Spinner: Kunstköder im Überblick - HechtundBarsch.de

Spinner: Der unterschätzte Klassiker unter den Kunstködern

Was sind Spinner?

Die Geschichte des Spinners reicht weit zurück - vor rund 130 Jahren brachte die Marke Pflueger mit dem Luminous den allerersten sich selbst drehenden Köder auf den Markt. Seitdem ist eine riesige Vielfalt entstanden, und heute tummeln sich hunderte verschiedene Varianten in den Tacklekisten der Angler. Was sie alle verbindet: ein rotierendes Metallelement, das im Wasser auf mehreren Ebenen gleichzeitig Signale aussendet und Raubfische in den Wahnsinn treibt.

Optische Reize der Spinner

An Land sieht der Spinner vielleicht nicht gerade wie ein schmackhafter Happen aus - aber sobald er durch das Wasser gezogen wird, verwandelt er sich in einen blinkenden und blitzenden Körper, der täuschend echt einen in Panik flüchtenden Beutefisch imitiert. Kein Wunder, dass Räuber dabei selten widerstehen können.

Druckwellen im Wasser

Das rotierende Spinnerblatt ist ein echter Druckwellen-Generator. Diese Schwingungen nimmt jeder Raubfisch direkt über sein Seitenlinienorgan wahr - und reagiert darauf oft instinktiv. Kaum ein anderer Köder spricht diesen Sinn so intensiv an wie der Spinner.

Besonders clever: Bei sehr trübem Wasser, wo optische Signale kaum noch ankommen, rückt genau diese Eigenschaft in den Vordergrund und macht den Spinner zum heimlichen Star in solchen Situationen.

Selbst träge, scheinbar desinteressierte Räuber lassen sich durch die Druckreize immer wieder aus der Reserve locken - das ist ein echter Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte.

Geruch: Lockstoffe der Spinner

Weniger verbreitet, aber durchaus einen Blick wert: Es gibt Spinner mit einem aufschraubbaren Hohlkörper, in dem sich Lockstoffe oder andere Reizauslöser platzieren lassen. Gerade im Winter, wenn der Köder extrem langsam bewegt wird und der Lockstoff Zeit hat sich zu entfalten, kann das einen spannenden Extrareiz setzen.

Akustische Reize

Beim Rotieren entsteht durch die Reibung ein feines akustisches Signal. Klingt nach Kleinigkeit - ist es aber nicht. An trüben Tagen, wenn das Licht fehlt und visuelle Reize kaum eine Rolle spielen, kann genau dieses subtile Geräusch den Unterschied machen und die Aufmerksamkeit eines Räubers auf sich ziehen.

Welcher Fisch interessiert sich für Spinner?

Die Fächerbreite ist beeindruckend: Rapfen, Barsche und Salmonidenarten aller Art stehen total auf die rotierenden Blättchen. Der Hecht ist sowieso ein klassischer Spinner-Fan - egal in welcher Größenordnung. Aber auch räuberische Friedfische wie Döbel und Alande lassen sich prima damit überrumpeln, und manchmal erwischt man sogar eine Raub-Brasse, die dem Köder nicht widerstehen konnte. Und mit speziellen Varianten bekommst Du sogar Zander ans Band - dazu aber später mehr.

Rapfen mit Spinner gefangen

Daniels PB-Rapfen ging in Hamburg auf einen klassischen neongelben Spinner in Größe 3

Welche Spinnertypen gibt es?

Der Spinner ist kein Einheitsbrei. Die wichtigsten Vertreter im Überblick:

  • Bleikopfspinner
  • Spinnerbaits
  • Buzzbaits
  • Tandemspinner
  • Jigspinner

Bleikopfspinner

Der Name sagt es bereits: Ein Bleikopf sorgt dafür, dass dieser Spinnertyp auch tiefere Gewässerstellen problemlos erreicht. Wer an Spots mit etwas mehr Tiefe fischt, hat mit dem Bleikopfspinner ein feines Werkzeug in der Hand.

Spinnerbaits

In den USA sind Spinnerbaits aus der Schwarzbarsch- und Muskie-Angelei kaum wegzudenken. Der charakteristische Doppelschenkel-Aufbau ist markant: Auf einem Arm sitzen ein oder mehrere Rotorblätter, auf dem anderen ein Körper, oft kombiniert mit einem Skirt - und hier sitzt auch der Haken. Das Schöne daran: Durch die clevere Konstruktion ist die Hängeranfälligkeit minimal, selbst Krautfelder lassen sich damit bearbeiten.

Ein Nachteil existiert jedoch: Fehlbisse auf den hakenlosen Schenkel sind keine Seltenheit und können schon mal für Frust sorgen.

Buzzbaits

Der Buzzbait ist quasi der Spinnerbait für die Oberfläche. Statt eines klassischen Metallblatts sitzt hier ein Propeller, der nicht vollständig unter Wasser sein muss, um zu funktionieren. Das macht den Buzzbait zu einer spannenden Option für das Fischen direkt im Oberflächenbereich - mit entsprechend spektakulären Bissen.

Tandemspinner

Wer noch mehr Wumms braucht, greift zum Tandemspinner. Dank seiner 2 Metallplättchen verdoppelt sich die Druckwellenproduktion, und der Reiz für Raubfische steigt entsprechend. Besonders in ruhigen, großen Seen, wo man Fische auch auf Distanz aufmerksam machen muss, ist der Tandemspinner eine kluge Wahl.

Jigspinner

Mit seinem vergleichsweise hohen Eigengewicht sinkt der Jigspinner deutlich tiefer als andere Vertreter seiner Gattung. Das macht ihn zu einem fantastischen Suchköder, mit dem Du große Areale systematisch nach Fischen abtasten kannst.

