Topwater Angeln - HechtundBarsch.de

Topwater-Angeln: Alles, was Du wissen musst

Topwater-Angeln gehört für mich zu den aufregendsten Arten, wie man einen Köder durch das Wasser bewegen kann – oder besser gesagt: über das Wasser. Wer einmal eine explosive Attacke an der Oberfläche erlebt hat, fragt sich unweigerlich, warum er nicht viel früher damit angefangen hat. Das Besondere dabei: Selbst Fehlbisse bleiben als spektakuläre Momente im Gedächtnis. In diesem Artikel teile ich meine gesammelten Erfahrungen rund ums Topwater-Angeln – welche Köder sich wirklich lohnen, welche Schnur passt und welche kleinen Kniffe den Unterschied machen. Ich freue mich natürlich über Ergänzungen und eigene Erfahrungen in den Kommentaren!

Zielfische: Was für Fische kann man auf Topwater fangen?

Folgende Zielfische konnte ich besonders erfolgreich an der Oberfläche beangeln:

  • Rapfen
  • Barsch
  • Hecht

Grundsätzlich lassen sich auch Döbel und Forelle gut an der Oberfläche überlisten – meine persönlichen Erfolge halten sich hier aber in Grenzen, was sicher auch mit der Gewässerwahl zusammenhängt.

Rapfen auf Topwater

Am Fluss

Rapfen-Attacken sind schlicht unvergleichlich. Blitzschnell und aus dem Nichts – so trifft es den Angler meistens unvorbereitet. Selbst wenn der Haken nicht sitzt, kommen diese Silberpfeile oft ein zweites, drittes oder sogar viertes Mal. Das Herz bleibt dabei fast stehen. An vielen Fließgewässern – wie etwa der Stadtspree in Berlin – sind Rapfen noch gut vertreten.

Typische Hotspots: Stromschnellen, Wehre, Schleusen und Brücken – also überall, wo die Strömung anzieht. An Fließgewässern in unserer Region kann man aber eigentlich an fast jeder Ecke mit einem Rapfen rechnen.

Rapfen Streetfishing

Daniels Rapfen vom Streetfishing

Am See

Rapfen am See? Das hatte ich lange Zeit komplett ausgeblendet. Ein Bekannter hat mich dann zu seinem Hausgewässer mitgenommen – ein See, der auf den ersten Blick eher nach Hecht schreit, aber einen erstaunlichen Rapfenbestand versteckt.

Meine Erklärung dafür: Der See hat einen kleinen Zufluss zur Spree. Irgendwann haben sich offenbar ein paar Rapfen dort hinein "verirrt" – und sind geblieben. Eine Studie zu diesem Gewässer zeigt außerdem: Im Sommer fällt der Sauerstoffgehalt ab 2 m Wassertiefe regelmäßig um 50 %, ab 4 m herrschen anaerobe Verhältnisse – kein Sauerstoff mehr im Wasser. Das drückt potenzielle Beutefische nach oben. Ideal für alle Raubfische, die nach oben jagen – allen voran der Rapfen.

Wichtig beim Rapfen:

Sehr dünndrähtige Drillinge biegen unter der Kraft der Rapfen schnell auf. Viele gute Topwater-Köder kommen ab Werk mit stabilen Drillingen – bei manchen Modellen solltest Du aber nachrüsten.

Meine Köderwahl beim Rapfen: Stickbaits mit Walk-the-Dog-Aktion und einer Länge von 5-10 cm. Zu Beginn der Saison eher kleiner, im Laufe des Jahres größer – analog zur Entwicklung des Brutfischs. Popper laufen bei mir auf Rapfen weniger gut, aber das ist sicher Geschmackssache.

Barsch auf Topwater

Es gibt kaum etwas Unterhaltsameres, als Barsche zu beobachten, die in wilden Kolonnen hinter einem Oberflächenköder herjagen. Barsche "schlürfen" den Köder oft von oben weg, manchmal kommen sie aber auch mit voller Geschwindigkeit und knallen richtig rein – ein Traum. Köder zwischen 5-10 cm mit Walk-the-Dog-Aktion funktionieren hier am besten, wobei Du etwas langsamer führen solltest als beim Rapfen. Zu hohes Tempo führt dazu, dass die Barsche den Köder schlicht verfehlen und die Hakenquote sinkt. Popper sind eine gute Alternative, wenn Du diese Art der Führung magst.

