Angeln im Harz: Tipps und Tricks für Ufertouren an der Talsperre - HechtundBarsch.de

Angeln im Harz: Dein Guide für Ufertouren an den Talsperren

Es gibt Jahre, die einen irgendwie ins Grübeln bringen. Viele Angler mussten ihre Reisepläne kurzerhand über den Haufen werfen und standen plötzlich vor der Frage: Wohin eigentlich, wenn die Ferne gerade keine Option ist? Die Antwort liegt näher, als man denkt. Das Talsperrensystem im Harz, dem größten Mittelgebirge Deutschlands, ist ein echter Geheimtipp für alle, die ein starkes Angelrevier direkt vor der Haustür suchen.

Dieser Artikel zeigt Dir, wo Du am besten Angelkarten bekommst und übernachtest, wie Du diese zum Teil riesigen Gewässer taktisch richtig angehst und welche Köder und Methoden Dich zuverlässig zum Erfolg bringen.

Gunnar mit Hecht aus einer Harzer Talsperre

Traumfisch aus der Talsperre - Mit Geduld und der richtigen Technik keine Seltenheit!

Talsperren im Ostharz - Das Rappbodesystem

Der Harz ist gespickt mit Talsperren. Neben der Okertalsperre und dem Oderstausee zählt die Rappbodetalsperre zu den bekanntesten. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Gewässer des Rappbodesystems im Ostharz - die Tipps lassen sich aber problemlos auf viele andere Talsperren übertragen.
Wenn Du mehr als nur einen Tagesausflug planst, bieten Elbingerode und Wernigerode eine gute Auswahl an bezahlbaren Unterkünften. Wer nah am Wasser wohnen möchte, findet in Königshütte zum Beispiel die Pension „Zum Felsen" - ein idealer Ausgangspunkt für Deine Touren an die Harzer Talsperren.

Tagesangelkarten im Harz erwerben

Tagesangelkarten gibt es in den Tourismusinformationen in Elbingerode, Hasselfelde und Benneckenstein sowie im „Fressnapf" in Wernigerode. Für die Zillierbachtalsperre nahe Wernigerode ist die Karte inzwischen auch bequem online über www.fiskado.de erhältlich.
Den für das Befahren der Forstwege nötigen Parkausweis bekommst Du ebenfalls an den Tourismusinformationen vor Ort.

In Sachsen-Anhalt darfst Du einen Großteil der Wald- und Forstwege mit dem Auto befahren, um ausgeschilderte Anglerparkplätze zu erreichen. Der Weg von dort ans Wasser ist kurz, und es gibt sogar spezielle Behindertenparkplätze und -angelplätze. Wo genau diese liegen, erfährst Du an den jeweiligen Informationsstellen.

Wie funktioniert das Rappbodesystem?

Das Rappbodesystem besteht aus mehreren Talsperren unterschiedlicher Größe, die größtenteils der Trinkwassergewinnung dienen. Das erklärt die hervorragende Wasserqualität und das meist bemerkenswert klare Wasser.
Für das Spinnfischen besonders relevant ist zunächst die namensgebende Rappbodetalsperre. Ihre schiere Größe und das Verbot, hier vom Boot zu angeln, wirken auf den ersten Blick abschreckend - doch mit den richtigen Kniffen wirst Du auch hier fündig. Wichtig zu wissen: Mit einer Tiefe von bis zu 60 Metern zählt sie zu den tiefsten Talsperren Deutschlands.

Die interessantesten Bereiche für Dich als Uferangler liegen deshalb im hinteren Teil des Gewässers, wo das Wasser flacher wird und die Buchten strukturreicher sind. Besonders lohnend sind die Zuwegungen über Hasselfelde, die Hasselvorsperre und über die Vorsperre in Trautenstein.

Rund um Königshütte bieten sich außerdem die Talsperre „Trogfurther Brücke" und das Hochwasserrückhaltebecken Mandelholz an. Beide Gewässer sind durch ihre übersichtliche Größe und einen guten Fischbestand ideal für Tagestouren - die Laufwege halten sich in einem angenehmen Rahmen. Auch hier gilt: Angeln vom Boot oder Bellyboot ist verboten.

Bootsverleih in Wendefurth

Eine Ausnahme bildet die Talsperre Wendefurth. Da sie nicht zur Trinkwassergewinnung genutzt wird, ist hier ein Ruderboot leihweise erhältlich. Natürlich lässt sich auch dieses Gewässer erfolgreich vom Ufer aus befischen.

Der Bootsverleih ist in der Regel von Ostern bis Mitte Oktober geöffnet. Diese Talsperre eignet sich übrigens auch bestens, wenn Familie oder Partner Dich begleiten. Neben Tretbooten und einem Restaurant warten hier eine der längsten Hängebrücken der Welt und eine „Mega-Zip-Line" auf Abenteuerlustige.

