Dieser Artikel wurde vom H&B-Support Sebastian Schmidt verfasst.
Holland ist unter Anglern schon lange kein Geheimtipp mehr. Die schiere Wasserfläche, starke Raubfischbestände und ordentliche Weißfischpopulationen ziehen regelmäßig Angler über die Grenze. Wenn Du aber legal und ohne Ärger angeln willst, brauchst Du das nötige Hintergrundwissen - genau das liefert Dir dieser Beitrag.
Fischereischein: VisPas
Der erste und wichtigste Schritt vor dem ersten Wurf in niederländischen Gewässern: der VisPas. Dieser offizielle Fischereischein ist das Herzstück des niederländischen Angelsystems. Besonders interessant dabei ist, dass die Niederländer die staatliche Abgabe direkt mit dem Jahresbeitrag eines Angelvereins kombinieren. Vereine mit besonders attraktiven Vereinsgewässern oder solche direkt an der Grenze sind in der Regel etwas teurer als andere - daher schwankt der Preis je nach Wahl des Vereins.
Den VisPas bekommst Du in grenznahen Händlern oder direkt in niederländischen Angelläden:
Name |
Adresse |
Homepage |
Telefonnummer |
Angelshop Goch |
Boschstr. 6, 47574 Goch |
angelshopgoch.de |
02823 - 5919 |
Hengelsport Hennie Kruidenier Haaksbergen |
Spoelsterstraat 45, Haaksbergen 7481 KE |
hengelsport-kruidenier.com |
+31 - 535723679 |
Wer ein niederländisches Bankkonto oder eine Kreditkarte besitzt, kann den VisPas auch bequem online über die Webseite der Sportvisserij Nederland (www.vispas.nl) beantragen.
In den Läden helfen Dir die Händler beim Ausfüllen des Antrags - manche erledigen sogar den Versand an die Sportvisserij Nederland für Dich. Tust Du das nicht, musst Du selbst zur Post, denn der Antrag muss innerhalb einer Woche bei der Sportvisserij Nederland eingehen. Die Adresse ist bereits auf dem Formular aufgedruckt. Direkt im Laden erhältst Du dann einen vorläufigen VisPas, der vier Wochen lang gültig ist - damit kannst Du sofort loslegen.
Bei der Online-Bestellung landet der vorläufige VisPas als PDF in Deinem Postfach und muss nur noch ausgedruckt werden. Zusätzlich bekommst Du einen Mitgliedsausweis des jeweiligen Angelvereins, dem Du beigetreten bist. Optional gibt es außerdem die Gewässerliste (Lijsten van Viswateren) als kleines Büchlein, das die gewässerspezifischen Regeln wie erlaubte Köder oder Entnahmelimits auflistet.
VisPlanner-App
Als digitale Alternative zur gedruckten Gewässerliste bietet die Sportvisserij Nederland die VisPlanner-App für Dein Smartphone an. Ruf einfach mit dem Handy die VisPlanner-Homepage (m.visplanner.nl) auf und folge dem passenden Link für Android oder iOS. Ganz wichtig dabei: Während einer Kontrolle brauchst Du eine aktive Internetverbindung, damit die App korrekt funktioniert.
Hier findest Du die Download-Links für die VisPlanner-App:
- Download: iOS (iPhone) - itunes.apple.com
- Download: Android - play.google.com
Verlängerung & Kündigung des VisPas
Läuft Dein VisPas aus? Kein Stress - er verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr. Entscheidest Du Dich für das Lastschriftverfahren, sparst Du im Vergleich zur manuellen Zahlung einiges. Wer das Lastschriftverfahren nicht nutzt, bekommt rund im November einen Brief von der Sportvisserij Nederland mit einer Zahlungsaufforderung ins Haus.
Willst Du kündigen, muss das bis spätestens zum 1. Oktober erledigt sein. Das geht unkompliziert per E-Mail an ledenadministratie@vispas.nl - einfach Deine persönlichen Daten und Deine VisPas-Nummer angeben, fertig.
Doppelte Mitgliedschaft
Für einige Gewässer existieren zwar Gastkarten, aber die wirklich attraktiven Spots sind oft exklusiv in Vereinshand. Wer seinen bestehenden niederländischen Verein nicht verlassen will, kann eine doppelte Mitgliedschaft abschließen. Das Prozedere läuft genauso ab wie beim ursprünglichen VisPas. Kaufst Du die doppelte Mitgliedschaft beim Händler, bekommst Du den Anteil der Sportvisserij Nederland zurückerstattet. Wählst Du den Online-Weg, zahlst Du schlicht nur den Jahresbeitrag des neuen Vereins.
Wo darf ich mit meinem VisPas angeln?