Barsch beim Oberflächenangeln

Hecht auf Topwater

Wenn ein Hecht sich senkrecht aus dem Wasser schraubt und nach dem Köder greift, bleibt einem buchstäblich die Luft weg. Hechte greifen kraftvoll an, weshalb auch Köder deutlich über 10 cm problemlos funktionieren. Gerade die sogenannten "Real-Topwater-Baits" liegen im Trend – ein Beispiel wäre die 3D Suicide Duck von Savage Gear. Auch Frosch-Köder wie der River2Sea Spittin' Wa (eine Art Mix aus Frosch und Popper) funktionieren auf Hecht hervorragend. Der Vorteil: Die Haken liegen so eng am Körper an, dass Du diese Köder verlustfrei durch dichtes Kraut oder Seerosen führen kannst.

Der Haken dabei: Das Timing beim Anschlag muss sehr präzise sein, sonst ist die Fehlbissquote hoch. Aber wer einmal so eine Attacke gesehen hat, nimmt das gerne in Kauf.

Tipp: Barbless-Hooks / Drillinge ohne Widerhaken

Selbst kleine Barsche haben offenbar keine Scheu vor großen Ködern. Das führt dazu, dass der Drilling häufig von außen hakt – oft gefährlich nah am Auge. Umgekehrt schlucken Barsche bei zu kleinen Ködern diese gern tief, was das Abhaken zur echten Geduldsprobe macht. Beides ist alles andere als ideal. Ich habe deshalb fast alle meine Oberflächenköder auf Drillinge ohne Widerhaken umgestellt.

Anfangs hatte ich Bedenken, dass sich das Laufverhalten der Köder verändern könnte – vor allem bei normalen Twitchbaits. Die Lösung war denkbar einfach: Ich habe sämtliche Drillinggrößen und -stärken bestellt und mit einer Feinwaage den jeweils gewichtsgleichen Ersatz ermittelt. Nach 3-4 Monaten praktischer Erfahrung kann ich sagen: Die Verlustquote ist nicht spürbar gestiegen.

Zusätzlicher Vorteil: Das eigene Verletzungsrisiko sinkt deutlich. Kein mühsames Durchdrücken des Hakens mehr – einfach rausziehen, fertig.

Barbless Haken Topwater

Umrüsten der Drillinge mit Feinwaage

Köder

Die Auswahl an Topwater-Ködern ist riesig. Hier ein Überblick über die wichtigsten Typen.

Stickbaits

Der Allrounder schlechthin. Walk-the-Dog bedeutet: Du schlägst mit der Rute leichte, rhythmische Schläge ein und der Köder zieht einen Zickzack-Kurs über die Oberfläche. Über Frequenz und Intensität der Schläge sowie die Einholgeschwindigkeit kannst Du das Laufverhalten komplett steuern – von "fast auf der Stelle" bis hin zu einem Tempo, bei dem der Köder förmlich über das Wasser fliegt. Letzteres ist häufig der Schlüsselreiz für Rapfen. Bei Barschen gilt: langsamer ist meistens mehr, weil sie sonst schlicht am Köder vorbeischießen.

Ein großer Pluspunkt von Stickbaits: Die meisten lassen sich weit werfen. Keine Tauchschaufel, dazu oft ein eingebautes Balance-Weight-System – das macht enorme Wurfweiten möglich.

Popper

Leicht zu erkennen an der konkav geformten Nase, die beim richtigen Einsetzen ein charakteristisches Ploppen erzeugt. Wie schnell Du einen Popper führen kannst, hängt stark vom jeweiligen Modell ab. Ich persönlich bevorzuge Popper, bei denen die Nase gut sichtbar ist – so erkenne ich leichter den richtigen Moment für den nächsten Rutenschlag. Mit genug Angelstunden bekommt man aber für jeden Köder ein eigenes Gefühl dafür.

Ehrlich gesagt: Ich nutze Popper selten. Maximal 5 % meiner Zeit verbringe ich damit. Ein Stickbait fühlt sich für mich in den meisten Situationen einfach besser an.

Frösche

Frösche sind die einzige Kategorie, die wirklich frustfreies Angeln in Kraut und Seerosen ermöglicht – weil die Haken eng am Körper anliegen und kaum verfangen. Für mich persönlich ausschließlich auf Hecht. Einen Frosch sollte man aber immer dabei haben, um auf solche Situationen reagieren zu können. Auf Barsch habe ich Frosch-Köder noch nicht eingesetzt – dafür wartet der Kahara Baby Diving Frog bereits in meiner Box auf seinen ersten Einsatz.

Tipp für Frösche:

Wenn die Fehlbissquote zu hoch ist, kannst Du die Haken vorsichtig 1-2 mm aufbiegen, sodass sie nicht mehr so nah am Körper anliegen.