Taktik und Tipps für einen erfolgreichen Angeltag

Bevor wir uns den einzelnen Zielfischen widmen, ein wichtiger Einblick in das Wesen dieser Gewässer:

Alle Talsperren des Rappbodesystems teilen dasselbe Grundprinzip. Ihr Profil gleicht einer Badewanne: Die Ufer fallen nach wenigen Metern steil ab, bevor der Grund flach ausläuft und sich zur gegenüberliegenden Seite zieht. Nennenswerte Unterwasserstrukturen sind dadurch rar. Krautbänke sucht man wegen des steinigen Untergrunds fast überall vergeblich. Was diese Gewässer aber auszeichnet, sind die an den Uferkanten reichlich vorhandenen Totholzstrukturen und alten Baumstümpfe - das sind Deine wichtigsten Anhaltspunkte.

Gerade im Frühjahr, Spätherbst und Winter lohnt es sich, eine Wathose einzupacken. Bei hohen Wasserständen gewinnst Du so ein paar wertvolle Meter Wurfweite. Jetzt zu den einzelnen Zielfischen und den Methoden, die an diesen Gewässern wirklich funktionieren. Da Boote und Bellyboote an den meisten Talsperren verboten sind, beschränken sich alle Tipps auf das Uferangeln.

Hechte in den Talsperren: Vom Frequenzfischen bis zum Freiwassermonster

Als Zielfisch Nummer eins gilt hier ohne Zweifel der Hecht. Er ist der verlässlichste Fang, und wenn die Bedingungen passen, ist sogar der Fisch des Lebens im Bereich des Möglichen.

Das Wichtigste zuerst:

Sucht den Wind!

Ohne eine ordentliche Böe auf dem Wasser wird es richtig schwer, einen der großen Talsperrenhechte zu überlisten. Windstärke 4 darf es ruhig sein - bei Flaute fällt zu viel ungebrochenes Licht ins klare Wasser und die Fische stellen die Jagd schlicht ein.

Offiziell beginnt die Hechtsaison im Harz am 1. Mai, doch der Winter hält sich hier oft länger als anderswo, sodass die Fische nicht selten erst in der zweiten Maiwoche richtig aktiv werden. Dann findest Du sie in den flacheren Bereichen nahe der Einläufe der Bode - Wathosen sind hier Pflicht, die Wasserstände lassen Dir meist keine Wahl. Im Flachwasser bewähren sich Gummifische zwischen 14 und 20 cm, dazu fangen Spinnerbaits, Chatterbaits und Glidebaits zuverlässig. Zum Saisonstart dürfen die Farben ruhig knallig sein, die Hechte sind aggressiv und hungrig. Ab Ende Mai verteilen sich die Fische dann wieder über das gesamte Gewässer.

Die klassischen Frequenz-Hechte stehen den Rest des Jahres über bevorzugt direkt unter den Uferkanten. Da Deckung auf der offenen Wasserfläche fehlt, nutzen sie Totholz und Baumstümpfe als Rückzugsort. Hier lieferst Du ihnen am besten mittlere Gummifische und flach laufende Wobbler direkt über der Struktur an. Beim Jiggen mit kleinen Gummifischen steigen übrigens auch Hechte ein - also beim Barschangeln grundsätzlich Stahl nutzen! Klassische Blinker oder Spinner haben im Harz inzwischen kaum noch Chancen, die alten Bestände wurden damit jahrelang intensiv befischt.

Gunnar mit Hecht aus der Talsperre im Harz

Ordentlich Wind und ein Wurf entlang der Uferkante brachten diesen schönen Hecht ans Band. Der KØFI in 18cm in Ghost Perch geht eigentlich immer.

Wer es bewusst auf ein Freiwassermonster anlegt, kommt das ganze Jahr über an einem Tipp nicht vorbei: Bigbaits sind ein Muss. Ja, das kann auch mal einen biss-losen Tag bedeuten - aber vom Ufer aus fischst Du auf einen wirklich großen Hecht am effektivsten mit Ködern ab 18 cm aufwärts im Freiwasser. Im Winter empfiehlt sich eine tiefere Führung, von Ende Mai bis Ende November nehmen die „Big-Mamas" Bigbaits aber meistens auf etwa zwei Meter Tiefe.

Barschangeln - Klasse statt Masse

Einen Harzer Hecht zu überlisten ist eine Sache - die wirklich dicken Barsche zu erwischen, ist eine ganz andere. Trotzdem lohnt sich das Barschangeln hier außerordentlich. Fische unter 35 cm sind echte Ausnahmen, die Durchschnittsgrößen sind beachtlich.

Deine besten Chancen hast Du zwischen Juni und Mitte bis Ende November. Der entscheidende Faktor ist dabei Strecke machen. Die Barsche stehen in den Harzer Talsperren weit verteilt, sodass nach einem Fisch an einem Spot selten ein zweiter nachkommt.

