Ein Blogbeitrag von Teamangler Toni Wittbrodt:
Seit rund sechs Jahren hat mich keine andere Fischart so in ihren Bann gezogen wie der Rapfen. Noch vor einigen Jahren wurde er von vielen Anglern als unbeliebter Beifang abgestempelt - heute ist das eine ganz andere Geschichte. Inzwischen gibt es eine wachsende Gemeinde von Petrijüngern, die es ganz gezielt auf diese Torpedos abgesehen haben. Als Teenager habe ich dem Rapfen kaum Beachtung geschenkt. Klar, hier und da sah man einen an der Oberfläche toben, aber auf meine Köder hat er schlicht und einfach nicht reagiert. Der Grund dafür ist rückblickend klar: falscher Köder, falsche Stelle, viel zu langsam. Rapfen besitzen eine ausgezeichnete Sehkraft und sind in der Lage, enorme Geschwindigkeiten zu erreichen - genau so jagen sie auch. Meinen allerersten Rapfen habe ich beim Hechtangeln in einem Altarm der Peene gefangen. Ich wollte eigentlich nur einen räuberischen Hecht direkt anwerfen und kurbelte meinen Gummifisch mit Volldampf aus dem Wasser. BÄÄÄM! Dieser Einschlag in der Rute ist mir bis heute unvergessen. Nach einem aufreibenden Drill lag mein erster Rapfen im Kescher. Seitdem bin ich diesem Fisch hoffnungslos verfallen.
Blitzartige Bisse, abgebrochene Tauchschaufeln, aufgebogene oder komplett gebrochene Haken - das ist beim Rapfenangeln einfach Alltag und macht den ganzen Spaß erst aus. Wer sich mit diesen Kraftpaketen messen will, sollte wirklich gut vorbereitet sein. Wann, wo und mit welchen Ködern Du erfolgreich sein kannst, erfährst Du hier. Viel Spaß beim Lesen!
Wissenswertes über Rapfen
Der Rapfen (Leuciscus apius) gehört zur Familie der Karpfenartigen und nimmt darin eine absolute Sonderstellung ein: Er ist der einzige Vertreter der Cypriniden - einer Familie mit rund 2.500 Arten -, der sich ausschließlich von tierischer Nahrung ernährt. Ursprünglich ist er in den großen Flüssen Mitteleuropas zu Hause, durch Besatzmaßnahmen des Menschen und seine eigene Lebensweise hat er sich jedoch inzwischen weltweit verbreitet.
Als potamodrome Wanderfische legen Rapfen gerade zur Laichzeit große Strecken in ihren Heimatgewässern zurück. Je nach Witterung fällt die Laichzeit in den Zeitraum von März bis Juni. Jungfische ernähren sich zunächst von Kleinstlebewesen, doch bereits ab einer Körperlänge von vier Zentimetern stehen fast ausschließlich kleine Fische auf dem Speiseplan. Mit zunehmendem Alter werden die Jagdverbände kleiner. Mit vier bis fünf Jahren gelten Rapfen als geschlechtsreif. Da sich ihre Laichzeit mit der anderer Weißfische überschneiden kann, sind Hybridformen keine Seltenheit. Rapfen können bis zu einem Meter lang und rund zehn Kilogramm schwer werden, ihr maximales Alter wird auf etwa 15 Jahre geschätzt.

Rapfen sind Weißfische, die wegen ihrer enormen Schnellkraft auch als Süßwassertorpedos bezeichnet werden
Optische Merkmale
- Großes, zahnloses und oberständiges Maul
- Spitze Kopfform
- Eingebuchtete, sichelförmige Schwanzflosse
- Färbung je nach Gewässer von gräulich bis oliv
- Flanken meist silbrig
- Fast weiß gefärbter Bauch
Spotwahl
Ob Süß- oder Brackwasser - Rapfen sind überall dort zu Hause, wo fließendes Wasser vorhanden ist. Durch Besatzmaßnahmen trifft man sie vereinzelt auch in Seen an. Grundsätzlich lohnt es sich, Stellen mit Strömungsveränderungen zu suchen: Wehre, Brückenpfeiler, Wasserfälle, Buhnenspitzen und Ausläufe sind klassische Hotspots. Weißes, schaumiges Wasser ist dabei so gut wie das ganze Jahr über ein verlässliches Zeichen.
Je ruhiger die Wasseroberfläche, desto schwieriger lässt sich ein Rapfen überlisten.
Genau deshalb sind Rapfen in Seen oft so schwer zu fangen. Sauerstoffreiches Wasser übt auf sie eine magische Anziehungskraft aus - das gilt es zu finden.
Gute Rapfenköder
Im Sommer empfehle ich, mit Topwaterködern oder flachlaufenden Wobblern und Jerkbaits zu starten. Wenn das keine Reaktion bringt, arbeite ich mich systematisch von oben nach unten durch die Wassersäule.