Prop Baits

Auf den ersten Blick ähneln Prop Baits einem Stickbait – das Laufverhalten ist aber grundlegend anders. Ein oder zwei kleine Propeller (vorne, hinten oder beides) erzeugen beim Einziehen ein Geräusch und eine Unruhe im Wasser, die sich deutlich vom Zickzack-Lauf eines Stickbaits unterscheidet. Der Köder läuft dabei einfach geradeaus. Das macht den Prop Bait zur perfekten Ergänzung, wenn Walk-the-Dog mal nicht zieht. Ich habe an vielen Tagen mit geradem Laufverhalten noch Rapfen überlisten können, wenn der Stickbait komplett versagte. Ein Must-have in 2-3 Größen!

Crawler

Crawler erkennst Du sofort an den seitlichen "Armen" oder "Flügeln", die den Köder gurgelnd über die Oberfläche krabbeln lassen. Das erzeugt leichte Platschgeräusche, die Raubfische neugierig machen sollen. Der Nachteil: Die meisten Modelle lassen sich schlecht werfen, die Wurfweite bleibt begrenzt.

Splash Baits und weitere Köder

Splash Baits vereinen Elemente von Popper und Stickbait in einem Köder. Das genaue Laufverhalten und Ploppen variiert stark je nach Modell. Sehr spannend – und in den USA total gehyped – ist der River2Sea Whopper Plopper. Eine Einordnung fällt schwer: kein klassischer Prop-Bait, kein Splash-Bait. Eine Kategorie für sich. Ebenfalls interessant ist der River2Sea Double Plopper, eine Art Topwater-Spinnerbait in der Kategorie Buzz Bait – den Praxistest steht bei mir aber noch aus.

Farbe der Köder

Meine ehrliche Einschätzung: Das aufwendige Design und die Farbgebung eines Topwater-Köders sind zu 90 % für den Angler gemacht – nicht für den Fisch. Reines Marketing. Die meisten Köder haben eine detaillierte Oberseite und eine schlichte weiße oder graue Unterseite. Stickbaits flanken beim Walk-the-Dog, wodurch die Unterseite immerhin öfter sichtbar wird. Interessant: In amerikanischen Videos werden Topwater-Köder sehr häufig mit schwarzer Unterseite eingesetzt (z.B. der River2Sea Whopper Plopper in "Yellow Head" oder der River2Sea Rover 98 in derselben Farbe). Der Kontrast für den Fisch dürfte hier am größten sein.

Beim Topwatern ist die Farbe weniger entscheidend als z.B. beim Gummifisch. Mach dir darüber nicht zu viele Gedanken.

Lautstärke / Geräusche

Stickbaits gibt es in allen Lautstärke-Varianten: von sehr auffälligem Rasseln (z.B. Illex Bonnie) über dezentes Klacken (z.B. Duo Realis Pencil 85) bis hin zu komplett geräuschlos (z.B. Megabass Dog X Speed Slide).

Folgende Beobachtung könnte Einbildung sein – aber sie lässt mich nicht los, und auch mein Angelkollege Ronny, mit dem ich viele Stunden Topwater-Erfahrung geteilt habe, sieht das ähnlich: An lauten Berliner Brücken mit starkem PKW-Verkehr läuft der Illex Bonnie deutlich besser als die leisen Megabass-Modelle. Ob Zufall oder nicht – beachtenswert ist es allemal.

Von Livingston gibt es außerdem Köder, die über eine eingebaute Batterie und einen Miniatur-Lautsprecher Insektengeräusche imitieren. Praktische Erfahrung habe ich damit noch keine, aber ein Modell wartet bereits in meiner Köderbox auf seinen Einsatz. Der River2Sea Whopper Plopper erzeugt sein Geräusch übrigens über eine drehende Schaufel – ein natürliches, organisches Klang-Erlebnis, das sich angenehm von mechanischen Rasseln unterscheidet.

Mein Tipp: Von jeder Lautstärke-Kategorie sollte mindestens ein Köder in der Box sein – laut, mittel und silent.

Schnur

Eine Zeit lang habe ich ausschließlich mit Fluorocarbon geangelt – ohne große Probleme. Inzwischen setze ich aber meistens auf stinknormales Mono. Der Grund ist simpel: Fluorocarbon sinkt schnell, Mono hingegen kaum oder gar nicht. Beim Fluoro entsteht ein Schnurbogen nach unten, was in seltenen Fällen dazu führt, dass sich die Drillinge in der Schnur verfangen – besonders bei langsamer, lockerer Führung. Außerdem zieht das Fluoro die Nase des Köders leicht nach unten, was gerade bei leichten Modellen wie dem Illex Chubby Pencil spürbar wird. Bei weiten Würfen werden die Twitches außerdem stark gedämpft, wenn viel Schnur unter Wasser hängt – ein sauberes Walk-the-Dog ist dann kaum möglich. Abhilfe: ein langes Mono-Vorfach und die Rute beim Führen etwas höher halten.