Auch Barsche halten sich gern direkt unter den Uferkanten auf und nutzen Totholz als Deckung. Am besten fängst Du sie dort mit kleinen Gummifischen zwischen 7 und 10 cm, die Du einfach gleichmäßig einholst, oder Du setzt auf Twitchbaits. Im klaren Harzer Wasser mögen die Barsche lange Pausen beim Twitchen - das gilt nicht nur im kalten Wasser.

Gunnar mit Barsch aus der Talsperre

Twitch, Twitch, Pause... genau in diesem Moment kam der Barsch aus dem Gehölz auf den Twitchbait geschossen.

Die richtig großen Stachelritter findest Du jedoch am zuverlässigsten beim Jiggen - und Achtung: Hier ist immer auch mit Hechten zu rechnen, also unbedingt Stahl nutzen!

Die Barsche haben sich scheinbar damit abgefunden, dass es kaum Struktur in unseren Gewässern gibt und so stehen sie sehr oft grundnah und ziehen aktiv umher.

In den flacheren Talsperren empfiehlt es sich, die Suche nahe der Staumauer zu beginnen und sich bis auf etwa 2,5 m Wassertiefe vorzuarbeiten. In der Rappbodetalsperre nimmst Du Dir am besten die kleineren Buchten im hinteren Teil vor.
Ködergrößen zwischen 7 und 12 cm funktionieren am besten, Jigköpfe sollten zwischen 7 und 14 g wiegen. Bei den Farben kannst Du Dich auf natürliche Dekore verlassen, aber auch Motoroil oder GPC fangen regelmäßig gute Fische.

Die heißesten Phasen sind die Morgen- und Abenddämmerung. Im tiefen Winter wird das Barschangeln zusehends schwieriger - die Fische stehen dann oft so tief, dass eine waidgerechte Befischung kaum mehr möglich ist.

Barsch kurz vor der Dunkelheit

Die magische 40 kurz vor der Dunkelheit geknackt - KØFI Perch in GPC sei Dank!

Zander in den Harzer Talsperren - schwierig, aber nicht unmöglich

Seit einigen Jahren werden auch Zander in den Gewässern des Rappbodesystems besetzt. Vor allem in der Rappbodetalsperre und der Talsperre Wendefurth hat sich der Bestand inzwischen gut entwickelt. Trotzdem bleiben Zander hier ein kniffliges Ziel - das klare und oft kalte Wasser macht ihnen das Leben schwer.

Wer es dennoch versucht, sollte auf trübes Wetter und leichte Jigköpfe setzen. Gummifische unter 10 cm sind meiner Erfahrung nach erfolgreicher. Je nach Jahreszeit stehen die Zander mal sehr flach im Sommer oder recht tief im Winter. Wie beim Barsch ist die Dämmerung die beste Zeit - aber auch nachts lohnt der Einsatz, dann fangen wie im Fluss auch langsam geführte Wobbler unterhalb der Uferkante.

Zander im Harz gefangen

Leichter Jig und kleiner Köder konnten bei trübem Wetter diesen Zander aus der Talsperre zaubern.

Bach-, See- und Regenbogenforellen - Fliegen- und Spinnfischen auf Salmoniden

Was viele nicht wissen: Das Rappbodesystem beherbergt einen exzellenten Bestand an Salmoniden. In der Rappbodetalsperre sind Bach- und Seeforellen das ganze Jahr über ein realistisches Ziel. In den drei anderen hier beschriebenen Talsperren gibt es starke Bestände an Regenbogenforellen - die Vereine besetzen mehrmals jährlich, sodass eine schöne Trutte immer möglich ist. Am größten sind Deine Chancen im April, wenn alle anderen Raubfischarten noch geschont sind. Kleine Gummifische und Spoons, flach geführt, sind hier die Mittel der Wahl.

Besonders in der Talsperre Mandelholz bietet sich außerdem das Fliegenfischen an. Ich habe dort schon den ein oder anderen silbrig-goldenen Tag erlebt. Schwarze und braune Streamer laufen am besten, eine Rute der Klasse 5 mit Schwimmschnur ist ideal.

Wooly Bugger fürs Forellenfischen im Harz

Ein klassischer, schwarzer Wooly Bugger führte hier zum Erfolg

Zusammenfassung

Ich hoffe, dieser Artikel hat Dir Lust auf den Harz gemacht. Die anglerische Vielfalt dort ist wirklich beeindruckend, und auch für die ganze Familie gibt es genug zu entdecken. Hast Du noch Fragen? Schreib sie einfach in die Kommentare oder meld Dich auf Instagram bei glimmi_lmab. Wer mag, kommt auch gern mit mir gemeinsam ans Wasser!

Petri, euer Gunnar

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