Heavy Cover: Angeln in stark verkrauteten Gewässern - HechtundBarsch.de

Heavy Cover: So angelst Du erfolgreich in stark verkrauteten Gewässern

Kaum ein Gewässer ohne Wasserpflanzen - das ist die Realität. Ob Seerosen, Wasserlinsen oder Laichkraut: Stehende und langsam fließende Gewässer sind schlicht voll davon. Die meisten Angler flüchten vor diesen Bereichen oder widmen ihnen maximal ein paar Pflichtcasts mit einem Oberflächenköder. Genau das war auch meine Strategie - bis vor etwa zwei Jahren. Heute drehe ich das komplett um. Verkrautete Spots gehören für mich zu den spannendsten Bereichen überhaupt, und einige meiner stärksten Fänge dieses Jahres kamen genau von dort.

Wer die Geschichte des WPC-Sieges von Johannes und Dustin kennt, weiß: Softjerks und verkrautetes Flachwasser spielten dabei eine zentrale Rolle. Wie ich diese Bereiche angehe, welches Material ich einsetze und worauf es dabei wirklich ankommt - das erfährst Du jetzt.

Theorie: Wahl der Spots, Saison und Zielfische

Wassertiefe

Wasserpflanzen besiedeln neben den Uferkanten je nach Sichttiefe auch tiefere Bereiche bis hinunter auf 10 Meter. Grundsätzlich lassen sich all diese Zonen mit den richtigen Methoden befischen. Ich konzentriere mich jedoch auf die sogenannte Schwimmblatt- und Laichkrautzone - also auf Bereiche bis maximal 6 Meter Tiefe, wo die Pflanzen bis an die Oberfläche reichen und für Dich klar erkennbar sind.

Für mich befischbar sind all jene Stellen, an denen sich immer wieder Lücken zwischen den Pflanzen auftun, wo der Köder tatsächlich im Wasser ist. Friedfische und Insekten zieht es in diese Zonen, weil sie dort Nahrung und Deckung finden. Und wo Beute ist, da stehen Hechte, Barsche und sogar Zander nicht weit.

Saison & Wetter

In kleinen, sehr klaren oder flachen Gewässern trifft man Räuber im Kraut teilweise das ganze Jahr über an. In größeren Gewässern mit ausgeprägter Tiefenstruktur sind es vor allem die Monate Mai bis Oktober, in denen Du diese Spots keinesfalls ignorieren solltest. Bei klarem Himmel und wenig Wind ziehen sich die Fische besonders gern ins Kraut zurück - dort entstehen dann regelrechte Hotspots, an denen die Räuber förmlich übereinandergestapelt stehen. Auch warme Tage im frühen Winter oder kurz nach der Schonzeit lohnen sich, denn die flachen, sonnenbeschienenen Randzonen liegen in der Wassertemperatur oft 0,5 bis 1 °C über dem Rest des Sees.

In Seen, deren Tiefenstruktur mir unbekannt ist, befische ich zuerst das Ufer, auf das der Wind drückt - das ist für mich eine bewährte Grundregel.

Spannende Gewässer mit Schutz für Fische

Hier ist genug Platz: Solche Spots solltest Du auf keinen Fall auslassen!

Hardware: Rute, Rolle, Schnur und Vorfach

Das Fundament dieser Angelei ist ein klares Bekenntnis zu kräftigem Material. Du willst Fische nicht unnötig einem Verletzungsrisiko aussetzen und sie sicher landen können. Das bedeutet: Im Drill musst Du auch einen starken Hecht sicher durch Krautlücken dirigieren und konsequent oben halten. Die geflochtene Schnur schneidet sich dabei durch viele Pflanzen - aber der Fisch darf keine Pflanze umschwimmen können. Sonst riskierst Du zu viel Druck auf das gesamte System, was im schlimmsten Fall zu Verletzungen des Fisches führt.

Rute

Meine Wahl fällt fast immer auf eine Hechtrute mit kräftigem Wurfgewicht. Eine moderne, leicht progressiv oder spitzenaktiv ausgelegte Blank wirft dabei auch leichtere Köder noch präzise und weit genug. Meine bevorzugte Rute für diesen Einsatz ist 2,10 m lang - ich mag kurze Ruten, für die meisten dürften 2,40 m der bessere Kompromiss sein -, hat ein Wurfgewicht von 50 bis 100 g und eine progressive, schnelle Aktion.

Rolle

Als Rolle setze ich eine leichte Okuma Ceymar C-35 ein, bespult mit einer ca. 14 kg starken, 8-fach geflochtenen Schnur. Die Bremse kann ich dabei fast vollständig schließen, was mir erlaubt, Fische kraftvoll und kontrolliert durchs Kraut zu führen.