Wie das Angeln mit Jigspinnern funktioniert, zeigt Dir Enrico in diesem Video:

Wie funktioniert ein Spinner?

Damit ein Spinner sauber dreht und wirklich "arbeitet", muss jede Komponente stimmen. Die Metallblätter müssen sicher und rotationsfähig am Draht montiert und im richtigen Winkel gebogen sein. Ein breiteres Blatt verdrängt mehr Wasser, erzeugt dadurch mehr Widerstand beim Einkurbeln und beeinflusst den Laufwinkel - breitere Blätter laufen flacher als schmalere. Diese kleinen Unterschiede entscheiden in der Praxis, welcher Spinner an welchem Spot die beste Figur macht.

Dekore von Spinnern

Neben Form und Typ spielt auch die Optik eine große Rolle. Spinnerblätter gibt es in grell-auffälligen Farben genauso wie in gedeckten, natürlichen Tönen. Dazu kommen Blättchen mit eingraviertem Schuppenmuster oder solche mit knalligen aufgeklebten Designs - für jeden Geschmack und jede Wassersituation ist etwas dabei.

Verschiedene Spinner im Vergleich

Kleiner Tipp: Du kennst das bestimmt: Der Räuber folgt dem Spinner über mehrere Meter, dreht aber kurz vor dem Boot oder Ufer wieder ab. Ein simpler Trick hilft hier oft überraschend gut:

Etwa 5 Meter bevor der Spinner das Boot oder Ufer erreicht, einfach 2-3 Kurbelumdrehungen schneller eindrehen - das löst in vielen Fällen noch rasante Last-Minute-Attacken aus.

Anwendungshinweis

Wenn Du den Spinner das nächste Mal auspackst, achte auf eine einfache Grundregel: Passe die Spinnergröße dem Zielfish und der Strömung an. Kleine Größen 1-2 sind perfekt für Bachforellen und Barsche in flachen, klaren Gewässern. Für Hecht und Rapfen in größeren Flüssen oder Seen darfst Du ruhig zu Größe 3-5 greifen - mehr Blatt bedeutet mehr Aktion und mehr Vibration auf Distanz. Und vergiss nicht den Dreierwirbel vor dem Spinner, damit hältst Du den lästigen Schnurdrall von Anfang an in Schach.

Neuheiten und Spezialitäten

Zander auf Spinner - klingt ungewöhnlich, funktioniert aber tatsächlich. Unsere amerikanischen Angelfreunde haben einen eigenen Spinner speziell für die Zanderangelei entwickelt: schwerer, spitzer Bleikopf, schlichtes Spinnerblättchen, Einzelhaken - und darauf wandern dann oft noch Fischfetzen oder Krebse als zusätzlicher Reiz. Eine clevere Kombi.

Interessant sind auch Hybridvarianten, bei denen ein Gummifisch auf einem normalen Jig mit einem einzelnen Spinnerblatt als Zusatzreiz kombiniert wird. Für Zander kann das eine interessante High-Action-Beute darstellen, die neugierig macht.

Bachforelle mit Spinner gefangen

Tonis PB-Bachforelle ging einem kleinen braun-weißen Spinner in Größe 2 auf den Leim

Sind Spinner altmodisch?

Warum also fischt kaum noch jemand mit Spinnern? Das Gefühl, dass dieser Köder leise aus der Szene verschwindet, ist schwer zu ignorieren. Immer weniger Angler gönnen ihm heute noch regelmäßige Wasserkontakte - aber woran liegt das?

Nachteile von Spinnern

Natürlich hat der Spinner seine Nachteile. Allen voran: Das rotierende Blatt produziert schon nach wenigen Würfen Schnurdrall. Lösung? Einfach einen guten Dreierwirbel vorschalten - und das Problem ist weitgehend vom Tisch. Alternativ lässt sich der Draht knapp unterhalb der Schnuröse um etwa 40 Grad abknicken, was ebenfalls hilft, auch wenn das nicht bei jedem Modell möglich ist.

Ein weiteres Thema ist die Aufbewahrung: Drillinge verhaken sich in der Köderbox gerne untereinander - eine echte Fummelei. Wer auf Einzelhaken umrüstet, umgeht das Problem elegant. Nebenbei ist das auch fischschonender, und viele Angler schätzen außerdem, dass ein gehakter Fisch einen Einzelhaken deutlich schwerer aushebeln kann als einen Drilling.

Und ja, der Draht verbiegt sich manchmal beim Drill. Aber mal ehrlich - wenn ein schöner Fisch im Kescher liegt, stört das wirklich niemanden mehr.

Wenig beworbenes Produkt

Die nachlassende Popularität des Spinners hat wenig bis gar nichts mit seiner Fängigkeit zu tun. Wer genauer hinschaut, stellt fest: Im Vergleich zu Gummifischen oder Wobblern wird für Spinner kaum Werbung gemacht. Und das hat wohl handfeste wirtschaftliche Gründe - bei einem so klassischen, ausgereiften Produkt lassen sich schlicht weniger Variationen und Innovationen vermarkten, und die Gewinnmargen dürften entsprechend geringer ausfallen. Das Ergebnis: Der Spinner verschwindet aus den Köpfen der Angler, obwohl er auf dem Wasser nach wie vor sehr viel draufhat.

Zusammenfassung

Gerade an Tagen, an denen Gummi und andere Kunstköder einfach nicht zünden wollen, lohnt es sich absolut, dem Spinner eine faire Chance zu geben. Denn den alten Spruch kennt ihr alle: Spinner geht immer!

Wir von hechtundbarsch.at wünschen Dir ratternde Rollen und viele gute Fische am Wasser!

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