Kann man in Deutschland ohne Angelschein angeln? - HechtundBarsch.de

Angeln in Deutschland ohne Angelschein - was ist legal möglich?

Liebe Angelgemeinde,

Vor zwölf Jahren hat mich das Leben als Golftrainer von London nach Berlin verschlagen. Dass ich damit in einem der spannendsten Angelreviere Europas gelandet war, hatte ich damals keinen blassen Schimmer. Die ersten Monate gingen drauf, um überhaupt erst einmal Fuß zu fassen und neue Menschen kennenzulernen. Und so, wie das Leben so spielt, war einer dieser neuen Bekannten natürlich ein echter Angelverrückter.

Einfach losangeln: Geht nicht

Er schwärmte mir vor, wie er jeden Wochenende Hechte, Karpfen und Zander aus Berlins Gewässern zog. Für mich klang das schlichtweg traumhaft - eine Metropole mit so einer Angelkultur? Sofort war ich Feuer und Flamme: „Beim nächsten Mal bin ich mit dabei, wann geht's los?" Seine Reaktion war alles andere als enthusiastisch. Stattdessen holte er mich mit einer nüchternen Ansage auf den Boden der deutschen Tatsachen:

„Junge, du machst erst mal deinen Angelschein. Vorher angelst du hier gar nicht, mit Schwarzangelei ist nicht zu spaßen!"

Ein Schein fürs Angeln? Der konnte mich doch auf den Arm nehmen. In meiner Heimat Simbabwe existiert so etwas schlicht und ergreifend nicht. Wer eine Angel besitzt, angelt - genauso wie, wer ein Boot hat, damit auch fährt. Ich brauchte eine Weile, um zu akzeptieren, dass er es vollkommen ernst meinte, und machte mich daraufhin schlau.

Diese Zusammenfassung richtet sich vor allem an Anfänger, Urlaubsangler und alle, die neu nach Deutschland gezogen sind, denn früher oder später kommt jeder von euch an diesem Thema nicht vorbei.

Welche Scheine gibt es?

Um in Deutschland legal an die Angel zu gehen, brauchst Du grundsätzlich zwei verschiedene Dokumente:

Fischereischein

Der Fischereischein - im Volksmund oft einfach „Angelschein" genannt - wird üblicherweise über eine bestandene Anglerprüfung und den anschließenden Gang zum zuständigen Fischereiamt erworben.

Interessant dabei: Die Prüfung muss nicht zwingend in dem Bundesland abgelegt werden, in dem Du gemeldet bist. Das kann ein echter Vorteil sein, wenn Du den in manchen Bundesländern vorgeschriebenen Vorbereitungslehrgang umgehen möchtest, um Zeit zu sparen.

In Brandenburg etwa kannst Du Dich eigenständig mit Prüfungsfragen und Übungssimulationen vorbereiten und dann direkt zur Prüfung gehen (z.B. in Potsdam). Den Fischereischein selbst lässt Du Dir dann im Fischereiamt Deines Wohnortes ausstellen (z.B. Berlin) und entrichtest dort außerdem die jährlich fällige Fischereiabgabe.

Erlaubnisschein

Der Erlaubnisschein - auch als „Angelkarte" bekannt - ist an ein bestimmtes Gewässer gebunden und zeitlich begrenzt. Angelkarten bekommst Du in Angelshops, bei Vereinen oder an weiteren Ausgabestellen. Wer für welches Gewässer die entsprechenden Karten ausgeben darf, lässt sich in der Regel schnell herausfinden. Einen guten Überblick über die Berliner Gewässer und die passenden Angelkarten bietet zum Beispiel der Blog von Angeljoe - sämtliche dort aufgeführten Karten sind bei den Jungs direkt im Laden erhältlich.

Auf der jeweiligen Angelkarte findest Du dann auch die gewässerspezifischen Regeln und Vorschriften. Wichtig zu wissen: Es gibt durchaus Gewässer, für die gar kein Erlaubnisschein erforderlich ist. An der Elbe in Hamburg beispielsweise reicht der Fischereischein allein bereits als Angelberechtiguing aus.