Die Reihenfolge:
- Topwaterköder
- Flachlaufende Wobbler und Jerks
- Tiefer laufende Wobbler, Rattlebaits und Zikaden
- Jigspinner, Gummifische am Bleikopf oder am Finessrig
Entscheidend dabei ist, aufmerksam zu sein. Beobachte, welche Größe die Brutfische im Gewässer haben, und passe Deinen Köder entsprechend an. Im Winter greife ich ausschließlich zu tieflaufenden Ködern, die ich direkt am Grund führe.
Oberflächenköder
Es gibt Tage, an denen Rapfen auf absolut nichts anderes reagieren als auf Stickbait, Popper und Konsorten. Genauso gibt es aber auch Tage, an denen sie diese Köder komplett ignorieren. Wichtig: Verkrampfe Dich nicht dabei, den Köder makellos gleichmäßig zu führen. Geschwindigkeit ist hier das entscheidende Element - nicht der perfekte Ködergang. Also: Vollgas! Gerade im Sommer sind Topwaterköder definitiv am erfolgversprechendsten.

Im Sommer fängt man Rapfen meist an oder knapp unter der Oberfläche
Wobbler und Cranks
Der Großteil meiner gefangenen Rapfen geht auf das Konto von Wobblern - egal ob sinkend oder schwebend, flach oder tief laufend. Mit einem Wobbler bist Du extrem flexibel und kannst verschiedene Wassertiefen systematisch absuchen. Ich setze dabei auf Qualität!
Gerade beim Rapfenangeln zeigt sich gnadenlos, welcher Köder wirklich taugt und welcher nicht.
Nicht jeder Köder hält hohen Einholgeschwindigkeiten stand - viele brechen seitlich aus oder überschlagen sich. Köder mit einem eingebauten Weight-Transfer-System sind hier klar im Vorteil: Das eingebaute Gewicht wandert beim Wurf nach hinten, stabilisiert den Köder und bringt deutlich mehr Wurfweite. Mit solchen Modellen bist Du das ganze Jahr über gut aufgestellt.
Jerkbaits
Hier kommen natürlich nicht die wuchtigen Jerks aus der Hechtangelei zum Einsatz, sondern kleinere Modelle. Kleine Jerkbaits sind hervorragende Wurfgeschosse, die schnell eingekurbelt eine verführerische S-Linie ziehen. Trotz des gleichmäßigen Laufs erzeugen sie ordentlich Druck im Wasser - genau das reizt den Rapfen zum Anbiss. Durch verschiedene Ausführungen lässt sich die Lauftiefe auch beim Jerkbait variieren.
Wenn es auf Wurfweite ankommt, kommt bei mir ein Jerkbait dran.
Ja, das reimt sich tatsächlich :)
Rattlebaits und Zikaden
Diese beiden Ködertypen fasse ich bewusst zusammen, weil sich ihr Lauf und die Präsentationsmöglichkeiten stark ähneln. Im Winter eignen sie sich hervorragend zum langsamen „Faulenzen" oder sogar zum vertikalen Fischen. Selbst bei eiskalten Wassertemperaturen reizt ihre Vibration den Rapfen zum Anbiss - dafür sind diese aggressiven Köder wie gemacht. Aber auch im Sommer können sie die Wende bringen, wenn sonst nichts läuft. Lass sie auf den Grund sinken und führe sie dann mit hoher Geschwindigkeit durch die komplette Wassersäule nach oben - das lockt oft noch den einen oder anderen Fisch aus der Reserve.
Heavy Metal: Spinner, Blinker und Co.
Viele Angler haben ihre ersten Rapfenerfahrungen mit dem Spinner gemacht. Er fängt Rapfen, aber selten die wirklich großen Exemplare. Die Wurfweiten halten sich ebenfalls in Grenzen, weshalb ich ihn eher selten einsetze.
Blinker hingegen mag ich sehr. Schnell geführt laufen sie extrem aggressiv und lassen sich prima auf Weite werfen - ein klarer Pluspunkt.
Jigspinner werden im Fachhandel oft als Wunderwaffe für den Rapfen angepriesen. Ich halte sie für leicht überbewertet, aber sie lassen sich weit werfen und in allen Wassertiefen präsentieren - das spricht immerhin für sie.
Gummifische
Ich setze Gummifische beim Rapfenangeln ausschließlich im Winter ein, obwohl es durchaus Angler gibt, die damit ganzjährig Erfolg haben. Bei kalten Wassertemperaturen kann man mit sehr aktionsreichen Ködern an schweren Bleiköpfen ganz normal auf Rapfen jiggen - etwas anders als beim Zanderangeln. Im Sommer kann ein weightless (gewichtslos) über die Oberfläche geschlitterter Gummifisch aber ebenfalls zur echten Waffe werden. Einfach ausprobieren!
Meerforellenköder
Spöket, Nordic Seeker und ähnliche Modelle sind eine sehr sinnvolle Ergänzung im Rapfen-Köderkasten. Der größte Trumpf dieser Köder ist die Wurfweite. Wenn ich Spots mit großen offenen Wasserflächen befische, greife ich daher regelmäßig in meine Meereforeellen-Box. Streamer am Spirolino oder an der Fliegenrute gefischt bringen ebenfalls regelmäßig stattliche Rapfen ans Ufer.