VisPas in der Tasche, Tackle im Auto - jetzt soll es endlich ans Wasser gehen. Gerade für Erstbesucher kann die Fülle an Gewässern in Holland schnell verwirrend werden. Aber Vorsicht: Nicht jedes Gewässer ist automatisch mit dem VisPas befischbar.
Ob Du an einem bestimmten Gewässer angeln darfst, findest Du auf drei Wegen heraus:
- Gewässerliste (Büchlein) zum Nachschlagen
- VisPlanner-Website: www.visplanner.nl
- VisPlanner-App (iOS und Android)
Auf www.visplanner.nl kannst Du entweder eine niederländische Postleitzahl eingeben oder wie bei Google Maps direkt auf der Karte nach Gewässern suchen. Ein Klick auf den Button „Ververs gegeven" zeigt Dir dann per Farbcode sofort, ob das jeweilige Gewässer für Dich freigegeben ist. In der App hast Du zusätzlich die Möglichkeit, über „Gebruik mijn GPS-locatie" Deinen aktuellen Standort per GPS zu nutzen.

Legende:
- Dunkelblau: Gewässer darf beangelt werden
- Rostrot: Vereinsgewässer, nur für Vereinsmitglieder zugänglich
- Hellblau: Beangeln nicht erlaubt
Gewässerspezifische Regelungen
Bevor Du die Rute auspackst, ist Pflichtlektüre angesagt. Die Regeln variieren von Gewässer zu Gewässer erheblich, und die niederländischen Fischereiaufseher nehmen das sehr ernst. Wer erwischt wird, zahlt drauf - und das nicht zu knapp.
Je nach Schwere des Verstoßes kann Dir der VisPas entzogen und Du für mehrere Jahre gesperrt werden.
Besonders relevant: Welche Fischarten darfst Du entnehmen, und wenn ja, wie viele? Das unterscheidet sich oft erheblich von einem Gewässer zum nächsten. Catch & Release hat in den Niederlanden einen sehr hohen Stellenwert. Aal ist grundsätzlich tabu und darf unter keinen Umständen entnommen werden. Auch hier stehen Dir wieder die drei bekannten Möglichkeiten zur Verfügung, um die jeweils geltenden Gewässerregeln nachzuschlagen.
Als praktisches Beispiel zeige ich Dir anhand eines meiner eigenen Hausgewässer, wie die Regelabfrage in der VisPlanner-App konkret aussieht.

Entnahmeregelungen unbedingt beachten! Einfach das Gewässer in der App antippen und schon siehst Du alle geltenden Regeln auf einen Blick.
Schonzeit und Mindestmaße
Auch Holland kennt Schonzeiten - die weichen aber ein wenig von dem ab, was Du vielleicht aus der Heimat gewohnt bist. Informier Dich deshalb immer gezielt für die Region, in der Du angeln möchtest. Ein konkretes Beispiel: Der Hecht ist bereits ab dem 1. März geschont. Passiert es Dir beim Barsch- oder Zanderangeln trotzdem, dass ein Hecht anbeißt, gilt klare Pflicht: Sofort und schonend zurücksetzen.
Kunstköderverbot ab dem 01. April
Vom 1. April bis zum letzten Samstag im Mai gilt in den Niederlanden ein generelles Verbot für Kunstköder, Köderfische und Fischfetzen. Einzige Ausnahme: Fliegen bis maximal 2,5 cm Länge. Für das Ijsselmeer gibt es eine abweichende Sonderregelung - dort beginnt das Verbot bereits am 30. März und endet erst am 30. Juni.
Anwendungshinweis von der H&B-Community
Plant Du Deinen Holland-Trip in den Herbst oder Winter, hast Du die beste Chance, ohne Einschränkungen mit Hardbait und Softbait auf Hecht, Barsch und Zander zu fischen. Gerade Gummifische auf dem Texas-Rig oder klassische Jigköder machen in den oft seichten, pflanzenbewachsenen niederländischen Kanälen und Seen richtig Sinn. Nutze die VisPlanner-App bereits zuhause zur Spotsuche - so kommst Du ans Wasser und weißt sofort, wo Du wirfst und was Du darfst.
Auch wenn die Auswahl an Gewässern anfangs einschüchternd wirkt, gilt wie immer: „Probieren geht über Studieren." Frag die Leute am Wasser - die Niederländer sind in der Regel ausgesprochen hilfsbereit. Also los, ab an die Rute.
Die Sportvisserij Nederland hat zur VisPlanner-App übrigens noch ein kurzes, informatives Video veröffentlicht:
Hast Du eigene Erfahrungen mit dem VisPas oder Tipps für bestimmte Gewässer? Schreib sie in die Kommentare - ich freue mich über jeden Austausch!
Dein Sebastian!


























