Immer wieder werde ich gefragt, wo und wie ich eigentlich meine Forellen angle. Dabei kennt das doch jeder: Du fährst irgendwo über eine kleine Brücke, schaust kurz nach unten – und sofort fragt man sich, ob dort Wasser fließt. Wenn ja, ist mein erster Blick automatisch auf den Bewuchs am Ufer und die Strömung gerichtet. Falls es sich nicht um einen zugewachsenen Graben handelt, sondern um einen echten kleinen Wildbach, kläre ich so schnell wie möglich, ob dort eine Angelerlaubnis zu bekommen ist. Denn gerade solche unscheinbaren Gewässer haben es in sich und beherbergen oft wunderschöne Fische. Wie ich diese Spots dann konkret beangle, liest Du hier.
Wie geht man an ein Gewässer heran?
Bevor Du das erste Mal an einen solchen Bach trittst, solltest Du Dir klargemacht haben, mit welcher Methode Du die rot-gepunkteten Schönheiten überlisten willst. Meine klare Empfehlung: ultraleichtes (UL) Spinnfischen. Für das Fliegenfischen oder gröberes Gerät fehlt an kleinen Bächen schlichtweg der Platz.
Vom Angeln mit Naturködern rate ich ausdrücklich ab. Forellen schnappen sich den Köder oft extrem gierig und schlucken ihn blitzschnell. Das Ergebnis sind zu viele tief verschluckte Haken – und damit unnötig viele verangelte Fische.

Tackle beim UL-Spinnfischen
Ich setze auf UL-Ruten mit einer Länge von rund 2 m und einem Wurfgewichtsbereich zwischen 1 und 8 g. Dazu kommt eine Spinnrolle in der Größe 1000 oder 2000.
Tipp:
Stimm die Rolle immer auf die Rute ab – die Größenangaben variieren je nach Hersteller teils erheblich.
Bespult wird die Rolle mit 100 m Geflecht im Durchmesser von 0,08 bis 0,12 mm. Als Vorfach empfehle ich Fluorocarbon, das nicht zu dünn gewählt sein sollte.
Zusammengefasst:
- Rute: Ultralight-Rute um die 2,00 m, mit Wurfgewicht zw. 1-8 g
- Rolle: 1000er oder 2000er
- Schnur: Geflecht (0,08 - 0,12 mm)
- Vorfach: Fluorocarbon
Köderwahl
Überleg Dir kurz, wovon sich eine Bachforelle in einem solchen Gewässer hauptsächlich ernährt: Insekten und deren Larven sowie kleine Fische wie Elritzen stehen ganz oben auf dem Speiseplan. Wichtig ist dabei auch, dass die Bachforelle ein standorttreuer Fisch ist, der sein Revier teils sehr aggressiv verteidigt – das lässt sich clever ausnutzen, aber dazu gleich mehr.

Bei den Ködern bevorzuge ich schwimmende Wobbler – Minnows, Crank- und Twitchbaits zwischen 3 und 7 cm. Auch ein klassischer Spinner gehört bei mir immer in die Box. An zähen Tagen, wenn nichts anderes zieht, haben mich kleine Gummifische schon oft gerettet.
Konkret greife ich gern zum Blaze Whale Shad von Doiyo, zum Micro Fry von Fox Rage oder zum klassischen kleinen Kopyto am Bleikopf zwischen 1 und 3,5 g. Aber auch No-Action-Shads wie der Bony Shaker von Spro oder der Fin S Fish von Lunker City liefern ordentliche Fische. Was die Größe angeht: Im Gummifisch-Bereich fahre ich am besten mit Längen zwischen 4 und 8 cm.
Tipp:
Rüste Deine Köder mit Schonhaken aus oder drück zumindest die Widerhaken der originalen Drillinge an. Das spart den Fischen unnötigen Stress beim Abhaken.

Der richtige Spot und Köderführung
Stundenlang an ein und derselben Stelle zu stehen bringt Dich hier nicht weiter. Strecke machen ist die Devise – an manchen Tagen legst Du dabei mehrere Kilometer zurück. Entscheidend ist außerdem die Laufrichtung: Arbeite den Bach von unten nach oben, also entgegen der Strömung. Schreckt ein Fisch auf, flieht er bachabwärts und scheucht dabei andere Fische in seinem Weg auf – das willst Du vermeiden.
Halte Ausschau nach großen Steinen, Rinnen, Rauschen, Gumpen und Kurven. An solchen Stellen beruhigt sich die Strömung in kleinen Vertiefungen, und die Nahrung sammelt sich dort von selbst. Führe den Köder an solchen Spots zügig mit der Strömung vorbei – der Biss kommt oft schon beim ersten Wurf. Bleibt er aus, wirf einfach noch einmal, solange der Fisch Dich noch nicht bemerkt hat. Er wird angreifen.

Manchmal hilft ein gezielter Köderwechsel, wenn ein Fisch auf den aktuellen Köder nicht mehr reagiert. An solchen Momenten greife ich gern auf Gummifische oder – für Bachverhältnisse – tieflaufende Wobbler zurück. Damit kannst Du eine träge Forelle direkt an ihrem Standort reizen. Und da Forellen ihr Revier aggressiv verteidigen, ist die Reaktion oft nicht lange auf sich warten zu lassen.
Der richtige Umgang bei der Landung
Halte den Drill kurz – auch mit feinem UL-Gerät lässt sich eine größere Forelle zügig ausdrillen, und das schont den Fisch enorm. Landet werden sollten Forellen ausnahmslos mit einem gummierten Kescher oder per Handlandung. Bei der Handlandung gilt: Hände vorher nass machen, Kiemengriff strikt vermeiden. Fehlt der Kescher bei einem unerwartet großen Fisch, ist der Schwanzwurzelgriff die sicherste Alternative.
Zusammenfassung
- kurze, feine UL-Ruten
- nicht zu feines Fluorocarbon als Vorfach
- Reizköder verwenden
- tiefe Bereiche abfischen
- schonender Umgang aufgrund hoher Empfindlichkeit der Fische
Das Angeln auf Salmoniden in oft nahezu unberührter Natur ist für mich eine der schönsten Formen der Angelei überhaupt.
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