Shallow-Rig: Flache Hechte und höchste Flexibilität - HechtundBarsch.de

Shallow-Rig: Warum flache Hechte ein flexibles System brauchen

Hechte halten sich oft in erschreckend flachem Wasser auf - und mit einem normalen Jighaken kommst Du da schlicht nicht mehr ran. Ab einer gewissen Hakengröße wird die Sache noch kniffliger: Der lange Hakenschenkel versteift den Gummiköder regelrecht und killt das natürliche Köderspiel. Dazu kommt, dass große Softbaits durch Jighaken im Drill noch schneller zerreißen, als es die messerscharfen Hechtzähne sowieso schon tun. Und mal ehrlich - Jighaken kann man nicht ständig wechseln, also verlierst Du automatisch an Reaktionsschnelligkeit. All das sind handfeste Argumente, die für ein Shallow-Rig sprechen. Was dieses System so besonders macht: Es funktioniert nicht nur in flachen Gewässern, sondern taugt als Basis für das Hechtangeln in nahezu jeder Wassertiefe.

Schöner Hecht am Shallow-Rig

Schöner Hecht am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Was steckt eigentlich hinter dem Shallow-Rig?

Der Kern des Shallow-Rigs ist eine sogenannte Shallow-Screw - eine Spirale aus Edelstahldraht, die direkt in den Gummiköder geschraubt wird. Am vorderen Ende dieser Spirale sitzt eine robuste Öse, über die das gesamte Hakensystem eingehängt wird. Die Verbindung zwischen Öse und Hakensystem lässt sich entweder über einen Sprengring herstellen oder durch Klemmhülsen dauerhaft fixieren. Letztere Methode setzt voraus, dass das Hakensystem aus Stahl- oder Titandraht aufgebaut ist - möglich, aber kein Muss. Das Hakensystem selbst ist je nach Köder mit einem oder mehreren Drillingshaken bestückt. Welche Variante passt, hängt von der Ködergröße, der konkreten Situation und natürlich von den eigenen Vorlieben ab.

Winterzander mit Perch Shad am Shallow-Rig im Maul

Nicht nur Hechte mögen Köder am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Beschwerung am Shallow-Rig

In seiner Grundform kommt das System vollständig ohne Zusatzgewicht aus. Es arbeitet ausschließlich mit dem Eigengewicht des Gummiköders - was bedeutet, dass Du selbst sperrige, große Gummis in extremem Flachwasser oder über dichtem Unterwasserkraut führen kannst, ohne die Vegetation dabei komplett zu verwüsten.

Pig-Shad am unbeschwerten Shallow-Rig

Pig-Shad am unbeschwerten Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Brauchst Du mehr Tiefe, hängst Du einfach ein Einhängegewicht in die Öse der Spirale und bringst den Köder damit auf nahezu jede gewünschte Lauftiefe.

Shallow-Rig mit #LMAB Tungsten Jika Sinker

Shallow-Rig mit #LMAB Tungsten Jika Sinker. Quelle: Dennis Siever

Neuere Systeme liefern spezielle Schiebeblei-Konstruktionen mit, bei denen das Gewicht einfach auf eine geformte Öse aufgeschoben wird. Das macht den Wechsel nochmals komfortabler - zwingend notwendig ist es aber nicht.

Shallow-Rig Beschwerung über Öse

Shallow-Rig mit anderer Beschwerungsvariante. Quelle: Dennis Siever

Die Komponenten des Rigs im Überblick

Shallow-Screw

Die Shallow-Screw ist das Herzstück des gesamten Systems. Dank Edelstahldraht ist sie vollständig rostfrei und damit auch im Brackwasser einsetzbar. Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar - doch bei der Auswahl der richtigen Screw gibt es einiges zu bedenken:

Im Wurf und im Drill lasten enorme Kräfte auf diesem unscheinbaren Teil.