Tonis Top 5 zum Rapfenangeln (schwierige Entscheidung)
- Savage Gear Crucian Crank
- Illex Squad Minnow
- River2Sea Rover
- Salmo Slider Jerkbait
- Freiwild Köder Blanker Hans
Anwendungshinweis
Bevor Du das erste Mal gezielt auf Rapfen gehst, lohnt sich ein kurzer Check Deines kompletten Setups zuhause. Kontrolliere alle Drillinge auf Schärfe und Biegeresistenz - weiche oder stumpfe Haken verlierst Du beim ersten brutalen Rapfenbiss garantiert. Tausch sie im Zweifel aus, bevor Du am Wasser stehst. Gerade bei Wobblern solltest Du außerdem alle Ösen und Verbindungsglieder auf Festigkeit prüfen. Rapfen machen dabei keinen Spaß und nehmen keine Rücksicht auf schwaches Material. Wer hier auf Qualität setzt, hat beim Drill einfach die besseren Karten. Das Team von hechtundbarsch.at hilft Dir bei der Auswahl des richtigen Materials gerne weiter.
Rute
Das Gerät muss beim Rapfenangeln wirklich optimal abgestimmt sein. Rapfen entfalten beim Biss explosionsartig extreme Kräfte. Gibt es Schwachstellen im Gerät, riskierst Du nicht nur den Fisch, sondern im schlimmsten Fall auch Deinen Rutenbruch. Rapfen lauern an ihren Standplätzen auf Beute, attackieren blitzschnell und kehren sofort wieder an ihren Platz zurück - alles eine Frage von Zehntelsekunden. Genau das macht die Bisse so wuchtig.
Um diese Schläge gut abzufedern, verwende ich Ruten mit einer durchgehenden oder zumindest halbdurchgehenden Aktion und einem maximalen Wurfgewicht von 30 Gramm. Die Rutenlänge richtet sich nach dem Gewässer: An großen Strömen wie der Elbe kommen Ruten von 2,40 bis 2,70 m zum Einsatz. An meinen heimischen kleineren Flüssen bewege ich mich zwischen 2,20 und 2,55 m.
Selbst vom Bellyboot oder Boot aus greife ich ausnahmslos zu Ruten über 2,20 m. Rapfen haben enorme Kraft und versuchen gerne, unter dem Boot oder zwischen den Bellybootflossen Schutz zu suchen. Mit einer längeren Rute kannst Du sie wirkungsvoll auf Abstand halten. Nur wenn ich einen ganzen Tag ausschließlich mit Oberflächenködern fische, weiche ich auf eine kürzere Rute aus - das Topwatern mit langen Ruten ist auf Dauer schlicht ermüdend.
Rolle
Als Rolle empfehlen sich Modelle der Größe 2500 bis 4000, die zudem eine hohe Übersetzung mitbringen sollten. Eine größere Rolle macht das schnelle Einholen des Köders deutlich leichter und ermöglicht Dir, länger ermüdungsfrei zu angeln. Die Bremse lasse ich immer leicht geöffnet, damit der Fisch nach dem Biss sofort Schnur nehmen kann. Ein aktives Anschlagen ist beim Rapfen übrigens nicht nötig - er hakt sich in aller Regel selbst.
Vorfach & Schnur
Als Hauptschnur kommen dünne geflochtene Schnüre zum Einsatz. Je nach Ködergröße wähle ich Stärken zwischen 0,10 und 0,15 mm. Als Vorfach ist Fluorocarbon mit mindestens 0,30 mm Durchmesser Pflicht - alles darunter wird Dir ein Rapfen bei einem Fehler gnadenlos sprengen.
Die Landung
Zum Abschluss möchte ich Dir noch ein paar wichtige Hinweise zur richtigen Landung mitgeben. In Zeitschriften und Videos sieht man immer wieder Angler, die Rapfen mit dem Kiemengriff landen und präsentieren. Das ist falsch und schadet dem Fisch erheblich! Rapfen haben am Ende des Kiemendeckels eine dünne Haut, die fast bis zum Unterkiefer reicht. Greifst Du dort zu, reißt diese Haut - mit möglichen Folgen wie Verpilzung oder bakteriellen Infektionen, an denen viele Fische elend verenden. Das gilt übrigens auch für andere zahnlose Räuber wie Döbel und Aland.
Rapfenangler sollten daher immer einen Kescher und/oder den Schwanzwurzelgriff verwenden.
Wer noch ein bisschen Rapfenaction in Bewegtbild sehen möchte, kann sich gerne das folgende Video ansehen (Rapfenaction ab Minute 13:13):
Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir einen echten Mehrwert gebracht und Dich neugierig gemacht, es selbst mal gezielt auf die Süßwassertorpedos zu versuchen. Geh keine Kompromisse beim Gerät ein, bleib am Wasser flexibel - dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei Dir gewaltig einschlägt!
Petri Heil und tight Lines
Toni vom Team hechtundbarsch.at


