Vorfach

Das Vorfach muss entsprechend robust sein - mit Hechten ist im Kraut immer zu rechnen, und die schlucken Köder gern vollständig, sobald sie an die Oberfläche brechen. Beim Vorfachbau gilt: So wenig Verbindungselemente wie möglich. Hechtsicheres Fluorocarbon oder idealerweise Stahl lässt sich mit dem FG-Knoten direkt an die Hauptschnur binden, am Ende kommt ein Snap - fertig. Falls Du lieber mit einem Wirbel an der Hauptschnur arbeitest, solltest Du das Vorfach etwas länger wählen, damit sich eventuell hängendes Kraut weit genug vom Köder entfernt befindet. Knickarmes Material mit niedrigem Memory-Effekt spart Dir außerdem den Neuaufbau nach jedem Hänger.

Köderwahl und -Führung: Von spärlichem Bewuchs bis zum „heavy cover"

Die folgende Liste zeigt Dir meine bewährtesten Köder mit ihren Stärken und Schwächen. Zur besseren Übersicht habe ich sie aufgeteilt in Varianten für leichten Bewuchs und solche für echtes Dickicht.

Generell gilt bei dieser Angelei: Du brauchst keine Riesenköder, um wirklich starke Fische zu machen.

Klar nehmen Großräuber auch größere Happen - aber zu voluminöse Köder lassen sich kaum hängerfrei durchs Kraut bewegen. Meine besten Ergebnisse erzielte ich mit Ködergrößen bis etwa 12 cm. Meine Erklärung dafür: Kleinere Beutefische sind ständige Bewohner dieser Zonen und landen damit automatisch auf dem Speiseplan aller Räuber, die sich dort aufhalten. Außerdem ist das Wasser in den genannten Monaten warm genug, dass die Fische nicht sonderlich wählerisch rauben müssen.

Köder für wenig Bewuchs

An Spots mit nur einzelnen Pflanzen oder außerhalb der Hauptwuchsphasen vertraue ich vor allem auf Spinnerbaits, kleine Gummis an Rubber-Jigs und Oberflächenköder. Neben klassischen Sommer-Poppern und Stickbaits setze ich dabei häufig den Whopper Plopper von River2Sea ein. Die Technik ist simpel: Freie Bahn zwischen den Blättern anpeilen, dort einwerfen und den Köder hindurchführen.

Köder für leichtes Kraut

Eine Auswahl an Ködern zum Angeln im leichten Kraut

Spinnerbaits entpuppen sich besonders in Sommer und Herbst als echte Waffe zwischen Seerosen-Stängeln und grasartigen Pflanzen. Der Drahtbügel trennt Hindernisse vor dem Haken, und die starken Druckwellen machen sie gleichzeitig zu hervorragenden Suchködern. Optische Reize lassen sich durch unterschiedliche Trailer schnell und unkompliziert anpassen. Gibt es nur wenige attraktive Köder-Bahnen, kannst Du den Spinnerbait nach einigen Kurbelumdrehungen absinken lassen und ihn dann langsam faul über den Grund schlendern.

Als Trailer für Spinnerbaits und Rubberjigs - die unbedingt einen Krautschutz oder Baitholder haben sollten - verwende ich bevorzugt schlanke Swimbaits wie den Keitech Swing Impact oder den Lunker City Swimming Ribster.

Beim Whopper Plopper lohnt sich ein kurzer Hinweis zur Führung: Für Barsche reicht oft gleichmäßiges Kurbeln mit gelegentlichen Stopps. Auf Hecht hat es sich bei mir aber bewährt, dem Köder vor jedem Spinstopp einen kurzen, kräftigen Rutenzug zu geben, sodass er einmal ordentlich aufspritzt. Danach lasse ich ihn bis zu 5 Sekunden liegen - und genau in dieser Pause kommen die meisten Attacken.

Barsch aus Seerosengewässer

Schöner Stachelritter, der nach einer Fehlattacke auf den Swing Impact im Seerosenfeld zum Glück nochmal nachfasste

Heavy Cover

Sobald der Spot dichter wird und Du Köder zwangsläufig über Blätter hinwegzupfen oder durch fadenförmige Algen manövrieren musst, kommen bei mir neben Froschimitaten vor allem Gummiköder am Offsethaken - also Softjerks - ins Spiel.

Diese führe ich mit erhöhter Rutenspitze, Tempovariationen und gezielten Stopps durchs Kraut, zupfe sie über Schwimmblätter hinweg und lasse sie selten mehr als 20 cm absinken. Hältst Du die Rute fast senkrecht, kannst Du Softjerks sogar als Subsurface- oder Oberflächenköder führen und schöne Wellen durch den Bewuchs ziehen.

