Angeln im Familienurlaub: Auf Forelle in Italien (Abruzzen) - HechtundBarsch.de

Forellen in den Abruzzen: Wenn der Familienurlaub zum Angelerlebnis wird

Kennst Du das? Du liest einen Text, und auf einmal hast Du das Gefühl, jemand hat Dir direkt aus der Seele geschrieben. Mir ist das kürzlich passiert, als ich über das Thema Angeln im Familienurlaub gestolpert bin. Weil mich diese Kombination selbst schon so oft beschäftigt hat, möchte ich Dir heute von meiner eigenen Geschichte dazu erzählen.

Angelurlaub oder Urlaub, in dem geangelt wird?

Für uns Angler gibt es im Grunde genommen genau zwei Urlaubstypen – und der Unterschied ist erheblich: Da ist einerseits der echte Angelurlaub. Der gehört von der ersten bis zur letzten Stunde Dir und Deiner Rute. Schon Wochen vorher werkelst Du an Spotlisten, checkst mögliche Zielfische, überlegst, welche Techniken und welches Material Du mitschleppen willst, und richtest Deinen kompletten Tagesrhythmus nach den Beißphasen aus. Klingt traumhaft, oder? Ist es auch. Aber realistisch betrachtet klappt das eben nicht immer – schließlich hat man eine Familie, und "Angeln bis der Arzt kommt" ist im gemeinsamen Urlaub keine besonders populäre Agenda. Obwohl, ich muss zugeben: Meine Frau und meine Kinder haben dem Angeln durchaus etwas abgewinnen können.

Meistens läuft es also auf Variante zwei hinaus: den Urlaub, in dem geangelt wird. Das Reiseziel wird ganz ohne Angelambitionen ausgesucht. Aber dann, je näher der Abfahrtstag rückt, schleicht sich so ein Gedanke ein: Eine Rute könnte man ja eigentlich einpacken. Zur Sicherheit. Dann wirft man sicherheitshalber noch einen kurzen Blick ins Internet, welche Gewässer und Fischarten sich in der Nähe befinden – und ehe man sich versieht, hat auch noch die eine oder andere Tacklebox ihren Weg in den Kofferraum gefunden. Alles natürlich nur zur Sicherheit.

Familienurlaub in Italien

Letztes Wochenende bin ich mit meinen Jungs zu meiner Mutter nach Italien gefahren. Und ja – ich hatte "zur Sicherheit" ein bisschen Equipment dabei. Heute bot sich dann endlich die Gelegenheit, die Köder ins Wasser zu bringen.

Ich wusste, dass es in der Region Forellen geben soll. Also steuerten wir einen kleinen Baggersee im Gebirge an, in der Nähe der Gemeinde Casoli in den Abruzzen. Für meine Jungs baute ich Ruten mit Pose und Made auf – an einem unbekannten Gewässer hatte ich schlicht keine Lust, zu viele Montagen und Köder zu versenken. Außerdem hatte ich mit dieser Methode beim Forellenangeln schon gute Erfahrungen gemacht. Stressfrei, unkompliziert, erfolgversprechend. Ich selbst schnappte mir meine Spinnrute und knotete einen kleinen Spinner ans Ende der Schnur.

Anwendungshinweis

Wenn Du selbst das nächste Mal an einem Dir unbekannten Gewässer auf Forellen spinnst, fang mit einem mittelschweren Spinner in silber oder gold an und variiere die Einholgeschwindigkeit. Manchmal reagieren Forellen auf ein kurzes Absinkenlassen des Köders direkt nach dem Einwurf besonders aggressiv. Wechsle den Spot früh genug – statt stur denselben Bereich abzufischen, lohnt sich oft ein Schritt zur Seite, um frisches Terrain abzudecken.

Baggersee als Forellenparadies?

Wir legten los. Keine halbe Stunde später tauchte die Pose meines älteren Sohnes Ben kräftig ab. Er schlug an – so wie ich es ihm beigebracht hatte – und tatsächlich: Am anderen Ende der Schnur zog eine sehr ansehnliche Forelle mit! Ben strahlte über das ganze Gesicht. Er hatte vorher eine längere Nullrunde hinter sich und sich schon fast so etwas wie einen Fluch zusammengedacht. Dieser Fang hat ihn befreit. Und Ryan und mich? Den hat er zusätzlich angestachelt.

Ich spinte und spinte, wechselte Tiefen, Spots und Köder – aber bei mir tat sich einfach nichts. Die Zeit lief mir davon. "Noch zehn Minuten, Jungs, dann müssen wir los." Es kribbelte in meinen Fingern. Ich wollte ebenfalls was dranhaben. Kurz vor Ende der vereinbarten Zeit knallte es dann doch noch – allerdings nicht bei mir, sondern an Ryans Rute. Er drillte seinen Fisch mit zitternden Händen und strahlte vor Stolz, als ich die Forelle für ihn ans Land holte.

Als Schneider zurück

Auf dem Rückweg zum Haus meiner Mutter sank es dann langsam in mir ein: Das war heute eine echte Premiere. Meine Jungs hatten mich – ihren Vater – zum ersten Mal als Schneider nach Hause geschickt, während sie selbst Fische gelandet hatten. Ich fuhr also leer nach Hause, aber gleichzeitig als verdammt stolzer Papa. Dieses kleine, spontane Angelerlebnis am Baggersee in den Abruzzen werde ich so schnell nicht vergessen. Den Familienurlaub selbst auch nicht.

Bis bald – und euch allen ratternde Rollen!

Euer Daniel

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