Rapfenangeln: So klappt der Fang! - HechtundBarsch.de

Rapfenangeln: Alles, was Du für den Fang des Süßwassertorpedos wissen musst

Topwater-Angeln: Das 1x1 für spektakuläre Attacken an der Oberfläche Du liest Rapfenangeln: Alles, was Du für den Fang des Süßwassertorpedos wissen musst 10 Minuten Weiter Heavy Cover: Raubfische aus dem dichten Kraut holen

Ein Blogbeitrag von Teamangler Toni Wittbrodt:

Seit rund sechs Jahren hat mich kein anderer Fisch so in seinen Bann gezogen wie der Rapfen. Vor einigen Jahren noch als unliebsamer Beifang abgetan, hat er sich längst eine treue Fangemeinde erarbeitet, die es gezielt auf diese Torpedos abgesehen hat. Als Jugendlicher habe ich ihm kaum Beachtung geschenkt. Klar, ab und zu tauchte ein Rapfen an der Oberfläche auf, aber auf meine Köder hat er so gut wie nie reagiert. Der Grund dafür ist eigentlich simpel: Ich hab den falschen Köder, am falschen Spot, mit viel zu wenig Tempo angeboten. Rapfen sehen ausgezeichnet, erreichen enorme Geschwindigkeiten und stellen ihrer Beute genau so nach. Meinen allerersten Rapfen habe ich beim Hechtangeln in einem Altarm der Peene erwischt. Ich wollte eigentlich einen jagenden Hecht direkt anwerfen und habe meinen Gummifisch deshalb mit Vollgas aus dem Wasser gerissen. BÄÄÄM! Diesen Einschlag werde ich mein Anglerleben lang nicht vergessen. Nach einem aufregenden Drill lag er dann vor mir. Seitdem bin ich hoffnungslos süchtig nach diesem Fisch.

Brutale Einschläge, abgebrochene Tauchschaufeln an Wobblern, aufgebogene oder sogar gebrochene Haken - das gehört beim Rapfenangeln einfach dazu und macht den ganzen Reiz dieser Angelmethode aus. Wer es mit diesen Kraftpaketen aufnehmen will, sollte wirklich gut vorbereitet sein. Wann, wo und womit Du erfolgreich sein kannst, erfährst Du in den folgenden Abschnitten. Viel Spaß!

Wissenswertes über Rapfen

Der Rapfen (Leuciscus apius) gehört zur Familie der Karpfenartigen und ist deren einziger Vertreter, der sich ausschließlich von tierischer Nahrung ernährt. Das macht ihn innerhalb der Cypriniden, die rund 2.500 Arten umfassen, zu einem echten Sonderling. Ursprünglich sind die großen Flüsse Mitteleuropas seine Heimat, heute ist er durch Besatzmaßnahmen des Menschen auf der ganzen Welt verbreitet - seine Lebensweise trägt ebenfalls dazu bei.

Rapfen sind potamodrome Wanderfische, die besonders zur Laichzeit große Strecken in ihren Heimatgewässern zurücklegen. Je nach Wetterlage fällt die Laichzeit zwischen März und Juni. Jungfische ernähren sich zunächst von Kleinstlebewesen, wechseln aber bereits ab einer Körperlänge von etwa 4 cm fast vollständig auf kleine Fische um. Mit zunehmender Größe werden die Jagdverbände kleiner. Mit 4 bis 5 Jahren gelten Rapfen als geschlechtsreif. Da sich ihre Laichzeit oft mit der anderer Weißfische überschneidet, sind gelegentlich auch Hybridformen anzutreffen. Rapfen können bis zu einem Meter lang und rund 10 kg schwer werden. Ihr maximales Alter wird auf etwa 15 Jahre geschätzt.

Toni mit Rapfen: Süßwassertorpedo

Rapfen sind Weißfische, die wegen ihrer enormen Schnellkraft auch als Süßwassertorpedos bezeichnet werden

Optische Merkmale

  • Großes, zahnloses und oberständiges Maul
  • Spitze Kopfform
  • Eingebuchtete, sichelförmige Schwanzflosse
  • Färbung je nach Gewässer von gräulich bis oliv
  • Flanken meist silbrig
  • Fast weiß gefärbter Bauch

Spotwahl

Ob Süß- oder Brackwasser: Rapfen fühlen sich überall wohl, wo es fließendes Wasser gibt. Durch Besatzmaßnahmen trifft man sie mittlerweile auch in Seen an. Die besten Spots sind dort, wo sich Strömungsverhältnisse verändern - also an Wehren, Brücken, Pfeilern, Wasserfällen, Buhnenspitzen und Ausläufen. Weißes, schaumiges Wasser ist nahezu jahreszeitenunabhängig ein echter Hotspot beim Rapfenfischen.

Je ruhiger die Wasseroberfläche, desto schwieriger lassen sich Rapfen überlisten.

