Die Gewässer Hollands haben einen Ruf, der weit über die Grenzen hinausstrahlt. Gerade Raubfischangler aus dem deutschsprachigen Raum zieht es regelmäßig dorthin. Doch ein Problem kennt inzwischen fast jeder: Die großen, grenznahen Spots sind hoffnungslos überlaufen. Wer wirklich Hechte sehen will, muss weiterfahren - Richtung Küste, in die Polder.
Wo findet man Hechte in Nordholland?
Rund um Medemblik eröffnet sich eine völlig andere Welt. Schmale, kleine bis mittelgroße Kanäle, die von kapitalen Hechten bevölkert werden - und das bei einem Angeldruck, der mit den bekannten Grenzgewässern nicht zu vergleichen ist. Hotspots gibt es hier an jeder Ecke. Wer einen echten Geheimtipp sucht: Der See „Groote Vliet" direkt am Ijsselmeer und der Hafen von Medemblik beim Bootsverleih gehören zu den Stellen, an denen wirklich außergewöhnliche Hechte lauern. Die Region hat außerdem bezahlbare Ferienparks - also kein Grund, den Trip nicht zu planen.
Fischen in Poldern
Zugegeben: Wer zum ersten Mal vor einem Kanal steht, der gerade mal zwei bis vier Meter breit und etwa 1,5 Meter tief ist, fragt sich schon, ob das wirklich Sinn ergibt. Doch genau hier liegt das Geheimnis der Polderfischerei. Jan Eggers - der älteren Angler-Generation unter uns als „Der Hechtpapst von Holland" bestens bekannt - hat diese Technik salonfähig gemacht. Was er in drei Tagen bei seinen legendären Hechtseminaren weitergegeben hat, liest du hier.
Polderhecht Angelstellen Nordholland
Köderwahl für Polderhechte
Bevor wir ins Detail gehen, die wichtigste Grundregel:
In den Poldern setzt man auf Kunstköder, die extrem flach laufen - oder gleich auf Topwater Baits, also reine Oberflächenköder.
Die Köder, die sich hier am besten bewährt haben:
- Popper,
- Spinnerbaits
- und Wobbler mit flachen Tauchschaufeln.
An tieferen Stellen - etwa vor einem Wehr oder im Angelsee „Groote Vliet" - kommen auch Crankbaits und Gummifische richtig gut.
Was einen Polderfang so besonders macht? Der Biss. Er passiert oft direkt vor deinen Füßen - manchmal so nah, dass du die Kiemen aufblitzen siehst. Genau deshalb gilt die alte Regel des Spinnfischens hier ganz besonders: Den letzten Meter niemals schludern lassen. Eine zusätzliche Verführungsrunde des Köders direkt unter der Rutenspitze hat schon für Momente gesorgt, die man so schnell nicht vergisst.
Popper zum Hechtangeln
Kein Köder passt besser zu den Polderkanälen als ein Popper. Allerdings ist die Führung keine Selbstläufer-Technik. Du arbeitest ständig mit der Rute und variierst die Einholgeschwindigkeit. Das charakteristische „Plop"-Geräusch erzeugst du durch einen kräftigen, seitlichen Handgelenkruck.
Der typische Ablauf beim Fischen mit Poppern:
- Auswerfen.
- Abwechselnd links und rechts „poppen".
- Zwischen den Rucks zwei bis drei Kurbelumdrehungen einholen.
Unregelmäßige Pausen zwischen den einzelnen Schritten machen die Präsentation noch reizvoller.
Hier siehst du ein Video, das die Köderführung klar und anschaulich zeigt:
Zeigt sich nach mehreren Würfen mit dem Popper kein Hecht, wechseln wir zum Spinnerbait. Die Reflexion der Spinnerblätter setzt an manchen Tagen einen Reiz, den ein Topwater Bait schlicht nicht bieten kann.
Spinnerbaits für flache Kanäle
Viele starke Polderhechte sind auf moderne Spinnerbaits gefallen - und das nicht ohne Grund. Besonders Modelle mit zwei Spinnerblättern haben sich als sehr effektiv erwiesen. Die Kombination aus rotierendem Blatt auf einer Seite und einem Gummischweif-Haken auf der anderen trifft genau den Nerv der Polderhechte. Die Technik selbst ist unkompliziert: auswerfen, langsam einholen, gelegentlich eine Pause setzen und die obligatorische Extraschleife vor den Füßen nicht vergessen.