Beim Hechtangeln wechsle ich aber auf dickes Fluorocarbon, weil Mono durch Hechtzähne deutlich schneller beschädigt wird. Stahlvorfächer sind für mich keine Option – ihr Gewicht beeinflusst das Laufverhalten zu stark.

Eine weitere Option wäre "Strike Wire Stinger Baid". Ich habe damals versucht, dieses Material zu besorgen – ohne Erfolg, da es in Deutschland nicht erhältlich war. Es soll ähnlich robust wie ein Stahlvorfach sein, dabei aber den Köder kaum beeinflussen. Wer damit Erfahrungen gemacht hat, gern ab in die Kommentare!

Kurzfassung Schnurwahl:

  • Barsch und Rapfen: Mono
  • Hecht: Fluoro

Knoten oder Snap

In den USA wird beim Hardbaits-Angeln gern der Rapala-Knoten eingesetzt. Mehr Spielraum für den Köder, kein zusätzliches Gewicht – die Theorie klingt gut. In der Praxis ist das Wechseln des Köders aber eine echte Nervenprobe. Wer wie die amerikanischen Bootangler zehn fertig gemontierte Ruten dabei hat, kommt damit klar. Für den Uferangler oder Belly-Boot-Fahrer ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis aber schlicht nicht sinnvoll. Ich nutze sehr kleine, stabile Snaps – und damit fahre ich gut.

Rute

Auch bei der Rutenauswahl scheiden sich die Geister.

Ich bevorzuge Ruten, die sich gut aufladen lassen – für maximale Wurfweite und ein schönes Wurf-Feedback.

Mein Favorit für leichte Stickbaits (5-10 g) ist eine Medium-Light-Rute mit einem realen Wurfgewicht von etwa 5-15 g. Für schwerere Köder wie die Savage Gear 3D Suicide Duck oder den Illex Bonnie 128 muss es eine Nummer kräftiger sein. Entscheidend ist aber vor allem die Länge: Zwischen 180 und 220 cm ist ideal. Längere Ruten werden beim dauerhaften Twitchen zum Kraftakt für den Arm. Eine tolle Option für diesen Einsatz ist die Okuma One – kompakt, schlanker Hintergriff und damit perfekt für ermüdungsfreies Twitchen. Mein Rat: Greif zur leichtesten Variante (7-20 g), denn die Rute ist sehr straff und wirft locker das angegebene Gewicht.

Anwendungshinweis

Bevor Du das erste Mal mit einem neuen Topwater-Köder ans Wasser gehst, lohnt es sich, ihn kurz in einer Badewanne oder einem ruhigen Flachwasserbereich zu testen. Gerade bei Stickbaits gibt es große Unterschiede im Walk-the-Dog-Verhalten – manche Köder laufen von Beginn an sauber, andere brauchen ein paar Anpassungen am Snap oder an der Führungstechnik. So lernst Du Deinen Köder kennen, bevor Du wertvolle Zeit am Spot damit verbringst, ihn einzustellen. Wer vorbereitet ans Wasser kommt, hat schlicht mehr Bisse.

Zusammenfassung für Lesefaule

  • Zielfische: Rapfen, Barsch, Hecht, Forelle, Döbel
  • Haken: Beim Rapfen unbedingt auf stabile Drillinge achten!
  • Drillinge ohne Widerhaken: Schonen Mensch und Tier gleichzeitig
  • Köder-Typ: Stickbaits sind Allrounder; im Kraut und in Seerosen sind Frösche auf Hecht erste Wahl
  • Ködergröße: Mit 8-9 cm trifft man für fast alle Zielfische ins Schwarze
  • Balance-Weight-System: Pflicht für weite Würfe und verhindert das Vertütteln der Drillinge
  • Farbe: Eher nebensächlich; schwarze Unterseiten sind im Trend
  • Geräusche: Je ein lauter, mittellaut und stiller Köder gehören in jede Box
  • Schnur: Mono für Topwater, dickes Fluoro beim Hecht
  • Snaps: Möglichst klein und leicht halten
  • Rute: Kürzer ist besser - optimal zwischen 1,8 m und 2,2 m

Danke fürs Lesen – maximale Erfolge beim Topwatern und tight lines von hechtundbarsch.at!

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