Einstieg ins Fliegenfischen - HechtundBarsch.de

Fliegenfischen für Einsteiger: Dein Start in eine faszinierende Angelmethode

Fliegenfischen - allein das Wort löst bei vielen Anglern ein Stirnrunzeln aus. Angelt man dabei nach Fliegen? Oder mit Fliegen? Und sind es vielleicht fliegende Fische, die man da jagt? Und überhaupt: Ist das nicht unglaublich kompliziert?

In zahlreichen Gesprächen mit anderen Anglern begegnet mir immer wieder dasselbe Bild: Das Fliegenfischen gilt als riesige Hürde - obwohl die Methode eigentlich fesselnd und abwechslungsreich ist wie kaum eine andere. Hartnäckige Vorurteile dominieren das Bild. Fliegenfischen sei wie Golf: elitär, angestaubt und für normale Sterbliche kaum erlernbar. Viele probieren es deshalb gar nicht erst aus oder winken gleich ab. Aber stimmt dieses Bild überhaupt noch?

Die Geschichte des Fliegenfischens

Eines ist historisch belegt: Das Fischen mit künstlichen Fliegen gehört zu den ältesten bekannten Angelmethoden der Menschheit. Aufzeichnungen aus der Zeit um 200 nach Christus beschreiben bereits den gezielten Einsatz künstlicher Fliegen beim Fischen - und es gibt Hinweise, dass diese Technik sogar im alten Ägypten praktiziert wurde.

Im Mittelalter war das sogenannte Flugangeln offenbar eine beliebte Freizeitbeschäftigung des Rittertums. Die eigentliche Blütezeit und Weiterentwicklung der klassischen Methode fand dann auf der britischen Insel statt. Dort hielt sich der Fliegenfischer - in der Regel adliger Herkunft oder zumindest wohlhabend - an strenge Regeln und legte dabei Wert auf standesgemäße Kleidung am Wasser.

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Das Fliegenfischen hat sich - zum Glück - grundlegend gewandelt. Was geblieben ist: dieser besondere Reiz, der schon die Fliegenfischer vergangener Jahrhunderte in seinen Bann zog und jeden Angler dazu einladen sollte, ernsthaft über einen Einstieg nachzudenken.

Was ist beim Fliegenfischen anders?

Schauen wir uns gemeinsam an, was diese Angelmethode ausmacht und warum sie eine wunderbare Ergänzung zu allen anderen Formen des Angelns darstellt - nicht als Ersatz, sondern als Bereicherung.

Im Kern geht es darum, ein nahezu gewichtsloses Imitat eines Insekts oder kleinen Fisches so natürlich wie möglich vor dem Fisch zu präsentieren, um ihn über seine Nahrungssuche zu täuschen.

Genau hier zeigt sich der entscheidende Unterschied zum Spinnfischen: Wer einen Köder wirft, der kaum ein Gramm auf die Waage bringt, kommt mit klassischen Wurftechniken einfach nicht weit. Beim Fliegenfischen übernimmt deshalb die Schnur selbst die Aufgabe des Wurfgewichts - das ist das Herzstück dieser Technik.

Drill beim Fliegenfischen

Der Einstieg ins Fliegenfischen ist allein wegen des Drills lohnenswert

In früheren Zeiten fertigte man diese Schnüre aus Seide oder geflochtenem Pferdehaar - Herstellung und Pflege waren extrem aufwendig. Heute bestehen Fliegenschnüre aus modernen geflochtenen Kernen, die mit PVC, PU oder ähnlichen Kunststoffen beschichtet werden. Zusätze wie Tungsten ermöglichen dabei ganz spezifische Eigenschaften: ob die Schnur schwimmt, langsam oder schnell sinkt. Die Pflege ist im Vergleich zum historischen Material auf ein absolutes Minimum geschrumpft.

Weshalb den Einstieg ins Fliegenfischen wagen?