Wenn ein 15-Kilo-Hecht entscheidet, im Drill richtig Stress zu machen und zu springen, muss die Screw diese Belastung klaglos wegstecken. Viele günstigere Modelle sind aus zu dünnem Draht gefertigt oder haben kein geschlossenes Öhr - im schlimmsten Fall biegt sich die Screw auf und Du verlierst Köder, Hakensystem und Fisch auf einmal. Zum Glück passiert das selten, und die meisten aktuell erhältlichen Screws sind gut dimensioniert.

Auch die Steigung der Spiralwindungen spielt eine wichtige Rolle. Passt sie nicht, reißt die Screw beim Drill aus dem Gummi und hinterlässt ein zylindrisches Loch im Köder. Weder zu groß noch zu klein darf die Steigung also sein.

Darüber hinaus gibt es Screws mit und ohne Zentrierstift. Mit Stift sitzt der Köder in Sekunden gerade und symmetrisch - ohne Stift kann das Ausrichten zur echten Geduldsprobe werden. Ein kleines Detail mit großem Unterschied im Alltag am Wasser.

Hakensystem

Das Hakensystem ist der variable Part am Shallow-Rig. Ködergröße, Köderform, die Situation vor Ort und persönliche Präferenzen bestimmen den Aufbau. In krautreichen oder hängerträchtigen Revieren sowie bei kleineren Ködern reicht in der Regel ein einzelner Drillingshaken vollkommen aus.

Viele Angler setzen auch bei größeren Gummis im Alltag bewusst nur einen Haken ein, um tief gehakte Hechte zu vermeiden. Da Hechte den Köder meist kopfseitig attackieren, reicht ein einzelner Drilling selbst bei einem 25 Zentimeter langen Gummi oft aus - und das Hakenlösen geht deutlich schneller von der Hand.

Wenn die Hechte zögerlich beißen, ein Wettkampf ansteht oder die Köder sehr groß werden, kann ein zweiter oder dritter Drilling die Bissausbeute spürbar steigern. Allerdings steigt damit auch das Risiko tief sitzender Haken und die Gefahr, sich beim Hakenlösen selbst zu verletzen. Deshalb solltest Du immer abwägen, wann ein zweiter oder gar dritter Haken wirklich Sinn macht.

Entscheidest Du Dich für mehrere Haken, ist es sinnvoll, die Widerhaken anzudrücken - das erleichtert das Lösen aus dem Fischmaul enorm und schützt auch Deine eigenen Hände. Für die Verbindung der einzelnen Haken untereinander und zur Screw stehen Dir viele Wege offen: Stahl- oder Titandraht oder ein Aufbau aus Mehrfachwirbeln.

Der Aufbau mit Wirbeln hat klare Vorteile: Einzelne Komponenten lassen sich blitzschnell austauschen, wenn ein Haken stumpf ist oder eine andere Größe gefragt ist. Außerdem wirkt das System bei unbeschwerten Montagen wie ein Kiel und stabilisiert Köder, die ansonsten zum Drehen neigen.

Zubehör zum Bau des Shallow-Rigs

Qualitätskomponenten zum Bau des Shallow-Rigs. Quelle: Dennis Siever

In wirklich flachen Gewässerbereichen kann allerdings selbst das Gewicht der Wirbel schon zu viel sein - dann führt kein Weg am Aufbau aus Draht vorbei. Grundsätzlich empfiehlt es sich, immer dann auf ein Wirbelkonstrukt zu setzen, wenn es die Situation erlaubt. Das System dreht sich im Drill frei, Draht verdrallt sich nicht, und gehakte Fische können sich schwerer lösen. Die Tönnchenwirbel unterliegen so gut wie keinem Verschleiß und halten theoretisch ewig. Nur wo es wirklich nicht anders geht, solltest Du auf ein drahtbasiertes Hakensystem umsteigen. Neben Haken, Sprengringen und Wirbeln beziehungsweise Draht gehören im Idealfall noch Stinger Spikes zum System. Diese Stifte verankern die Drillinge sicher im Gummikörper, bis der Hecht zubeißt - erst dann lösen sie sich heraus. Das sorgt für optimale Hakenposition beim Anbiss, schützt den Köder vor weiteren Schäden im Hechtmaul und hält die Aussteiger-Rate gering.