Genau deshalb sind sie in Seen besonders knifflig zu fangen. Sauerstoffreiches Wasser zieht Rapfen magisch an - das gilt es zu finden.

Gute Rapfenköder

Im Sommer empfehle ich, mit Topwaterbaits oder flachlaufenden Wobblern und Jerkbaits einzusteigen. Bleiben die Bisse aus, arbeite ich mich von oben nach unten durch die Wassersäule.

Soll heißen:

  1. Topwaterbaits
  2. Flachlaufende Wobbler und Jerks
  3. Tiefer laufende Wobbler, Rattlebaits und Zikaden
  4. Jigspinner, Gummifische am Bleikopf oder am Finessrig

Entscheidend dabei: Sei aufmerksam am Wasser. Schau Dir die Größe der Brutfische genau an und pass Deinen Köder entsprechend an. Im Winter setze ich ausschließlich auf tieflaufende Köder direkt am Grund.

Oberflächenköder

Es gibt Tage, an denen die Rapfen auf nichts anderes als Stickbait, Popper und Co. reagieren. Genauso gibt es aber Tage, an denen sie diese Köder komplett ignorieren. Das Wichtigste dabei: Verkrampf nicht beim Versuch, den Stickbait oder Popper perfekt und gleichmäßig laufen zu lassen. Geschwindigkeit schlägt hier den idealen Lauf bei Weitem. Also: Vollgas! Im Sommer sind Topwaterbaits klar die erfolgversprechendste Wahl.

Im Sommer fängt man Rapfen meist an oder knapp unter der Oberfläche

Im Sommer fängt man Rapfen meist an oder knapp unter der Oberfläche

Wobbler und Cranks

Der Großteil meiner gefangenen Rapfen geht auf das Konto von Wobblern - ob sinkend oder schwebend, tief- oder flachlaufend. Mit dem Wobbler lässt sich die Wassertiefe flexibel variieren. Ich setze dabei konsequent auf Qualität!

Beim Rapfenangeln zeigt sich schnell, welcher Köder wirklich was taugt und welcher nicht.

Nicht jeder Köder hält hohe Einholgeschwindigkeiten stand - viele brechen seitlich aus oder überschlagen sich sogar. Köder mit einem eingebauten „weight-transfer-system" sind hier klar im Vorteil. Das eingebaute Gewicht wandert beim Wurf nach hinten und stabilisiert den Köder, was gleichzeitig für deutlich mehr Wurfweite sorgt. Mit solchen Modellen kannst Du das ganze Jahr über erfolgreich sein.

Jerkbaits

Hier sind natürlich nicht die großen Jerks aus der Hechtangelei gemeint, sondern kleinere Modelle. Kleine Jerks sind hervorragende Wurfgeschosse, die schnell eingekurbelt eine verführerische S-Linie zeichnen. Trotz des gleichmäßigen Laufs erzeugen sie erheblichen Druck im Wasser, was den Rapfen zum Anbiss provoziert. Über unterschiedliche Ausführungen lässt sich auch bei Jerks die Lauftiefe gezielt steuern.

Kommt es auf die Weite an, kommt bei mir ein Jerkbait dran.

Oh, das reimt sich :)

Rattlebaits und Zikaden

Diese beiden Ködertypen fasse ich bewusst zusammen, weil Laufverhalten und Präsentationsmöglichkeiten sehr ähnlich sind. Im Winter lassen sich beide gut „faulenzen" oder sogar vertikal fischen. Selbst bei eiskalten Wassertemperaturen reizt ihre Bewegung den Rapfen zum Zupacken - dafür sind sie geradezu ideal. Aber auch im Sommer können sie die Wende bringen, wenn mal gar nichts laufen will. Lässt man sie auf den Grund sinken und führt sie dann mit Tempo durch die gesamte Wassersäule nach oben, holt das meist noch den ein oder anderen Fisch aus der Reserve.

Heavy Metal: Spinner, Blinker und Co.

Viele Angler haben mit Spinnern ihre ersten Rapfenerfahrungen gesammelt. Spinner fangen Rapfen, aber selten die wirklich großen Exemplare. Die Wurfweiten sind außerdem nicht berauschend, weshalb ich diesen Köder eher selten einsetze.

Blinker dagegen nutze ich sehr gerne. Schnell geführt laufen sie extrem aggressiv und lassen sich weit werfen. Dazu sind sie vergleichsweise günstig zu haben.

Jigspinner werden in vielen Shops als absolute Wunderwaffe für Rapfen angepriesen. Meiner Meinung nach sind sie leicht überbewertet - sie lassen sich aber dennoch weit werfen und in allen Wassertiefen präsentieren, was durchaus für sie spricht.