Grundsätzlich eignet sich jeder Gummiköder, der eine Einkerbung an der Unterseite - also eine Offsettasche - besitzt und damit für Offsethaken geeignet ist. Fast noch entscheidender ist ein im 90°-Winkel montierter Schwanzteller, damit der Köder auch an der Oberfläche noch ordentlich arbeitet. Schwanzteller mit flacherem Winkel werden dort einfach tot hinterhergezogen, weil der Wasserdruck nicht ausreicht. Als ich das einmal verstanden hatte, begann ich, andere Gummifische gezielt zu tunen - dazu findest Du mehr am Ende des Artikels.

Softjerks für Heavy Cover

Softjerk-Armee: Links Keitech Easy Shiner und Swing Impacts, daneben die etwas festeren Swimfish von Lunker City und getunte Drunk Baits

Welchen Gummiköder ich genau wähle, hängt von der Krauttdichte ab. Weichere Mischungen wie der Keitech Easy Shiner oder der (Fat) Swing Impact bringen durch das halbseitige Salzen eine sehr stabile, gleichmäßige Action und eine gute Bissausbeute - lösen aber durch den Krautkontakt manchmal schon den Haken aus, bevor ein Fisch überhaupt zugreift. Dann steige ich auf etwas härtere Mischungen um. Für 3-Zoll-Köder passt Hakengröße 1 bis 1/0, für Köder bis 4 Zoll Größe 3/0. Beim Aufziehen sollte die Hakenspitze minimal im Gummi versenkt sein: Einfach den Köder an der Spitze leicht nach vorn ziehen und wenige Millimeter einstechen. Beim Biss löst sich dieser Mechanismus, und der Haken schiebt sich nach oben durch den Köder - sauberer Strike.

Zander im Kraut gefangen

Am frühen Abend oder Morgen kann man sogar Zander direkt im Kraut fangen! Nach einer Fehlattacke auf einen Frosch wechselte ich schnell und der Fisch hing!

Anwendungshinweis: So startest Du in die Kraut-Angelei

Wenn Du das erste Mal gezielt verkrautete Bereiche befischen möchtest, dann fang mit einem klassischen Spinnerbait an einem Spot mit lockerem Bewuchs an. So bekommst Du ein Gefühl dafür, wie sich Köder durchs Kraut bewegen lassen und wo sich Lücken auftun. Sobald Du sicher navigierst, steigst Du schrittweise auf Softjerks am Offsethaken um. Der Schlüssel ist Geduld: Lass Dir bei der Spurensuche Zeit, beobachte die Wasseroberfläche auf Bewegungen und wirf präzise in die Lücken. Tauscht Euch in der hechtundbarsch.at-Community gern über Eure Erfahrungen aus - dort bekommt Ihr schnell wertvolle Hinweise von Anglern, die ähnliche Spots kennen.

Extra: Ködertuning und Drunk Baits als Softjerk

Wie angedeutet, nutze ich auch Drunk Baits fürs Krautangeln. Auf die Idee kam ich, weil sie durch ihre breitere Statur und die Brustflossen von unten extrem fischähnlich wirken und der große, steile Schwanzteller sich ideal für die Oberflächenführung eignet. Die breite, fast popperähnliche Kopfform erzeugt zusätzlich eine Bugwelle aus Blasen - ein Reiz, dem Hechte kaum widerstehen können.

Damit ich einen Offsethaken in humaner Größe (3/0 passt perfekt) verwenden kann, schneide ich unten eine Bauchhöhle bis zur Schwanzwurzel und oben eine etwa 1 cm lange Kerbe für die Hakenspitze ein. Für die Bauchhöhle orientiere ich mich an der sichtbaren Naht, die seitlich innerhalb der Brustflossen und vorne im vorderen Drittel des Körpers verläuft. Im Kopfbereich kommt außerdem eine kleine Kerbe, etwa 0,5 cm breit und tief. Der Haken sitzt damit vollkommen krautlos und löst beim Biss sauber aus. Teste das Auslösen unbedingt vorab und dehne den Hakenkanal durch wiederholtes Auslösen ein wenig vor. Das Ergebnis: Der Köder taumelt mit Offsethaken noch lebhafter und flankt extrem ausdrucksstark!

Ködertuning für Kraut

OP geglückt - so sollte es in etwa aussehen, wenn ihr mit Drunk Baits ins Kraut geht.

Jetzt bleibt mir nur noch, Dir richtig viel Spaß und starke Fänge beim Krautangeln zu wünschen! Fragen, Erfahrungen und Tipps - alles gerne in die Kommentare damit!

Viele Grüße und petri geil, Dein Ihno.

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor dem Veröffentlichen geprüft.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.