise - mit richtigem Streetfishing-Feeling - sowie an verschiedenen Stellen rund um Cisano.

Dass diese Zonen fischreich sind, wurde indirekt durch die Profis der Schwarzbarschmeisterschaft bestätigt, die mit ihren Bassboots dicht am Ufer entlangdrifteten.

Unbedingt auf Verbotsschilder achten! Ausgerechnet die heißesten Spots befinden sich oft an Häfen, die gesperrt sind. Wer lieber vom Boot aus fischt: Das ist am Gardasee erlaubt. Boote bis 40 PS dürfen dort führerscheinfrei gefahren werden.

Die beste Zeit zum Angeln

Ein Besuch zur Nebensaison im September zahlt sich gleich doppelt aus - günstigere Campingpreise und offensichtlich auch beste Bedingungen für den Schwarzbarsch. Was die Tageszeit betrifft: Die Mittagsstunden erwiesen sich als aktivste Beißzeit. Grundsätzlich fängt man aber den gesamten Tag über, solange es hell ist. Eines sollte man dabei nicht vergessen - Schwarzbarsche sehen ausgezeichnet und weit.

Das Fischen ist nur in einem Zeitfenster von einer Stunde vor bis eine Stunde nach Sonnenuntergang erlaubt.

Ausnahme bildet die Aalfischerei.

Schwarzbarsch aus dem Gardasee

Schwarzbarsche kann man am Gardasee den ganzen Tag über fangen

Fischkontakt

Die Bisse kommen schnell und hart - ein sofortiger Anhieb ist in den allermeisten Fällen Pflicht. Manchmal spürt man kaum etwas oder glaubt, es sei nur das treibende Seegras - trotzdem anhieben. Wenn der Fisch sitzt, geht die Post ab. Schwarzbarsche sind für ihre Größe außergewöhnlich starke Kämpfer: Sie springen wie Salmoniden und versuchen aktiv, den Haken rauszuschütteln. Sofort Spannung aufnehmen ist dabei das A und O - sonst fliegt Dir der Haken aus dem breiten Maul.

Sonstige Fischarten

Der Gardasee hat neben Schwarzbarschen noch mehr zu bieten. Wie bereits beim Thema Tackle erwähnt, gibt es dort einen soliden Hechtbestand. Diese Hechte sehen übrigens etwas anders aus als unsere heimischen - ein wirklich interessantes Muster. Flussbarsche tauchen als Beifang gelegentlich auf. Ab der Dämmerung werden dann auch Aale aktiv, die im September offenbar auf ihrem Weg in die Sargassosee sind und über den Gardasee-Abfluss Mincio abgefangen werden können. Rund um Peschiera del Garda sitzen außerdem viele Ansitzfischer, was auf einen guten Weißfisch- und Karpfenbestand hindeutet. Erwähnenswert ist auch die Gardaseeforelle - eine eigene Gattung, die neben anderen Salmoniden im nördlichen Seebereich zu fangen ist.

Hecht und Barsch aus dem Gardasee

Auch Hechte und Flussbarsche gibt's am Gardasee

Zusammenfassung

Wer am Gardasee Urlaub macht, sei es mit Partner oder Familie, und dabei sein Angelherz nicht vergessen will, ist dort goldrichtig. Schwarzbarschfischen auf hohem Niveau, umgeben von einer der schönsten Landschaften Europas - das ist einfach schwer zu toppen. Mir liegt es dabei sehr am Herzen, die gefangenen Fische schonend zu behandeln und zumindest einen Teil davon wieder zurückzusetzen. Hier noch einmal die wichtigsten Punkte in der Übersicht:

  • Schnelle Barschrute bis 21 g Wurfgewicht, 2500er Rolle, 0,13 mm geflochtene Schnur, 1,5 m Fluorcarbon 0,25 mm Ø als Vorfach
  • Finesse-Rigs
  • Offsethaken, Gummifische und Creature Baits 7-10 cm, Patronenbleie 5-15 g
  • Spots mit Kraut- und Seegrasbestand gezielt suchen
  • Auf Raubaktivitäten an der Wasseroberfläche achten

Spätestens eine Stunde nach Sonnenuntergang ist die Rute einzupacken - außer Du fischt auf Aal.

Danke fürs Lesen! Ich hoffe, dass Du von diesen Erfahrungen irgendwann profitieren kannst. :)

Christoph

Zum Autor: Christoph (31 Jahre, aus Augsburg) ist Umwelt- und Verfahrenstechniker und wie die meisten von uns ein durch und durch begeisterter Angler. Sein Lieblingszielfisch ist der Zander, doch auch Hecht und Barsch kommen bei ihm regelmäßig zu Ehren. Auf hechtundbarsch.at ist Christoph über YouTube gestoßen - seitdem verfolgt er den Kanal und den Blog aufmerksam.

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