Was spricht konkret dafür? An vielen Gewässern sind Insekten schlicht die wichtigste Nahrungsgrundlage der Fische. Bei sogenannten Schlupfereignissen - wenn Insekten in riesigen Mengen schlüpfen - werden Fische so selektiv, dass sie nahezu ausschließlich diese eine Nahrungsquelle annehmen. Manchmal fokussieren sie sich sogar auf eine einzige Insektenart. Mit konventionellen Ködern kommt man in solchen Situationen schlicht nicht mehr weiter.

Aber selbst abseits solcher Extremsituationen gilt: Viele Fische lassen sich mit Insektenimitaten am besten überlisten. Diese Imitate entstehen aus Federn, Fell und leichten Kunstmaterialien - und wiegen oft deutlich weniger als ein Gramm. An normalem Angelgerät lassen sie sich weder auf Weite bringen noch sauber präsentieren. Wer also gezielt auf Fische anspricht, die sich von Insekten ernähren, kommt um die Fliegenrute kaum herum.

Äsche: Fangerfolg beim Fliegenfischen

Eine wunderschöne Äsche - Grund genug für einen Einstieg ins Fliegenfischen!

Funktioniert das Fliegenfischen bei Raubfischen?

Auch beim Angeln auf Raubfische eröffnet die Fliegenrute völlig neue Perspektiven. Hechte etwa, die bereits viel Angeldruck kennen, reagieren auf gängige Kunstköder oft kaum noch. Eine große, federleichte Fliege hingegen ist für sie etwas komplett Unbekanntes. Sie schwebt schwerelos durch das Wasser, pulsiert bei jeder minimalen Strömungsbewegung und kann in solchen Situationen äußerst effektiv sein - mit dem entsprechenden Drill als Belohnung.

Welche Friedfische springen an?

Friedfische stippen - nicht Dein Ding? Dann fang doch mal Rotfedern auf Trockenfliege, Alande auf Popperfliegen oder geh auf Schleien und sogar Karpfen auf Sicht. Und wer mag, fischt mit winzigen Nymphen auf Ukelei mit federleichtem Gerät. All das ist mit der Fliegenrute möglich - ganz ohne Teig, Maden, Würmer und Anfüttern.

Fliegenfischen macht unglaublich viel Spaß!

Es gibt aber noch einen Grund, der alle anderen überragt und für sich allein schon den Einstieg rechtfertigt: den puren Spaß an der Sache. Das Werfen und Fischen mit der Fliegenrute ist einfach ein komplett anderes Erlebnis. Viele Angler, die den Einstieg gerade hinter sich haben, berichten mir, dass sie noch nie so intensive und kurzweilige Tage am Wasser erlebt hätten - und das oft sogar völlig ohne Fisch.

Das ist kein Widerspruch. Es bedeutet nicht, dass man weniger fängt. Es bedeutet, dass das Werfen und Beobachten für sich selbst bereits riesigen Spaß macht. Man ist anders im Fokus: Man konzentriert sich auf den nächsten Wurf, sucht mit den Augen nach Fischen, liest die Strömung, studiert die Insekten auf der Suche nach dem richtigen Muster. Man wirft, beobachtet, wie Schnur und Fliege vom Wasser getragen werden - und lernt mit jedem einzelnen Wurf dazu.

Das Fischen und die Natur drumherum nimmt man auf eine ganz andere Art wahr. Und wenn dann plötzlich ein Fisch einsteigt... ich kann Dir sagen!! Aber das ist eine Geschichte für ein anderes Mal.

Fliegenfischen mit Florian Penno

Daniel und Toni bei ihrem Crash-Kurs mit Angelguide Florian Penno

Wie schwierig ist das Werfen beim Fliegenfischen?

Bleibt noch die Frage nach der Wurftechnik. Und hier kann ich Dich beruhigen: Mit einem guten Kurs, einem sinnvoll zusammengestellten Gerät und einem Mindestmaß an Übungsbereitschaft schrumpft die vermeintliche Hürde auf die Größe eines Bordsteins. Fliegenfischen ist erlernbar - für jeden. Und wer einmal vom Virus erwischt wurde, den lässt er so schnell nicht mehr los.

Bis zum nächsten Mal und Tight Lines

Florian

Von Florian Penno

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor dem Veröffentlichen geprüft.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.