Einhängegewicht

Einhängegewichte für Shallow-Systeme sind aus Tungsten oder Blei gefertigt und verfügen oben über eine Konstruktion, die ein schnelles Ein- und Aushängen ermöglicht - ohne dass sie im Wurf oder Drill verloren gehen. Das können Clips oder kleine Bügel sein, in anderen Systemen werden geschlitzte Kugelgewichte aufgeschoben. Wie auch immer die Befestigung aussieht: Das Gewicht muss sich schnell tauschen lassen, ohne dass Du das Rig dabei auseinandernehmen musst. Tungsten ist hier klar das überlegene Material. Die höhere Dichte bedeutet weniger Volumen bei gleichem Gewicht - der Köderlauf wird weniger beeinträchtigt, und Blei entfällt komplett. Einzelne Hersteller bieten inzwischen auch bleifreie Alternativen zu Tungsten an.

Für welche Köder eignet sich ein Shallow-Rig?

Kleinere Gummis lassen sich prima auf Jigköpfen oder Cheburashkas montieren. Richtig interessant wird das Shallow-System erst ab etwa 17 Zentimetern Köderlänge. Nach oben gibt es quasi keine Grenze - theoretisch lassen sich Shallow-Rigs sogar für 40 Zentimeter lange Giganten anpassen, auch wenn solche Köder naturgemäß seltener zum Einsatz kommen. Die meisten großen Hechtgummis liegen zwischen 20 und 30 Zentimetern, und genau in diesem Bereich spielt das System seine Stärken voll aus. Schon allein wegen des Volumens ist ein normaler Jigkopf hier oft keine Option mehr. Das ist aber kein Problem - Shallow-Rigs sind kein Hexenwerk, schnell zusammengebaut und bringen bei großen Softbaits ausschließlich Vorteile.

Wie führt man Köder am Shallow-Rig richtig?

Im Grunde kannst Du Köder am Shallow-Rig ähnlich führen wie Gummis am Jigkopf. Beim Hechtangeln dominiert das Durchleiern mit eingestreuten Pulls - also längeren Zügen über die Rutenspitze - und anschließenden Spinnstopps, in denen der Köder absackt. Wie lang diese Pausen sind, hängt vom eingehängten Gewicht ab. Schwerer beschwerte Systeme lassen sich außerdem gut jiggen oder faulenzen.

Hecht auf Gator Catfish am Shallow-Rig

Schöner Hecht am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

Welche Gummifische passen zum Shallow-Rig?

Vor allem große, voluminöse Gummifische sind die idealen Partner für ein Shallow-Rig.

Hier sind einige Favoriten, die sich hervorragend an einer Shallow-Montage fischen lassen:

  • Illex Dexter Shad 200 und 250
  • #LMAB KØFI Roach Shad 26 cm
  • #LMAB KØFI Perch Shad 23 cm
  • Noike Wobble Shad 7,5"
  • Abu Garcia Beast Paddle Tail
  • Gator Gum
  • Kanalgratis Fatnose Shad
  • Kanalgratis Hooligan Roach

Haken im Köder verankern beim Shallow Rig

Ein Beispiel, wie die Haken im Köder verankert werden können. Quelle: Dennis Siever

Zusammenfassung

Kein anderes Rig bietet Dir beim Hechtangeln mit großen Ködern diese Kombination aus Flexibilität und Einfachheit. Dank wechselbarer Gewichte kannst Du Deinen Gummiköder buchstäblich in jeder Wassertiefe anbieten - ob auf einem großen See im Freiwasser, in flachen Schären oder in Boddenregionen. Das Shallow-Rig reagiert blitzschnell auf wechselnde Bedingungen, Köder halten länger und Hechte sitzen besser am Haken. Eine Liste, die ausschließlich Pros enthält. Also ran damit - und wie das „Z" am Ende des Alphabets steht, bleibt am Shallow-Rig eben auch regelmäßig mal ein Zander hängen.

Winterzander am Shallow-Rig

Dieser wunderschöne Nacht-Zander biss ebenfalls auf einen Köder am Shallow-Rig. Quelle: Dennis Siever

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