Wobbler flachlaufend nutzen
Einen flachlaufenden Wobbler erkennst du an der Tauchschaufel - genauer gesagt an ihrem Winkel zur „Seitenlinie" des Wobblers. Stell dir eine waagerechte Linie entlang des Köpers vor.
Liegt der Winkel der Tauchschaufel zu dieser Linie flach, hast du einen flachlaufenden Wobbler in der Hand - ideal für die Polderjagd. Eine kurze Schaufel bedeutet geringe Tauchtiefe, meist unter einem Meter. Du holst den Köder langsam ein, lässt ihn auftauchen und wiederholst den Vorgang. Die Rutenspitze kannst du dabei abwechselnd nach links und rechts führen, um die Köderführung noch unberechenbarer zu machen.
Angeltipps für Hechte in Holland
Tarnung
Neben dem richtigen Köder spielt die eigene Sichtbarkeit am Wasser eine große Rolle. Es geht nicht um Tarnfarben - sondern um die Sonne. Im Idealfall scheint sie dir nicht in den Rücken, denn dann wirfst du keinen Schatten ins Wasser. Ein Tipp direkt von Profi-Hechtangler Jan Eggers.
Oberflächenreflexion reduzieren
Beim Spinnfischen in Holland ist eine hochwertige Polarisationsbrille kein Luxus, sondern Pflicht. Nur damit kannst du deinen Köder unter Wasser wirklich verfolgen und die Schnur deutlich besser sehen als mit einer gewöhnlichen Sonnenbrille.
Gute Zange mitführen
Eine stabile Zange zum Lösen des Hakens gehört absolut griffbereit ins Tackle. Speziell Modelle mit einem extra langen Kopfteil sind beim Abhaken sehr hilfreich. Beim Lösen des Hakens versuchen wir immer, den Hecht so kurz wie möglich aus dem Wasser zu halten.
Auch das obligatorische Foto sollte zügig gehen - jede Sekunde außerhalb des Wassers zählt für den Fisch.
Ein Foto direkt am Wasser kurz vor dem Zurücksetzen ist für uns genauso schön wie das klassische Posefoto - und deutlich fischfreundlicher.
An Regeln halten
Deine gewohnte Spinnausrüstung funktioniert an den holländischen Kanälen problemlos. Eine Rute mit solidem Rückgrat und eine mittelgroße Spinnrolle mit 0,30-mm-Schnur sind eine gute Grundausstattung für alle Situationen.
Ganz wichtig: Unterstütze die strikte No-Kill-Regelung. In Holland gilt bei Hechten traditionell Catch & Release! Nur weil das über Jahre konsequent gelebt wurde, sind die Bestände so stark und die Gewässer heute so bemerkenswert.
Freundlicher Gruß
Triffst du am Wasser auf andere Angler, begrüßt du sie am besten mit:
„Hoi, hoe gaat het?"
Ein „Petri Heil" wirkt da eher fehl am Platz.
Hecht heißt auf Holländisch übrigens Snoek. Und wenn mal gar nichts beißt, hilft der Satz: „Dat komt wel goed he". Wer sich ein bisschen mit der Sprache beschäftigt, merkt schnell, wie viel Deutsch darin steckt.
Angelerlaubnis und Gewässerdatenbank
Das Hechtangeln mit Kunst- und Naturködern ist in bestimmten Zeiträumen verboten:
1. April bis zum letzten Samstag im Mai - am Ijsselmeer gilt: 16. Mai bis 30. Juni. Die produktivste Zeit für Polderhechte liegt zwischen Ende September und Anfang Februar. Solange die Temperaturen im Plusbereich bleiben, lohnen sich die Kanäle. Bei echter Kälte weichen wir auf Seen oder die tiefen Bereiche an Schleusen aus.
Viel Spaß auf dem Wasser - und schreib uns gerne deine Fangberichte!
Welchen Köder schwörst du beim Hechtangeln in den Poldern? Teile deinen Favoriten in den Kommentaren!