Gummifische

Ich greife bei Rapfen nur im Winter zu Gummifischen, obwohl es durchaus Angler gibt, die damit das ganze Jahr über erfolgreich sind. Sie bieten enorm viel kreativen Spielraum. Bei kalten Wassertemperaturen lässt sich ganz normal auf Rapfen jiggen - dabei kommen sehr aktionsreiche Köder mit schweren Bleiköpfen zum Einsatz, etwas anders als etwa beim Zanderangeln. Im Sommer kann ein Gummifisch, der „weightless" (also ohne Gewicht) über die Oberfläche geschlittert wird, aber zur echten Waffe werden. Ausprobieren ist hier die Devise!

Meerforellenköder

Spöket, Nordic Seeker und Co. sind eine klasse Ergänzung zu klassischen Rapfenködern. Der größte Vorteil liegt in der Wurfweite. Gerade wenn ich Spots mit großen Wasserflächen befische, greife ich gerne in die Meefobox. Streamer - am Spirolino oder an der Fliegenrute präsentiert - bringen aber ebenfalls regelmäßig starke Rapfen an den Haken.

Tonis Top 5 zum Rapfenangeln (schwierige Entscheidung)

    • Savage Gear Crucian Crank
    • Illex Squad Minnow
    • River2Sea Rover
    • Salmo Slider Jerkbait
    • Freiwild Köder Blanker Hans

Rute

Das Gerät muss beim Rapfenangeln wirklich perfekt aufeinander abgestimmt sein. Rapfen entfalten explosionsartig extreme Kräfte. Passt hier irgendetwas nicht zusammen, riskierst Du Fischverlust oder schlimmstenfalls einen Rutenbruch. Rapfen lauern an bestimmten Stellen auf ihre Beute, schlagen blitzartig zu und kehren sofort an ihren Standort zurück. Das alles spielt sich in Zehntelsekunden ab - und genau das macht die Bisse so brutal!

Um den Rapfen beim Biss gut abzufedern, nutze ich Ruten mit einer durchgehenden oder zumindest halbdurchgehenden Aktion und einem maximalen Wurfgewicht von 30 Gramm. Die passende Rutenlänge hängt natürlich vom Gewässer ab. An einem großen Strom wie der Elbe sind Ruten zwischen 2,40 und 2,70 m sinnvoll, an kleineren Flüssen arbeite ich mit Längen zwischen 2,20 und 2,55 m.

Auch vom Bellyboot oder Boot aus setze ich ausschließlich auf Ruten über 2,20 m. Rapfen haben ordentlich Kraft und versuchen gerne, unter dem Boot oder zwischen den Bellybootflossen Schutz zu suchen. Mit einer längeren Rute kannst Du sie deutlich besser auf Distanz halten. Nur wenn ich den ganzen Tag ausschließlich Oberflächenköder fische, greife ich zu einer kürzeren Rute - das Topwatern mit langen Modellen wird auf Dauer schlicht zu ermüdend.

Rolle

Als Rolle empfehlen sich Modelle der Größe 2500 bis 4000 mit einer möglichst hohen Übersetzung. Größere Rollen erleichtern das schnelle Einholen des Köders spürbar und sorgen dafür, dass Du den langen Angeltag ermüdungsfreier durchstehst. Die Bremse stelle ich immer leicht geöffnet ein, damit der Fisch nach dem Biss sofort Schnur nehmen kann. Ein aktives Anschlagen ist beim Rapfen übrigens nicht nötig - in der Regel haken sich diese Fische von selbst.

Vorfach & Schnur

Als Hauptschnur kommen dünne geflochtene Schnüre zum Einsatz. Je nach Ködergröße wähle ich Stärken zwischen 0,10 und 0,15 mm. Als Vorfachmaterial ist Fluorocarbon mit mindestens 0,30 mm Stärke Pflicht - alles, was dünner ist, wird bei einem Fehler des Anglers regelrecht gesprengt.

Die Landung

Zum Abschluss noch ein paar wichtige Worte zur richtigen Landung. In zahlreichen Fachzeitschriften und Videos sieht man immer wieder Angler, die Rapfen per Kiemengriff landen und präsentieren. Das schadet dem Fisch erheblich! Rapfen haben am Ende des Kiemendeckels eine dünne Haut, die fast bis an den Unterkiefer reicht. Greifst Du dort zu, reißt diese Haut - mit der Folge von Verpilzungen oder bakteriellen Infektionen, an denen viele Fische jämmerlich eingehen. Dieser Hinweis gilt übrigens auch für andere zahnlose Räuber wie Döbel und Aland.

Rapfenangler sollten daher immer einen Kescher und/oder den Schwanzwurzelgriff verwenden.

Wer noch ein paar bewegte Bilder zur Faszination Rapfenangeln sehen möchte, kann sich gerne das folgende Video anschauen (Rapfenaction ab Minute 13:13):

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Beitrag einiges an nützlichem Wissen mitgeben und Dich dazu animieren, es auch mal gezielt auf die Süßwassertorpedos zu versuchen. Geh keine Kompromisse beim Gerät ein, bleib flexibel am Wasser - dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei Dir gewaltig einschlägt!

Petri Heil und tight Lines

Toni vom Team hechtundbarsch.at

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