Voraussetzungen zum Angeln im Überblick

Die Kurzversion: Du legst einmalig die Anglerprüfung ab, lässt Dir damit den Fischereischein ausstellen, bezahlst jährlich die Fischereiabgabe und kaufst Dir für die jeweiligen Gewässer zeitlich befristete Angelkarten. Sobald Du diese Schritte hinter Dir hast, steht dem legalen Angeln nichts mehr im Weg.

Aber kommen wir zur Frage, die vor allem Einsteiger wirklich brennend interessiert:

Ist es möglich, in Deutschland legal zu angeln, ohne dafür eine Prüfung (ggf. plus Lehrgang) abzulegen?

Viele Menschen haben im Urlaub oder im Ausland erste Angelerfahrungen gesammelt und wissen schon ganz gut, ob dieses Hobby etwas für sie ist. Andere hingegen sind schlicht neugierig, wollen aber erst einmal reinschnuppern, bevor sie größere Schritte unternehmen. Die rechtliche Lage in Deutschland macht ein einfaches „Ausprobieren" zwar nicht ganz leicht - aber unmöglich ist es auch nicht:

Friedfisch

In Brandenburg ist für das Angeln auf Friedfisch keine bestandene Anglerprüfung nötig. Es genügt, die jährliche Fischereiabgabe zu leisten und die passende Angelkarte für das entsprechende Gewässer zu besorgen - schon kannst Du loslegen. Wer also nicht unbedingt auf Raubfisch aus ist, hat dort eine echte Chance, erste Angelerfahrungen ganz ohne Prüfungsaufwand zu sammeln.

Forellenteich

In Baden-Württemberg und Sachsen ist das Angeln ohne Fischereischein in bewirtschafteten Teichanlagen gesetzlich nicht verboten. Es gibt dort einige sogenannte „Forellenpuffs", in denen Du das Angeln konkret ausprobieren kannst. Ob man dort direkt zur echten Angelleidenschaft findet - da bin ich ehrlich gesagt skeptisch. Mich reizt am Angeln vor allem die unberührte Natur und die Ungewissheit, die damit einhergeht.

Aber zumindest einen ersten Biss und den Drill eines Fisches kannst Du dort definitiv erleben.

Zeitlich befristete Fischereischeine

In Mecklenburg-Vorpommern (Touristenfischereischein), Schleswig-Holstein (Urlauberangelschein) und Thüringen (Vierteljahresfischereischein) gibt es zeitlich befristete Fischereischeine, für die keine Anglerprüfung verlangt wird. Beachte jedoch, dass sich nicht alle Angelkarten mit einem solchen befristeten Schein erwerben lassen.

Die jeweiligen Bedingungen erfährst Du per Klick direkt auf den entsprechenden Schein.

Für Einsteiger und Gelegenheitsurlauber lege ich Dir besonders Mecklenburg-Vorpommern ans Herz. Der Fischbestand dort ist schlicht beeindruckend. Wer gleich mit einem erfahrenen Guide starten möchte, dem kann ich aus eigener Erfahrung folgende Jungs empfehlen: René Berndt, Norman Tramnitz, Mario Prey, David Bernhardt und Fred Kotowski - mit allen war ich selbst schon mehrfach unterwegs.

Zusammenfassung

Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, sollte mittelfristig auf jeden Fall den Fischereischein angehen. In den meisten Bundesländern halten sich Aufwand und Kosten in einem Rahmen, der gemessen am Spaß, den Du am Wasser haben wirst, absolut vertretbar ist.

Was ich nach all den Jahren in Deutschland gelernt habe: Für alles gibt es eine Regel - und manchmal ergeben diese Regeln sogar überraschend viel Sinn.

Bis zum nächsten Mal - ich wünsche euch allen ratternde Rollen!

Euer Daniel

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