Angeln in Polderkanälen - HechtundBarsch.de

Angeln in Polderkanälen - Spots, Fische und das richtige Gerät

Polderkanäle faszinieren immer mehr Sportfischer - und das aus gutem Grund. Gastautor Marco Solar erklärt, was es mit diesen besonderen Gewässern auf sich hat, welche Fische dort lauern und warum ein Ausflug an den Polder so viel mehr ist als nur ein normaler Angeltag.

Wer das Wort "Polder" hört, denkt unweigerlich an die Niederlande. Der Begriff "Polderhecht" ist in der deutschsprachigen Angelszene fest verankert. Was jedoch kaum jemand weiß: Poldergewässer mit starken Fischbeständen existieren weit über die niederländische Grenze hinaus.

Neben dem berühmten Polderhecht hat sich auch der Begriff "Polderkarpfen" längst etabliert. Beide Fischarten findet man in Poldergewässern quer durch Europa - in Deutschland, Dänemark, Belgien und vielen weiteren Ländern. Es sind kleine Kanäle, die sich durch überwiegend landwirtschaftlich geprägte Regionen schlängeln und dort eine ganz konkrete technische Aufgabe erfüllen.

Was sind Polder?

Im geografischen Sinne bezeichnet ein Polder eine von Deichen eingegrenzte Region, die aktiv vor Überschwemmung geschützt wird - weil sie schlicht und einfach unter dem natürlichen Bodenniveau liegt. Das dort anfallende Wasser wird kontinuierlich über die Deichanlagen abgepumpt. Manche Polderregionen werden bei drohenden Extremhochwassern auch gezielt geflutet, um andere Gebiete zu schützen. Für Sportfischer hat sich der Begriff "Polder" allerdings auf etwas Spezifischeres verengt: Gemeint ist damit in der Regel der Poldergraben selbst - also der Kanal.

"Ich gehe nächstes Wochenende auf Polderhecht!"

"Der Polder(kanal) bei der kleinen Brücke läuft, da habe ich gut gefangen."

Diese beiden Sätze kennst Du vielleicht aus dem Gespräch mit Angelkollegen. Fiktiv, aber absolut typisch - und ein klares Zeichen dafür, wie tief der Polder im Sprachgebrauch der Angelszene verwurzelt ist.

Dustin Schöne an Polderkanal

Die Angelei in den sogenannten Polderkanälen erfreut sich zunehmender Beliebtheit und lockt auch gestandene Größen der Angelszene an ihre Ufer - hier im Bild: WPC-Gewinner Dustin Schöne im Finale des YouTube Predator Cup 2018.

Polderlandschaft

Eine typische Polderlandschaft erkennst Du sofort: Flaches, weitläufiges Land mit freier Sicht, kaum Bebauung, nur vereinzelte Waldstreifen - und natürlich die Kanäle, die sich wie ein Netz durch die Landschaft ziehen. Gerade diese Kanäle sind es, die den Reiz für uns Angler ausmachen.

Je nach Region unterscheiden sich die Polder teils erheblich. In Deutschland und Polen findest Du Landschaften mit markant hohen Deichen, die das jeweilige Gebiet einschließen. In Belgien und den Niederlanden sind die Polder eher weitläufig und offen, geprägt von klassischen Windmühlen und beeindruckenden Schleusenbauwerken. Was sich trotz aller regionalen Unterschiede kaum verändert, ist das Erscheinungsbild der Kanäle selbst - sie ähneln sich europaweit stark.

Die Geschichte dieser Gewässer reicht weit zurück. Im 15. Jahrhundert gelang es holländischen Ingenieuren erstmals, durch ein ausgeklügeltes System ein ganzes Gebiet planmäßig zu entwässern und dauerhaft für Siedlung und Ackerbau nutzbar zu machen. Damals übernahmen Windmühlen mit großen Pumpen die nötige Arbeit, um den Grundwasserspiegel zu kontrollieren. Was man damals noch "Trockenlegung" nannte, heißt heute "Wassermanagement".

Heutzutage übernehmen vollautomatisierte, digital vernetzte Pumpanlagen diese Aufgabe - von einer zentralen Stelle aus gesteuert und rund um die Uhr aktiv. Das Kanalwasser dient vielerorts zudem als Löschwasserreservoir.

Fischbestand und Fischbesatz der Polderkanäle

Die erste Frage, die sich jeder Angler beim Blick auf einen schmalen Poldergraben stellt, ist diese:

"Was schwimmt da drin - und wie komme ich dran?"

Die Antwort variiert je nach Region. Am bekanntesten sind zweifellos die Hechte. In Belgien - besonders rund um Brügge und Sluis in West-Vlaanderen - warten hervorragende Polderkanäle auf Hechtangler. In den Niederlanden konzentriert sich der Hechtbestand vor allem auf Nordholland, rund um Sneek und Medemblik.

Die Poldergewässer der Region Zeeland im Süden der Niederlande sind dagegen eher ein Tipp für Friedfischangler. Wobei die kampfstarken Polderkarpfen dort auch beim Spinnfischen - etwa mit einem Gummitwister - regelmäßig zuschlagen.

Da Polderkanäle in der Regel künstlich angelegte Gewässer sind, wurde der Fischbestand von Anfang an durch regionale Fischereivereine und entsprechende Institutionen aktiv gestaltet. Laichplätze wurden eingerichtet, Fische eingesetzt - und über die Jahre haben sich stattliche Bestände entwickelt.

Was alle Polderkanäle verbindet:

Der Anbiss ist immer eine große Überraschung, wenn in einem gerade mal zwei Meter breiten und relativ flachen Gewässer ein großer Brocken Gas gibt.

Handgroße Topwater Baits sind beim gezielten Ansatz auf Polderräuber keinesfalls zu groß - ganz im Gegenteil.

Dass sich die niederländischen Polder zu wahren Hecht-Eldorados entwickelt haben, ist auch der strikten No-Kill Regelung an vielen Gewässern zu verdanken. Die Niederländer sind hier europäische Vorreiter und bieten heute außergewöhnlich gute Angelmöglichkeiten. Die Fischbestände sind dabei trotz lokaler Häufungen von Hecht oder Karpfen insgesamt gut ausbalanciert.

Tipp für Aal-Angler

Kaum jemand weiß es, aber in belgischen Poldergewässern tummeln sich starke Aal-Populationen. Auch die Kanäle im deutschen Norden sind ein lohnenswerter Spot für alle, die den Polder-Aal gezielt angeln wollen.

Tipp für Schwarzbarsch-Angler

Wer kampfstarke Schwarzbarsche sucht, sollte die Polderkanäle im Süden Frankreichs auf dem Radar haben. Dort sind die Schwarzbarsche eine echte lokale Besonderheit - und liefern neben den Karpfen ordentlich Abwechslung am Haken.

Grundsätze fürs Angeln an Polderkanälen

Einer der wichtigsten Ratschläge von erfahrenen Polderanglern lautet schlicht:

Probiert zu jeder Zeit so unauffällig wie möglich am Gewässer zu sein.

Beobachte jede Bewegung im Wasser und lerne, sie zu lesen. Und scheu Dich nicht vor großen Kunstködern - Meterhechte sind an den Poldern keine Legende, sondern Realität.

Köder, Gerät & Methodik am Polder

Früher dominierten Naturköder die Polderkanäle - ein toter Köderfisch unter einer driftenden Posenmontage war lange Zeit Standard, und ehrlich gesagt ist das auch heute noch einen Versuch wert. Effizienter und deutlich aktiver fischt Du aber mit Kunstködern. Die großen Hechte greifen Baits oft reflexartig an - manchmal bereits in dem Moment, wo der Köder auf der Wasseroberfläche aufkommt.

Die Wassertiefe in Polderkanälen bewegt sich typischerweise zwischen 0,5 und 2 Metern. Nur vor Schleusen und in Rückstaubecken wird es gelegentlich tiefer als 2,5 Meter. Das bedeutet: Topwater Baits und flachlaufende Köder sind die erste Wahl. Ein Popper mit über 20 cm oder ein langer Wobbler ist dabei definitiv nicht zu groß - im Gegenteil.

Unterschiedliche Landschaftstypen an Poldern

Entlang der Poldergräben gibt es die unterschiedlichsten Landschaften zu bewundern oder man bekommt die Möglichkeit durch idyllische Dörfer zu schlendern. Diverse Brücken bieten potenzielle Hot Spots.

Rute

Das richtige Rutensetup entscheidet am Polder oft über Erfolg oder Misserfolg. Eine kräftige Spinnrute mit solidem Rückgrat und einer Länge von etwa 2,50 bis 3,00 Metern ist in vielen Situationen die beste Wahl - besonders dann, wenn Du Deine Köder über Schilf und Uferbewuchs führen musst. Entscheidest Du Dich jedoch für Stickbaits oder andere Topwater-Köder und hast guten Zugang zum Wasser, kann eine kürzere Rute die deutlich bessere Option sein. An einem 1,5 Meter breiten Kanal mit direktem Uferzugang macht eine 3,00-Meter-Rute schlicht wenig Sinn.

Schnur

Geflochtene oder monofile Schnur? Das ist eine Diskussion, die in der Angelszene kontrovers geführt wird - und das zu Recht. Ein Thema mit echten Vor- und Nachteilen auf beiden Seiten.

Was feststeht: Eine geflochtene Schnur dehnt sich kaum. Der volle Aufprall des Anbisses trifft damit direkt die Rute - auf kurze Distanz schlitzen so viele Fische aus. Eine gute monofile Schnur hingegen federt durch ihre Dehnung einen Teil der Energie ab, bevor diese überhaupt an der Rute ankommt.

Vorfach

Unterschätze das Thema Vorfach nicht - es bekommt in der Praxis oft zu wenig Aufmerksamkeit. Das Idealvorfach richtet sich immer nach Zielfisch und eingesetztem Köder.

Anwendungshinweis

Bevor Du das erste Mal an einem Polderkanal wirfst: Schau Dir den Spot vorab genau an. Geh leise, vermeide abrupte Bewegungen am Ufer und beobachte die Wasseroberfläche einige Minuten, bevor Du den ersten Wurf setzt. Hechte in flachen Kanälen sind oft deutlich scheuer als im offenen Gewässer. Ein langer, präziser Wurf entlang der Uferkante - zum Beispiel mit einem langsam geführten Topwater Bait - kann den Unterschied machen. Tipp aus der Community auf hechtundbarsch.at: Halte Dein Tackle bei engen Poldern bewusst schlank und verzichte auf unnötig viel Ausrüstung. Mobilität ist hier Trumpf.

Zusammenfassung

Angeln an Polderkanälen bedeutet vor allem eines: Bewegung. Strecke machen, Spots erkunden, gutes Schuhwerk einpacken - das ist Pflicht. Mit der Zeit entwickelst Du ein Gespür dafür, dass es oft gerade die unverhofften Stellen und spontanen Würfe sind, an denen die richtig großen Fische zubeißen. Ein Polder ist nie langweilig. Immer wieder anders, immer wieder ein Abenteuer.

Daniel gegen Tobias Ekvall im YouTube Predator Cup: Entlang der Polder:

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